Menschenkette Gegen Flüchtlingssterben
2000 setzen in Dangast Zeichen für Humanität

Sie hatten zunächst nur mit 500 Teilnehmern gerechnet. Am Ende stand eine Menschenkette von weit mehr als einem Kilometer.

Bild: Hans Begerow
2000 Teilnehmer bildeten auf dem Dangaster Deich eine Menschenkette, um gegen das Ertrinken von Flüchtlingen im Mittelmeer zu demonstrieren.Bild: Hans Begerow
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Dangast Die Veranstalter vom Aktionsbündnis „Menschenkette Meer Menschlichkeit“ hatten tiefgestapelt, als sie mit 500 Teilnehmern für ihre Menschenkette auf dem Dangaster Deich rechneten. Es waren wohl mehr als 2000, die am Sonntag eine Kette vom Dangaster Hafen bis zum Deicheck bei Petershörn und in Richtung Cäciliengroden bildeten.

Entsprechend war Mitorganisator Alexander Westerman glücklich über die überwältigende Resonanz auf den Aufruf. Aufgerufen hatten auch die Kirchengemeinden rund um den Jadebusen, berichtete Dr. Hanspeter Boos (Varel), der wie Pfarrer Tom Brok (Büppel) Teil der Menschenkette war. „Es geht um Menschlichkeit, und es geht nicht, dass Seenotretter kriminalisiert werden“, sagte Boos. „Es geht zunächst einmal um ein Zeichen“, sagte Brok. „Viele Menschen sagen: Das Sterben auf dem Mittelmeer geht gar nicht, egal wie man zu den Fragen rund um die Flüchtlingsfragen steht“, sagte Brok.

Unter den Teilnehmern der Veranstaltung waren auch Politiker wie die Vareler SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller und die Grünen-Landesvorsitzende Anne Kura (Osnabrück) sowie Frieslands Landrat Sven Ambrosy. Breite Zustimmung zu der allgemeinen Forderung der Organisatoren gab es. „Das Thema wurde lange von der Politik ignoriert, es ist viel zu ernst, und wir müssen uns kümmern“, sagte Björn Rautenberg (Oldenburg).

Unter denen, die sich auf dem Deich eingereiht hatten, waren auch einige Flüchtlinge aus Syrien. „Wir wollen etwas tun“, sagte einer, der aus dem kurdischen Teil Syriens stammt und zusammen mit anderen Landsmännern nach Dangast gekommen war.

Dass es keine politische Erklärung gab, vermissten die Teilnehmer nicht. Für die Grünen sei die Rettung der Flüchtlinge aus dem Meer eine Herzensangelegenheit, sagte Landesvorsitzende Kura. Und der ehemalige Grünen-Landtagsabgeordnete Hans-Joachim Janßen (Jade) empfand es als positiv, „dass es eine völlig neutrale Aktion ist, eine gute Sache gegen unmenschliche Umgehensweise mit Flüchtlingen“.

Alexander Westerman hatte die Menschenkette mit dem Wilhelmshavener Blogger Ulf Berner und dem Jeverander Olaf Harjes organisiert. „Wir wollen wieder mehr Menschlichkeit in das Bewusstsein der Leute bringen“, sagte Westerman. Nachdem bei den rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz „Absaufen, absaufen“ skandiert worden sei, „möchten wir wieder an das Herz appellieren“. Bewusst habe man auf eine Kundgebung verzichtet. Als parteiloser Ratsherr in Varel führe er Gespräche über Fluchtursachen oder Hilfeleistung für afrikanische Länder. Auf der Menschenkette stehe das nicht zur Debatte. Deshalb habe man auch kein Rahmenprogramm organisiert.

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