Beirut Ein bisschen Meer und Strand, ein wenig Shopping, noch etwas Geschichte, schneebedeckte Berge und faszinierende Natur, imposante Moscheen und Kirchen – und das nah beieinander in einem einzigen Land? Das gibt es, und zwar im Libanon. Die „Schweiz des nahen Ostens“ – so wurde der Libanon in den 50er Jahren aufgrund seiner wirtschaftlichen Stabilität genannt – liegt zwischen Israel, Syrien und dem Mittelmeer. Die Größe beträgt gerade mal ein Viertel von Niedersachsen. Insgesamt gibt es 18 anerkannte Religionsgemeinschaften, darunter maronitische Christen, protestantische Christen, Sunniten, Schiiten, Drusen oder Juden.

Eine Reise in den Libanon fällt eher unter die Kategorie Abenteuerurlaub. Dafür aber gibt es so vieles zu entdecken, sogar auf Spuren der Phönizier kann man wandeln.

Die Hauptstadt Beirut

Die Hauptstadt Beirut von oben

Die Flugreise führt direkt in die Hauptstadt Beirut, die kontrastreicher nicht sein könnte. Aus manchen Straßenlampen hängt der bunteste Kabelsalat heraus, an der nächsten Ecke stehen hingegen unzählige teure SUVs und junge Beiruter genießen Drinks in hippen Bars. Die beste Adresse für Besucher ist das Ausgehviertel Mar Mikhael, in dem sich eine schicke Boutique an die andere reiht, zwischendurch eine Kunstgalerie, Restaurants oder Clubs für das Partyvolk. In diesem Viertel kann man auch nette Apartments über AirBnB mieten.

Allein Beirut kann man tagelang erkunden. Die Mohammed-al-Amin-Moschee am Märtyrerplatz beeindruckt nicht nur von außen – wenn man höflich am Eingang fragt, darf man als Besucher das Gebäude auch betreten. Frauen müssen einen schwarzen Kaftan überziehen. Vor der Corniche, der Seepromenade, liegen die Raouche Rocks, zwei bogenförmige Felsen.

Zwischen den Glasfassaden der modernen Hochhäuser wirkt das alte Holiday Inn-Hotel wie ein Mahnmal. Selbst von Weitem gut zu erkennen sind die Einschusslöcher aus dem Libanonkrieg vor 30 Jahren. Es ist auch ein wenig Katastrophen-Tourismus, wenn man es so will.

Baatara Gorge Wasserfall

Der Baatara Gorge Wasserfall im Frühjahr

Zu Beginn des Frühlings führt die Fahrt von Beirut nach Tannourine über schneebedeckte Hügel – zu beiden Straßenseiten türmt sich die weiße Pracht auf. Nach zwei Stunden erreicht man ein faszinierendes Naturschauspiel mitten im Gebirge: Der Baatara Gorge Wasserfall, übersetzt „Höhle der drei Brücken“. Das Schmelzwasser des Mount Libanon fällt hier rund 250 Meter tief in ein Bassin, geformt in Millionen von Jahren. Da Tannourine in überwiegend christlich geprägtem Gebiet liegt, sieht man oft Kirchen oder große Madonnenfiguren am Straßenrand. Ein weiteres Naturwunder ist übrigens die Jeita Grotte nur 20 Kilometer von Beirut entfernt.

Ruinen von Baalbek

Mitten in den Tempelanlagen von Baalbek

Die Tempelanlagen von Baalbek waren einst eine der größten Tempelanlagen der Welt. Auch heute ist das Ausmaß noch unglaublich beeindruckend, die ursprüngliche Größe fast nicht vorstellbar. Möglicherweise waren hier vor Tausenden von Jahren schon die Babylonier und Phönizier am Werk. Die heutigen Überbleibsel gehen auf die Römer im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus zurück.

Die Stadt liegt allerdings in der Bekaa-Ebene und mit nur 15 Kilometern Entfernung sehr nahe an der syrischen Grenze. Das Bekaa-Tal wird zudem von der Hisbollah dominiert. Daher rät das Auswärtige Amt von einem Besuch dort dringend ab – und wenn man die Ruinenstadt besucht, dann auf eigene Gefahr. Es gibt aber auch von Agenturen geführte Touren. Auf dem Weg ins Bekaa-Tal sieht man vom Highway aus viele syrische Flüchtlingscamps. Das löst auch bedrückende Gefühle aus.

Hafenstadt Byblos

Der Hafen von Byblos

Einfach faszinierend ist die Hafenstadt Byblos. Sie ist seit über 7000 Jahren besiedelt, gilt als eine der ältesten Städte der Welt und als Geburtsort der Schrift. Assyrer, Perser, Griechen, Ägypter und Römer haben hier ihre Spuren hinterlassen. Ganz nah dran an der Geschichte ist man in der alten Kreuzfahrer-Burg Gibelet. Am alten Phönizierhafen kann man anschließend bei bestem Ausblick frischsten Fisch genießen.

Der Libanon ist kein einfaches Urlaubsziel, aber es ausschließlich als chaotisch zu bezeichnen, würde diesem geschichtsträchtigen Fleckchen Erde nicht gerecht. Ein Besuch wird leichter, wenn man bereits Kontakte vor Ort hat. Das Land befindet sich in einer der schwersten Wirtschaftskrisen, die Corona-Krise hat das ganze noch verschärft.

Aufgrund der Corona-Krise rät das Auswärtige Amt (AA) aktuell von touristischen Reisen in den Libanon ab. Ohnehin sind die Einschränkungen durch die Pandemie noch viel zu groß. Bereits vor Beginn der Pandemie gab es landesweit Proteste gegen die Regierung – dazu kann es auch weiterhin kommen. Das AA warnt vor Reisen ins Grenzgebiet zu Syrien und Israel. Seit dem zweiten Libanonkrieg herrscht mit Israel Waffenstillstand. Ein israelischer Stempel im Pass kann die Einreise in den Libanon ausschließen.

Die Einreise erfolgt über den Rafiq Hariri International Airport. Von Frankfurt am Main fliegen beispielsweise die Lufthansa oder Middle Eastern Airlines. Wenn möglich, von einem Ortskundigen am Airport in Beirut abholen lassen.

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Tonia Hysky Redakteurin / Redaktion Kultur/Medien
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