OLDENBURG /RASTEDE „Unsere ganze Arbeit gehört nur dem Oldenburger Pferd und dem Pferdesport, mit Politik und Militarismus hat unser Verband nichts zu tun.“ Diese aufrüttelnden Worte richtete im Frühjahr 1948 der pferdesportbegeisterte Landwirt-schaftsinspektor Jan Noordendorp, gerade zum Vorsitzenden im neu gegründeten „Verband der Reit-, Fahr- und Rennvereine im Zuchtgebiet des Oldenburger Pferdes" gewählt, an die 56 damals dem Verband angeschlossenen Oldenburger Vereine. Sein Aufruf „Reiterkameraden an die Pferde" war nach der Nazi-Zeit, in der das reitsportliche Vereinswesen Oldenburgs gewaltsam dem diktatorischen System angepasst worden war, der erste Schritt zu einer engen demokratischen Zusammenarbeit aller Oldenburger Züchter und Pferdesportler.

Noordendorp und seine Mitarbeiter ließen den Worten Taten folgen. Sie setzten die Idee eines Vergleichswettkampfes aller Oldenburger Kreisverbände, der alle Jahre einmal stattfinden sollte, noch 1949 in die Praxis um: Am 27. und 28. Juni fand in Cloppenburg die Premiere des Oldenburger Landesturniers statt. Diesem ersten Turnier folgten im jährlichen Rhythmus 58 weitere; in diesem Jahr findet vom 22. bis 27. Juli das 60. Turnier statt.

Nach dem Turnier-Auftakt in Cloppenburg blieb Rastede als Veranstaltungsort in aller Munde. Denn unter der Reiterschaft war schon früh immer wieder die Forderung nach einer festen Wettkampfstätte für Turniere und Leistungsschauen erhoben worden, die möglichst zentral im Land und dazu noch in der Nähe der Hauptstadt Oldenburg liegen sollte. Für ein solches „Zentrum“ hatte Friedrich von Essen aus Rastede erste konkrete Pläne entwickelt, ein Pferdeliebhaber und Züchter, Vorsitzender des Reitervereins Hahn und Landbau-Großunternehmer in einer Person. Seine Passion wurde von Erbgroßherzog Nikolaus von Oldenburg geteilt. Er fand großen Gefallen an von Essens Idee eines zentralen Turnierplatzes und stellte 1948 eine 10 Hektar große Wiesenfläche am Rasteder Schloss zur Verfügung.

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In nur einem Jahr bauten von Essen und der Hahner Verein, der 1949 in Renn- und Reitverein Rastede umbenannt wurde, dieses Gelände zu einem Spitzen-Turnierplatz aus. Als Muster diente die große Flottbecker Anlage in Hamburg. Schon am 29. Juli 1949 fand die Einweihung der neuen „Rennbahn“ statt, die von Experten als eine der schönsten Deutschlands gelobt wurde. Schritt für Schritt entwickelte sich in dann in sechs Jahrzehnten aus einer Wochenend-Veranstaltung eine sechstägige und die in ihrer Art die größte Pferdeleistungsschau in Deutschland.

Der 1985 zum Rasteder Vereinsvorsitzenden gewählte Claas E. Daun ließ seine mannigfaltigen wirtschaftlichen und politischen Kontakte spielen und konnte im letzten Jahrzehnt des öfteren nicht nur deutsche Minister im VIP-Zelt begrüßen, sondern auch ausländische Diplomaten und hochrangige Wirtschaftsbosse. Aus der kleinen Turnierleitung Noordendorp/von Essen wurde bis 2008 unter Cheforganisator Wolfgang Teske ein Turnierstab von mehr als 30 Mitarbeitern. Im äußeren Erscheinungsbild wich die einstige ländliche Stall-Luft immer mehr dem vornehmeren Ascot-Duft. Das Turnier wurde mit den Jahren nicht nur pferdesportlicher, sondern auch gesellschaftlicher Treffpunkt von Reitsport, Zucht, Politik, Wirtschaft und Oldenburger Adel.

www.NWZonline.de/landesturnier

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