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Ottawa Toronto? Montreal? Vancouver? Nicht alle antworten auf die Kreuzworträtselfrage nach Kanadas Hauptstadt korrekt: Ottawa. Und die wenigsten waren schon mal da. Eigentlich schade, denn es lohnt sich.

„Hello! Bonjour!“ Die zweisprachige Begrüßung ist der Verkäuferin auf dem ByWard-Market von Ottawa längst in Fleisch und Blut übergangen. Kanadas Hauptstadt liegt zwar im Südosten der englischsprachigen Provinz Ontario, das französischsprachige Quebec ist aber nur einen Steinwurf entfernt. Mit seiner in Quebec gelegenen Schwesterstadt Gatineau auf der anderen Seite des Ottawa River ist man zu einer Metropolregion zusammengewachsen.

Zweisprachigkeit normal

Und damit verschmelzen in Ottawa auch die angelsächsische und französische Kultur wie in kaum einer anderen kanadischen Stadt. 63 Prozent der Einwohner geben zwar Englisch als ihre Muttersprache an, viele aber sprechen wie selbstverständlich auch Französisch.

Denn in Ottawa arbeiten sehr viele Menschen für Regierungs- und Verwaltungsbehörden – und da müssen die Mitarbeiter zweisprachig sein. Beide Sprachen gleichberechtigt nebeneinander zu benutzen, ist den nach Ausgleich strebenden Kanadiern enorm wichtig.

Nicht nur Ministerpräsident Justin Trudeau und seine Kabinettskolleginnen und -kollegen springen deshalb in Reden und Statements zwischen Englisch und Französisch hin und her – auch die Menschen tun es, wie die Verkäuferin in dem Marktviertel.

Gefühl von London

Trudeaus Arbeitsplatz ist die größte Touristen-Attraktion und prägt die Skyline der Stadt. Das Regierungsviertel auf dem Parliament Hill erinnert mit seinen altehrwürdigen neugotischen Gebäuden an London. Überragt wird das Parlament mit Unterhaus und Senat vom 98 Meter hohen Peace Tower mit seiner markanten Uhr.

Besucher können das Parlament auf geführten Touren besichtigen, wenngleich die historischen Räume seit 2012 restauriert werden. Die Sitzungen werden solange in einem beeindruckenden Nebengebäude abgehalten, dessen Mix aus alten Gemäuern und einer modernen Dachkonstruktion aus Glas und Stahl fasziniert.

Beeindruckend ist ein Flug über den Parliament Hill in einem der fast 100 Jahre alten Doppeldecker von Ottawa Aviation Adventures. Das Team rund um Chefpilot Greg Reynolds startet seine Rundflüge direkt neben dem Canada Aviation and Space Museum am nordöstlichen Stadtrand, in dem neben zahlreichen Flugzeugen auch der in Kanada entwickelte Arbeitsarm (auch „Canadarm“ genannt) des Space Shuttles ausgestellt ist.

Wasserfall in der Stadt

Mit einer nostalgischen Fliegerhaube ausgestattet, klettern zwei Passagiere auf den Doppelsitz der offenen Maschine. Der Pilot nimmt dahinter Platz und los geht’s. Bald tauchen unten Villen und Botschaftsresidenzen am Ottawa River auf. Im Fluss liegen mehrere kleine Inseln und die Chaudière Falls, an denen das Wasser rund 15 Meter in die Tiefe rauscht.

Weiter östlich fließt der Rideau River über mehrere Stufen in den Ottawa River. Mitten durch die Innenstadt schlängelt sich zudem der Rideau Canal, der Ottawa seit 1832 mit dem 202 Kilometer entfernten Ontariosee verbindet.

Leben am Kanal

Ist der Kanal im Winter zugefroren, skaten die Einheimischen auf Schlittschuhen zur Arbeit. Im Sommer radeln Biker an seinem Ufer und Kajak-Fahrer paddeln über den Kanal, dessen von Hand betriebene Schleuse zwischen Parlament und dem historischen Fairmont-Hotel Château Laurier eine Touristenattraktion ist.

Über acht Staustufen werden sichtlich überforderte Hausboot-Mieter und coole Profiskipper auf edlen Jachten zwischen Kanal und dem hier seeartigen Ottawa River geschleust.

Östlich der Schleuse schließt sich mit Lower Town das älteste Stadtviertel an, in dem die spätere niederländische Königin Juliana während des Zweiten Weltkriegs im Exil war. Als Juliana 1943 in der Stadt Prinzessin Margriet zur Welt brachte, erklärten die Kanadier das Krankenhauszimmer zum niederländischen Staatsgebiet. So konnte die Prinzessin ausschließlich Holländerin werden und in der Thronfolgelinie bleiben.

Biberschwänze

In Lower Town, das vor Kunstobjekten nur so strotzt, weil die Stadt ein Prozent ihres Haushalts in öffentliche Kunst investiert, liegt auch der ByWard Market. Rund um die große Markthalle gibt es unzählige Bars, Restaurants und Spezialitätenläden. Bauern aus der Region bieten Gemüse, Fleisch, Käse und natürlich Ahornsirup an.

Robert Hupe produziert seinen Maple Sirup auf seiner Maple Country Sugarbush-Farm zwei Stunden östlich der Hauptstadt. Der Farmer lässt seine Kunden gerne die verschiedenen Maple Sirup-Arten probieren, die selbstverständlich auch auf den Beaver Tails schmecken. Das süße Schmalzgebäck in Form eines Biberschwanzes wurde 1978 in der Nähe von Ottawa erfunden und ist Namensgeber für eine Backladenkette.

Einen der ersten von heute mehr als 150 Läden eröffnete Beaver Tails auf dem ByWard Market. Die rote Hütte ist fast immer belagert. Auch der damalige US-Präsident Barack Obama schaute bei einem Staatsbesuch vorbei. Die süßen Biberschwänze schienen Obama genau so zu gefallen wie das im Vergleich zu Washington beschauliche Ottawa.

Anreise: Die meisten Flüge nach Ottawa bietet Air Canada, mit Zwischenstopp etwa in Montreal oder Toronto.

Einreise: Bundesbürgern reicht ein gültiger Reisepass und eine vorher online eingeholte elektronische Reisegenehmigung (eTA), die umgerechnet rund fünf Euro kostet.


Elektronische Reisegenehmigung   http://dpaq.de/zxsjr 
Einreiseinfos der kanadischen Regierung (engl.) unter   http://dpaq.de/hhkrh 
Weitere Informationen unter   www.ottawatourism.ca 

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