Wilhelmshaven In den Städten und Gemeinden der Küstenregion und der Urlaubsgebiete im Nordwesten sollte man jetzt ganz schnell erkennen, welche riesigen Chancen der Tourismus nach der Corona-Krise bietet: „Wir bekommen einen Deutschland-Boom im Tourismus“, sagt Michael Engelbrecht, Vizepräsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Aus der Erkenntnis, wie wichtig der Tourismus vor Ort sei, müssten jetzt zügig Konzepte und Investitionen erwachsen, forderte er beim zweiten „Tourismusgipfel“ der Initiative „Gemeinsam im Nordwesten“ im Hotel „Atlantic“ in Wilhelmshaven. „Ich vermisse Initiative“, beklagte Engelbrecht.

Der „Gipfel“ wurde gemeinsam von der Nordwest-Zeitung, der Emder Zeitung, der Wilhelmshavener Zeitung dem Jeverschen Wochenblatt und dem Anzeiger für Harlingerland veranstaltet, moderiert wurde die Talkrunde von NWZ-Chefredakteur Ulrich Schönborn. Wegen der Corona-Krise musste sie ohne Publikum stattfinden.

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Engelbrecht, der auch Vorstandsvorsitzender der Volksbank Jever ist, mahnte zur Eile: Das Zeitfenster für Investitionsbeschlüsse sei klein, im nächsten Jahr stünden Kommunalwahlen mit erfahrungsgemäß anderen Prioritäten an.

Standortvorteile schaffen

Die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Bundes-CDU, Silvia Breher aus Lindern (Kreis Cloppenburg), sah Möglichkeiten, dass für die nötigen Investitionen im Tourismus einschließlich Kultur auch Geld aus dem aktuell von der Koalition präsentierten Konjunkturprogramm fließen könne. Es gebe Mittel für besonders von Corona betroffene Branchen – und es gehe um „Investitionen, die jetzt wirken und uns in die Zukunft bringen“. Auch wenn Kommunen in Sport, Nahverkehr oder Kultur investierten, werde dies „am Ende zugleich ein Standortvorteil für den hiesigen Tourismus“. Breher appellierte an die Kommunen, wie Unternehmen zu denken und Pläne für die Zukunft zu entwickeln.

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Schon jetzt seien viele Hotels „gut nachgefragt“, berichtete Michael Diers als Geschäftsführer der Wilhelmshaven Touristik & Freizeit GmbH. „Aber auf den zu erwartenden massiven Zuwachs an innerdeutschen Gästen sind die Kommunen kaum vorbereitet.“ Um Chancen zu nutzen, müsse die Attraktivität erhöht werden – mit innovativen Ideen und digitalen Angeboten. Ihm schwebt für Wilhelmshaven zum Beispiel ein Museumsschiff vor, das Besuchern virtuell besonders eindrucksvoll „die Stadt vor 100 Jahren“ vor Augen führen könnte. „Wir müssen die touristischen Vorteile der Küste nutzen und zugleich dringend etwas tun, auch Angebote für Erlebnisse schaffen“, so Diers.

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Dies unterstützte auch Florian Schönwetter, Direktor des gastgebenden Hotels „Atlantic“ in Wilhelmshaven. „Gäste wollen ja nicht nur im Hotel übernachten, sondern auch mal rausgehen und etwas erleben. Gäste seien, sofern sie zum Beispiel eine Woche blieben, gern bereit, auch längere Strecken zu Attraktionen zurückzulegen. Große Chancen böten zudem das Weltkulturerbe Wattenmeer und der Gesundheitstourismus, der vor allem auch jenseits der Hauptsaison funktioniere.

Bessere Bahn-Anbindung

Der Hotel-Chef sprach ein weiteres „heißes Eisen“ an: Der zeitliche Korridor für die Sommerferien müsse erweitert werden, appellierte er an die Länder. Diese Forderung ist ein Dauerbrenner: Zu viele Länder machen gleichzeitig Urlaub. Touristiker wollen das entzerren, zudem auch das übrige Jahr mehr nutzen.

IHK-Vizepräsident Engelbrecht griff ein weiteres Thema auf: ICE- und Intercity-Züge für Wilhelmshaven, wie sie „seine“ Kammer kürzlich in Berlin angemahnt hat. „Wir brauchen auf jeden Fall eine bessere Bahn-Anbindung, um im Wettbewerb der Regionen bestehen zu können.“ Gefreut habe er sich, als bekannt wurde, dass die Bahn einen durchgehenden ICE von München nach Ostfriesland plane. Gleiches müsse für Oldenburg, Wilhelmshaven und die Küste gelten. Und diese Verbindungen müssten „ganzjährig verkehren“, sagte er mit Blick auf Saisonverlängerungen und viele ältere Reisende.

Breher versicherte mit Blick auf die aktuellen Planspiele für den Fahrplan der Zukunft, hier zögen die Abgeordneten der Region an einem Strang: „Da sind wir einer Meinung.“ Man brauche mehr direkte Züge, möglichst auch mit Fahrradmitnahme. Zudem müssten Bahnhöfe vor Ort ansprechend gestaltet sein.

Einig war sich der „Tourismusgipfel“: Überregional sollte man stärker gemeinsam auftreten. Breher: „Mit einem Gesamtkonzept für den Norden könnten wir uns noch besser vermarkten.“

Sehen Sie ein Video vom ersten Tourismusgipfel in Emden

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Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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