Ammerland /Oldenburg Das Wahlergebnis in Oldenburg und dem Ammerland fiel etwas anders aus als im Bund. Die AfD war hier schlechteste der sechs Bundestagsparteien mit 7,23 Prozent. Die CDU holte 30,58 Prozent der Zweitstimmen, dahinter die SPD mit 26,05 Prozent. Platz drei ging an die Grünen (12,49 Prozent) vor der FDP (10,38) und den Linken (9,36). Das Direktmandat holte sich Dennis Rohde mit 10 636 Stimmen Vorsprung auf Stephan Albani. Vor vier Jahren waren es lediglich 1000 Stimmen Unterschied gewesen.

 SPD

Sie feierten, als würden sie den neuen Bundeskanzler stellen. Bei der SPD-Wahlparty schallte es in ohrenbetäubender Lautstärke „Dennis, Dennis“ als Dennis Rohde den Saal betrat. Der Bundestagsabgeordnete hatte soeben den Wahlkreis direkt gewonnen, zum zweiten Mal nach 2013. Nach 37,4 Prozent vor vier Jahren reichten diesmal 36,31 Prozent, Stephan Albani (CDU) bekam 30,20 Prozent.

Bei den Zweitstimmen aber lag die Union viereinhalb Prozent vor der SPD. „Das war eine klare Personenwahl“, meinte Rohde. „Das macht man aber nicht alleine, das geht nur im Team“, rief er seinen Anhängern zu. Aber: In den Jubel mischte sich auch Nachdenklichkeit. „Zum ersten Mal sind wieder Nazis im Bundestag. Wir werden den Menschenhassern widersprechen, damit sie in vier Jahren wieder raus sind“, sagte der Bundestagsabgeordnete aus Wiefelstede.

Für ihn ist klar, eine große Koalition wird es nicht noch einmal geben. „Wir werden jetzt die Opposition anführen.“

 CDU

Die ersten Ergebnisse nahm Stephan Albani bei der CDU-Wahlparty im Bad Zwischenahner Ahrenshof noch mit etwas ungläubiger Freude zur Kenntnis. „Diese Balken sind in unserem Wahlkreis doch eher selten“, meinte er. Mit weitem Abstand führte er zu diesem Zeitpunkt in den Erststimmen vor Dennis Rohde. Mit schrumpfendem Vorsprung wurde Albani angespannter und die Stimmen der CDU-Mitglieder in der Ahrenshofscheune stiller.

Gegen 20 Uhr, als am Sieg von Dennis Rohde im Wahlkreis nicht mehr zu rütteln war, begannen sich die Reihen bereits zu leeren und der Ammerländer CDU-Kreisvorsitzende Jens Nacke griff neben Albani zum Mikrofon. Zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, ob es für Albani über die Landesliste reichen würde. Die Zitterpartie dauerte noch nach Mitternacht an. „Für den Wahlkreis hat es – wie so oft – nicht gereicht“, musste Nacke konstatieren. Und auch Albani musste zugeben: „Das Ergebnis auf Bundesebene macht uns nicht glücklich, ebenso wie die Erststimmen im Ammerland. Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was wir gegeben haben.“ Irritiert waren viele Beobachter im Ahrenshof darüber, dass die CDU im Ammerland bei den Zweitstimmen zwar deutlich vorne lag, ihr Kandidat bei den Erststimmen aber hinter Rohde zurückblieb.

Deutlicher in der Analyse wurde Barbara Woltmann, die dem Bundestag nicht mehr angehören wird. Das Flüchtlingsthema habe offenbar viele Wähler zur AfD getrieben. „Und wir haben das, was wir dann getan und geändert haben, nicht vermitteln können“. Ihr persönlich mache Sorgen, dass die Stadt Oldenburg und das Ammerland künftig deutlich schlechter im Bundestag vertreten sein könnten.

 AfD

Am unbekannten Ort feierte die AfD ihren Erfolg – man fürchtete Repressalien für den Gastwirt. Mit dem Ergebnis ist Kandidat Andreas Paul zufrieden. Es sei gelungen, die Kräfte zu mobilisieren. Paul gegenüber der NWZ: „Ich bin stolz, so viel erreicht zu haben.“ Insgesamt sei alles „sehr gut gelaufen“.

 FDP

Der FDP-Bundestagskandidat Nils Krummacker aus Westerstede sagte bei der Wahlparty im „Phönix“ in Oldenburg: „Das ist ein sehr gutes FDP-Ergebnis, auch aus Oldenburger Sicht. Das bedeutet auch Schwung für die Landtagswahl. Eine FDP-Beteiligung wäre gut in Hannover, zum Beispiel auch mit Blick auf die Bildungspolitik.“

 Grüne

Keine Euphorie, aber auch keine Enttäuschung: Bei der Wahlparty der Grünen in der „Flänzburch“ in Oldenburg blickte Direktkandidat Peter Meiwald realistisch auf das Ergebnis der Bundestagswahl. Nach einer Legislaturperiode wird er nicht wieder in den Bundestag einziehen. „Das ist schade, weil es wirklich Spaß gemacht hat“, sagte er, nahm das Ergebnis aber recht gelassen auf. „Es ist ein Mandat auf Zeit, das weiß man vorher.“ Mit dem Ergebnis im Wahlkreis könne man ebenfalls leben. „Aber man wünscht sich, dass man mehr durchdringt zu den Wählern.“

 Linke

Gezittert wurde bei der Linken: Ob es Amira Mohamed Ali in den Bundestag schaffen würde, hing von den Stellen hinter dem Komma ab. Gegen Mitternacht war noch unklar, ob sie es über die Landesliste schafft.

 Weitere Stimmen

Landrat Jörg Bensberg pendelte von einer Wahlparty zur anderen. Alle vier Ammerländer Bundestagsabgeordnete hätten sich in den vergangenen vier Jahren sehr für ihren Wahlkreis ins Zeug gelegt. „Es ist schade, dass nicht alle weitermachen können“, meinte der Landrat.

Jasper Rittner Redaktionsleitung / Redaktion Westerstede
Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
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