Austin Cowboystiefel eignen sich nicht nur für die Arbeit mit Kühen, sondern auch für den Texas Two-Step. Zum Beispiel im „White Horse“ in Austins East End, wo das Gedränge auf der Tanzfläche groß ist und die Country-Musik live und laut – mit Fiedel, Gitarre und Kontrabass. Honky-Tonk nennt man beides, den Musikstil und diese Art Kneipe. Der Laden brummt. Whiskey fließt vom Fass.

Ein schlaksiger Mann brüllt gegen die Musik an und bittet zum Tanz. Das Publikum bildet einen bunten Mikrokosmos: Möchtegern-Cowboys und echte Rancher, Yuppie-Mädel mit High Heels, tätowierte Rocker, Studenten in Strickpullis und flotte Senioren, die den Jungen manchen Two-Step-Trick voraushaben.

Austin tanzt aus der Reihe. Die Hauptstadt des zweitgrößten US-Bundesstaates passt so gar nicht ins Texas-Klischee. Mehr als zwei Millionen Menschen wohnen im Großraum der liberalen Enklave mit konservativem Umland.

Willie Nelson zog 1972 nach Austin. Den heute 85-jährigen Country-Sänger mit den langen Flechtzöpfen kennen in Europa viele nicht. „Bei uns ist er sowas wie ein Gott“, sagt Freizeitmusiker Andrew Kobren. Dieser Analogie folgend, wäre die Musikhalle Austin City Limits (ACL) der Himmel. Das ACL hat Austins Image als selbst ernannte „Welthauptstadt der Live-Musik“ landesweit verbreitet. Mehr als 100 Konzerte finden jedes Jahr dort statt. Für lokale Musiker ist ein Auftritt oft das Sprungbrett auf die nationale Bühne.

Auch die berühmte Sängerin Janis Joplin studierte 1962 in Austin. Neuzugänge wie sie entwickelten die Country- und Folk-Musik ab den frühen 1960er Jahren zu einer kraftvollen Ausdrucksform der Gegenkultur weiter. Austin wurde bekannt für ihre Cosmic Cowboys. Diese Country-Musiker verschmolzen regionale Konventionen mit progressiven Strömungen zu originellen neuen Trends wie Outlaw Country – sozialkritische Westernmusik mit Rebellenanspruch. Johnny Cash ist ein Beispiel. Willie Nelson ebenso. Vor dem ACL steht eine überlebensgroße Bronzestatue des Outlaw-Oldies mit Bandana-Kopftuch, Westernstiefeln und entrücktem Blick. Ein Hippie-Cowboy oder Cowboy-Hippie?

Die Musikgeschichte prägt Austins urbane Kultur. Live-Musik erklingt nicht nur auf vielen Festivals, sondern auch an Straßenecken, in Supermärkten, Kirchen, Parks und auf Ratsversammlungen. Es sind vor allem die kleinen Bühnen in mehr als 250 Kneipen, Cafés, Restaurants und Bars, mit denen das Gastgewerbe die Tausenden Bands in dieser Stadt unterstützt. Ein loyales Publikum sorgt für gute Umsätze.

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