Oldenburg Bei diesem Zauberschüler schrecken selbst die größten Lesemuffel nicht vor dicken Büchern zurück. Die Schriftstellerin J. K. Rowling hat mit ihren sieben Harry-Potter-Büchern ein weltweites Lesefieber sowohl bei jungen als auch bei erwachsenen Lesern ausgelöst. Bis heute wurden ihre Bücher in mehr als 80 Sprachen übersetzt, über 500 Millionen Mal verkauft und in acht Kinofilmen umgesetzt. Harry Potter gilt als die berühmteste Romanfigur des 21. Jahrhunderts.

Begeisterte Testleserin

Die Ausstellung zur Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse (Kibum) widmet sich vom 9. November bis 1. Dezember dem Phänomen Harry Potter im Allgemeinen und den zauberhaften Illustrationen von Jim Kay im Besonderen. Im Mittelpunkt stehen seine Zeichnungen in dem neuen Schmuckband „Harry Potter und der Feuerkelch“ (Carlsen, 450 Seiten, 38 Euro), der erst Anfang Oktober weltweit erschienen ist. Gezeigt werden zur Weltpremiere in Oldenburg außerdem Skizzen und Bleistiftstudien von Kay, die noch nie zuvor öffentlich zu sehen waren. Und dass der mehrfach ausgezeichnete Künstler aus Northampton­shire persönlich zur Ausstellungseröffnung kommt, darauf ist Regina Peters, Organisatorin der Kibum, auch „ein bisschen stolz“.

Die Autorin J. K. Rowling gilt heute als die erfolgreichste Schriftstellerin der Welt. Danach sah es anfangs gar nicht aus. Rowling ist arbeitslos, als sie das erste Harry-Potter-Buch schreibt. Das Manuskript von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ schickt sie 1995 an verschiedene Verlagshäuser und bekommt viele Absagen. Erst bei Barry Cunningham, Kinderbuchlektor bei Bloomsbury, stößt sie auf Interesse. Verlagsleiter Nigel Newton spannt seine achtjährige Tochter Alice als Testleserin ein, und die ist begeistert.

Die englische Ausgabe von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ erscheint 1997 bei Bloomsbury in einer Auflage von 500 Exemplaren. Kurz darauf ersteigert der Verlag Scholastic die amerikanischen Buchrechte für 105 000 Dollar. „Dass für das erste Buch einer völlig unbekannten Kinderbuchautorin eine so hohe Summe gezahlt wird, ist beispiellos“, sagt Regina Peters. Es ist eine fast märchenhafte Erfolgsgeschichte: Rowling wird quasi über Nacht weltbekannt. Bis zum Jahr 2007 erscheinen sechs weitere Harry-Potter-Bücher. Der siebte Band „Harry Potter und die Heiligtümer“ wird allein im deutschsprachigen Raum mit einer Erstauflage von drei Millionen Exemplaren veröffentlicht.

Modellbau im Atelier

Seit 2015 ist der Künstler Jim Kay tief in die Welt von Harry Potter und seinem Widersacher Lord Voldemort eingedrungen. „Ich hatte erst einmal sehr viel Angst davor, denn ich wusste, wie viele Menschen Harry Potter lieben und wie viele ich enttäuschen konnte“, erinnert sich Kay an den Moment, als er den Großauftrag für die Schmuckbände erhielt. Harry Potter ist für ihn zum Fulltime-Job geworden, sieben Tage die Woche von morgens bis abends.

Jim Kay arbeitet sehr genau, sein Skizzenbuch hat er immer und überall dabei. Er braucht für seine Illustrationen echte Menschen, echte Orte und echte Objekte. So stand ihm seine Nichte Modell für Potters Freundin Hermine, seine Frau für Minerva McGonagall, die stellvertretende Schulleiterin von Hogwarts. Seinen idealen Harry Potter fand er zufällig in der Londoner U-Bahn.

Um die Romanhelden altersgemäß zu zeichnen, arbeitet er mit Schulklassen zusammen. „Kinder sind wirklich schwierig zu malen. Wenn man nur eine Linie an die falsche Stele setzt, macht man sie älter. Also kann man nur ein, zwei Linien malen, sonst ruiniert man das Bild“, erklärte er in einem Interview mit dem dem Carlsen-Verlag.

In seinem Atelier zeichnet und malt Kay mit Öl-, Aquarell- und Acrylfarben, mit Bleistift, Kohle und Wachsmalfarben. Im Anschluss bearbeitet er seine Illustrationen am Computer. Um sich die Zauberwelt dreidimensional vorstellen zu können, formt und baut er Modelle aus Plastilin, Papier und Pappe. So sind zum Beispiel die Zaubererschule Hogwarts und der Hogwarts-Express entstanden.

Und was sagt die Erfolgsautorin J. K. Rowling über Kays Arbeit? „Ich finde seine Interpretation von Harry Potters Welt großartig und fühle mich geehrt, dass er diese Welt mit seiner Kunst zum Leben erweckt hat.“ – Mehr Wertschätzung geht nicht.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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