Bremen Ordentlich eingeparkt steht die Dreschmaschine aus den 1930er Jahren neben einem selbstfahrenden Mähdrescher aktuelleren Baujahrs mit Raupenlaufwerk. „Das Raupenlaufwerk schont den Boden, weil die Räder nicht einsinken“, erklärt Hinrich Harbers, während er an einer Pflanzenschutzspritze vorbei auf den weltweit größten Schlepper zusteuert. „Das ist der Big Bud“, sagt er. „Der hat 747 PS und fasst 4000 Liter Diesel.“ Vorsichtig nimmt Harbers den Traktor aus dem deckenhohen Regal in seinem Arbeitszimmer. Das Modell im Maßstab 1:32 ist eins von etwa 1000 landwirtschaftlichen Maschinen, die der Bauer aus dem Bremer Blockland bislang gesammelt hat.

Mit dem kleinen Finger

„Wenn ich hier sitze und mir die Maschinen angucke, dann hat das so was Entspannendes“, schwärmt der 48-Jährige und fegt mit einem Staubwedel behutsam ein bisschen Staub von der Motorhaube des „Big Bud“. Schon als kleiner Junge habe er sich für Trecker begeistern können. Kein Wunder, denn seine Familie hat fast vier Jahrhunderte hindurch Landwirtschaft betrieben.

Bevor er im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen als Schlepperfahrer zu einem Lohnbetrieb wechselte, war Harbers nach eigenen Angaben mit fast 20 Hektar einer der größten Ackerbauern im Blockland. Dazu hielt der Landwirt 60 Kühe, altdeutsche Rotbunte für Mast und Milch. Heute bewirtschaftet er noch rund acht Hektar Grünland.

Seine eigentliche Sammelleidenschaft habe aber erst begonnen, nachdem er seine Frau Nicole kennengelernt habe. An das erste Modell, das er sich damals gekauft hat, erinnert sich Harbers noch genau: „Ein Massey-Ferguson-Trecker und ein Drei-Achs-Muldenkipper, die ich in die Stube gestellt habe“, sagt er rückblickend.

Gesellten sich zunächst nur ein, zwei weitere Modelle hinzu, hat den Landwirt, wie er selbst sagt, irgendwann der „Jagdtrieb“ gepackt. Im Internet, auf Messen und Modellbörsen stöbert er seitdem stundenlang nach allem, was die Schlepperwelt zu bieten hat.

„Hier habe ich beispielsweise einen Deutz-Schlepper mit Schneeschild, den gab’s in den 70er Jahren“, erzählt Harbers, nachdem er das gesuchte Modell nach einem kurzen Blick über die Regalwand herausgefischt hat. „Das habe ich von einem Sammlungsverkauf aus Butjadingen. Bei dem Schlepper war die Achse defekt.“ Davon ist inzwischen nichts mehr zu sehen. „Mein Nachbar ist Zahnarzt, und der hat mir einen Zahntechniker empfohlen, der den Schaden repariert hat“, freut sich der 48-Jährige.

Ein besonderes Stück ist für ihn auch der hellblaue „Hanomag Robust 900“, ein handgefertigter Traktor, den er günstig ersteigern konnte. „Darauf muss man sonst ein halbes Jahr warten“, weiß der Landwirt, der selbst keine Modelle baut. „Dafür fehlt mir die Fingerfertigkeit“, gibt Harbers zu.

Sammelte er anfangs noch einfache Spielzeugmodelle, so ist sein Anspruch mit jedem neuen Exemplar gewachsen. Heute faszinieren ihn detailgenaue Nachbildungen, bei denen sich beispielsweise die Türen oder die Motorhaube öffnen lassen und einen Blick auf das Innenleben freigeben. Denn daran lässt sich schließlich auch die Entwicklung der Landmaschinen ablesen. „Früher war eine Lenkhilfe schon eine Errungenschaft. Heute lassen sich die größten Schlepper mit dem kleinen Finger drehen“, erzählt er begeistert. Früher habe der Fahrer im Freien gesessen, heute sitze er in einer klimatisierten Kabine.

Schneller und größer

Nach Harbers’ Einschätzung hat in den 1990er Jahren ein Trend zu immer größeren und schnelleren Maschinen eingesetzt. „Dabei geht es um eine größere Flächenleistung in immer weniger Arbeitszeit“, berichtet der 48-Jährige. So gebe es etwa einen selbstfahrenden Maishäcksler auf dem Markt, der bis zu 14 Reihen Mais auf einmal häckseln könne. Auch davon gibt es ein Modell. Es gehört allerdings Harbers’ neunjährigem Sohn Jan. Der Junge teilt Papas Leidenschaft.

Kommen Freunde oder Verwandte zu Besuch, dann wird gefachsimpelt. Zur besseren Anschauung würde Harbers seine Sammlung am liebsten in einer eigenen „kleinen Welt“ im Einsatz auf Feld und Hof präsentieren – ähnlich der Miniatur-Wunderwelt in der Hamburger Speicherstadt. Platz dafür hätte er in einem alten Stall. „Das wäre etwas fürs Alter, als Rentner könnte ich da schön sitzen“, verrät der 48-Jährige schmunzelnd seine Zukunftspläne.

Gern würde er sich auch mehr mit Gleichgesinnten austauschen. „Dafür wäre ein Modellclub gut, doch anders als in Holland oder Frankreich gibt es in Deutschland bislang leider keinen“, erklärt Harbers, der seinen Fuhrpark Besuchern mit Vergnügen vorführt.

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