Hamburg Fast geräuschlos setzt sich der lange Nachtzug der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in Bewegung. Schon wenig später liegt der Hamburger Hauptbahnhof hinter uns. Wir tauchen in die Dunkelheit der Nacht ein. Sie wird erst nach mehr als 13 Fahrtstunden kurz vor dem Reiseziel Wien der strahlenden Sonne weichen.

Der Zug, den die ÖBB etwas futuristisch Nightjet nennt, erstrahlt in angenehm warmem Licht. Öffnet man im Schlafwagenabteil die Tür zum eigenen kleinen Badezimmer, erblickt man die Dusche, das WC und das aus Platzgründen schwenkbare Waschbecken. Zwei schneeweiße Handtücher hängen an den Stangen, die an der Türinnenseite befestigt sind. Duschgel, Shampoo und ein Stück Seife liegen bereit. Alles ist funktionell auf engstem Raum komprimiert und wirkt doch nicht beengend.

Hotel auf Rädern

Die Schlafwagenwaggons sind eine Ingenieursleistung von Siemens, die diese bis zum Jahr 2005 an die Deutsche Bahn (DB) geliefert hat. Doch für die DB schien der Betrieb unwirtschaftlich zu sein. Anders bei den ÖBB. Sie hat den Fuhrpark 2016 von der DB übernommen und verzeichnet jährlich Zuwächse bei den Fahrgastzahlen.

Besonders gefragt sind die Verbindungen von Hamburg nach Zürich und Wien – gefolgt von der Strecke von Innsbruck nach Hamburg. Heute nutzen schon jährlich 1,4 Millionen Reisende die europaweit 26 Nachtzuglinien. Das Angebot floriert so gut, dass die ÖBB 13 weitere topmoderne Züge von Siemens bestellt hat, die ab 2022 in Dienst gestellt werden sollen.

Außer den Schlafwagen, die auf besonders beliebten Strecken schon viele Wochen vor dem Reisetermin ausgebucht sind, bietet der Nightjet auch Schlafwagenabteile ohne eigene Dusche und WC aber dafür mit Waschbecken sowie Liege- und Sitzwagen an. Dort trifft man vor allem junge Rucksacktouristen.

Im Schlafwagen fehlt es an nichts. So sind die Betten schon gemacht. Zur Begrüßung steht pro Passagier ein Piccolo Prosecco bereit. Die Stimmung steigt aber auch beim Blick auf die Speisekarte, mit der die ÖBB bereits bei Abfahrt die Bestellung fürs Frühstück entgegennimmt. Kaffee, Brötchen, Butter, Schinken, Joghurt und vieles mehr. Was das Herz begehrt kann man dort ankreuzen. Bis zu sechs Kreuze sind inklusive. Jede weitere Auswahl ist für kleines Entgelt zu haben. Und gleich einem Flugzeug werden gegen Aufpreis kleine Snacks serviert.

Das Hotel auf Rädern nimmt immer mehr Fahrt auf. Bis zu 200 Kilometer pro Stunde. Doch dank Luftfederung registriert man nur ein leichtes Schaukeln, das einen sanft in den Schlaf wiegt. So kann es passieren, dass man aufwacht, wenn dieses vertraute Schaukeln ausbleibt.

Der Zugbegleiter klopft. Wir haben gerade die österreichische Grenze passiert, und es ist Zeit aufzustehen. Noch in aller Ruhe duschen und sich mit dem Frühstück auf den Tag einstimmen. Dank der Kaffeeflatrate kehren die Lebensgeister zurück und man freut sich, wenn Pepi, wie es auf dem Namensschild des aufmerksamen Zugbegleiters steht, von seinem Beruf erzählt.

Josef Zellner, wie der 55-jährige Österreicher tatsächlich heißt, ist ein Stück weit die Seele des Unternehmens. Er ist schon seit 1983 im Nachtzug dabei und löst jedes Problem gelassen und mit Charme. Er hat nach der Fahrt, wenn für alle anderen der Tag anfängt, Feierabend und darf ins Hotel, um sich auszuschlafen.

Klassische Musik

Im Wiener Hauptbahnhof erwartet die Schlafwagenreisenden die exklusive ÖBB-Lounge mit einem reichhaltigen Angebot an Getränken und Snacks. Zusammen mit den Tageszeitungen und Zeitschriften ideal, um beispielsweise die Zeit bis zum Einchecken ins Hotel auf angenehme Art zu überbrücken.

Wer das quirlige Wien besucht, sich aber die Entschleunigung der Anreise erhalten möchte, wählt ein ruhiges Hotel. Es finden sich davon viele rund um die zen­trumsnahen Grünanlagen. Wer darüber hinaus nach Nachhaltigkeit sucht, sollte beispielsweise ein mit dem Greensign-Label ausgezeichnetes Hotel wählen. Im dritten Wiener Bezirk bietet sich das auf halbem Weg zwischen dem Hauptbahnhof und der Innenstadt gelegene Hotel Linder Am Belvedere an.

Wer Wien besucht, setzt sich fast zwangsläufig mit klassischen Komponisten wie Mozart oder Brahms auseinander. Selbst die Audiostreams in den Bussen der „Wiener Rundfahrten“ sind untermalt von klassischer Musik. Die Geschichten der Stadtführer ranken auch um sie. Und um die Habsburger – dem Fürstengeschlecht, das Europa seit dem Spätmittelalter dominiert hat.

Später, nach dem Ende der Kaiserzeit, wurde Wien in den Jahren von 1919 bis 1934 vor allem durch die Sozialdemokraten geprägt. Diese haben im „Roten Wien“ bezahlbaren Wohnraum für das Volk geschaffen. Dieser sozialdemokratische Gedanke beherrscht bis heute die Wiener. Und so kommt es, dass der Starkoch Heinz Reitbauer mit seinem Restaurant Steirereck, das im Jahr 2016 auf der Weltrangliste der besten Restaurants mit dem neunten Platz gekürt wurde, um Akzeptanz in der Bevölkerung wirbt. Das Haus hat im Erdgeschoss eine „Meierei im Stadtpark“ eröffnet. Dort sinkt durch moderate Preise die Hemmschwelle für die Gäste, die edle Gourmetküche zu genießen. Der Küchenchef verarbeitet nur heimische Produkte.

Eine frühzeitige Tischreservierung ist empfehlenswert. Genau wie bei der Buchung des Nachtzugs, der die Reisenden wieder zurück von der Donau in den hohen Norden an die Elbe bringt.

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