Oldenburger Gesundheitsexperte Im Interview
Was macht Lindan mit dem Körper?

Am Sonntag war bekannt geworden, dass auf Dachböden von Häusern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben eine hohe Konzentration des Insektengifts Lindan nachgewiesen wurde. Dr. Holger Petermann, Leiter des Gesundheitsamts Oldenburg, klärt auf.

Bild: Gesundheitsamt
Dr. Holger PetermannBild: Gesundheitsamt
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Frage: In welchem Ausmaß gilt Lindan als gesundheitsschädigend?
Petermann: Aus medizinischer Sicht ist zu sagen, dass beim Menschen die oral aufgenommene Obergrenze bis zu 15 mg/kg Körpergewicht angegeben wurde, beim Kind bis zu sechs mg/kg Körpergewicht, ab der sich Vergiftungserscheinungen feststellen lassen. Die einmalig durch Verschlucken aufgenommene tödliche Dosis wird angegeben mit 16 mg/kg Körpergewicht bis 160 mg/kg Körpergewicht. Chronische orale Aufnahme (zum Beispiel bei Winzern) über drei Monate ergab toxische Lähmungs-Erscheinungen bei einer Dosis von vier mg/kg/Tag/Person.
Frage: Welche Störungen können auftreten, wenn die Maximale-Arbeitsplatz-Konzentration (MAK) überschritten wurde?
Petermann: Beim Überschreiten des MAK-Wertes von mehr als 500 Mikrogramm/m³ Luft wurde von folgenden Störungen berichtet: Nervenstörungen an Armen und Beinen, Vermehrung der Darmtätigkeit, Leberfunktionsstörungen mit Gelbfärbung der Haut und Blutarmut. Die Aufnahme kann durch Inhalation, Verschlucken oder Kontakt aufgenommen werden.
Frage: Im Fall der Englischen Siedlung sollen 891 Milligramm pro Kilogramm Holz gefunden worden sein...
Petermann: Was allerdings keine Aussagekraft hat, da das Holz aufgenommen (verschluckt) oder berührt (über längeren Zeitraum) werden müsste. Hier kommt es auf die Belastung des Staubes auf dem Dachboden an, der bei Aufwirbeln eingeatmet werden könnte.
Frage: Auf welche Organe wirkt sich das Gift aus?
Petermann: Lindan wirkt vor allem schädigend auf Nerven und Leber, in Studien ergaben sich Hinweise, dass Lindan auf die Fortpflanzung, die Entwicklung und das Immunsystem Auswirkungen hat.
Frage: Erholt sich der Körper, wenn er nicht mehr dem Gift ausgesetzt ist?
Petermann: Lindan wird im Fettgewebe gespeichert. Nach therapeutischer Anwendung auf der Haut wurde es im Laufe von 14 Tagen über die Nieren ausgeschieden.
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