HANNOVER Die Zeit der Zurückhaltung ist vorbei: Der deutsche Urlauber gönnt sich wieder was. „Wenn wir Urlaub machen, dann vom Feinsten“, so fasst Antje Günther, Sprecherin von Dertour, den Anspruch vieler Urlauber zusammen. In den Katalogen für die kommende Wintersaison dürften sie eine angemessene Reise finden: Die großen Veranstalter bauen ihr Luxussegment massiv aus. „Luxus läuft“, sagt Peter Fankhauser, Chef von Thomas Cook.

Dertour prescht bei der Luxusoffensive voran. Fünf statt bisher zwei „Dertour-Deluxe“-Kataloge schickt der Veranstalter der Rewe-Gruppe nun in die Reisebüros. 513 Hotels und 33 Privatreisen werden darin angepriesen, im vergangenen Jahr waren es erst 287 Häuser. Die Tui-Edeltochter Airtours baut ihr Angebot um zehn Prozent aus.

Thomas Cook hält mit 90 neuen Hotels in seinem Winterprogramm dagegen, das Angebot an Luxusreisen wurde im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel ausgebaut. Damit die Reisebüros den Ansturm leichter bewältigen können, sind viele der Fünf- und Sechs-Sterne-Hotels jetzt erstmals zusammen mit dem Zug zum Flughafen in der ersten Klasse und dem Privattransfer zum Hotel in der Edellimousine als Pauschalreise und damit im Paket buchbar.

„Für exklusive Produkte sind die Leute bereit, auch mehr Geld auszugeben“, erklärt Michael Tenzer, Geschäftsführer Touristik der Thomas Cook AG. Wer es besonders exklusiv mag, kann eine Woche in einer Sechs-Sterne-Villa auf Mauritius mit Golfplatz und Butlerservice rund um die Uhr buchen. Einstiegspreis: 50 729 Euro.

„Polarisierung der Nachfrage“ nennt das Prof. Karl Born, der Tourismuswirtschaft an der Hochschule Harz in Wernigerode lehrt. Um auf dem Markt erfolgreich zu sein, müssten Reisen heute entweder richtig billig sein – oder eben richtig luxuriös. Die Reisebranche vollziehe so die gesellschaftliche Entwicklung nach, die Born als „Verlust der Mitte“ beschreibt. Die Schere zwischen Billigferien und Nobelreise weitet sich.

Teurer wird der Urlaub in der Wintersaison für fast alle. Die großen Veranstalter erhöhen unisono die Preise. Bei Tui kosten Reisen auf der Mittelstrecke zwei Prozent mehr als im vergangenen Jahr, Fernreisen werden um vier Prozent teurer. Die Pauschalreise-Veranstalter der Rewe-Touristik, ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg, verlangen durchschnittlich 2,5 Prozent mehr. Und Thomas Cook und Neckermann heben die Preise auf der Nah- und Mittelstrecke um zwei Prozent, auf der Fernstrecke um fünf Prozent an. Bei der Begründung sind sich die Veranstalter einig: Schuld seien die gestiegenen Kerosinkosten und die Luftverkehrsabgabe.

Schnäppchen können Urlauber vor allem in den Revolutionsländern in Nordafrika machen. Besonders für Tunesien werde es „super Last Minute Angebote“ geben, schätzt Born. Für einige Fernziele ziehen die Preise dagegen stark an. Wer mit Tui nach Südafrika oder Namibia fliegen will, bezahlt neun Prozent mehr als vor einem Jahr. Die wachsende Schar der Luxusurlauber wird das vermutlich kaum irritieren. Man gönnt sich wieder was.

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