Norddeich Die Hauptsaison geht auf den ostfriesischen Inseln ihrem Ende entgegen, und trotz des wechselhaften Wetters erreichen die Übernachtungszahlen wieder Spitzenwerte. Das bedeutet zugleich, dass sich in dieser Zeit – auf Norderney kommen noch die Gruppenreisen hinzu – weitaus mehr Menschen auf den Inseln aufhalten, als dort sonst leben.

Wie sie dorthin kommen, erschließt sich Besuchern durch die eigene Anreise. Aber wie es gelingt, dass sie zu jeder Zeit – etwa beim Bäcker, im Supermarkt oder Restaurant – einen lückenlosen Service vorfinden, ganz so, wie sie ihn daheim gewohnt sind, erschließt sich schon nicht mehr so leicht. Und wie sogar schwere Baumaschinen zu den entlegensten Stellen der Inseln gelangen, noch viel weniger.

Logistische Leistung

Dabei ist wohl keine bewohnte norddeutsche Insel so schwer zu versorgen wie das tideabhängige und autofreie Juist, wo selbst der Hafen immer wieder verschlickt und für Schiffe eine mögliche Gefahr darstellt. Als Fahrrinne bieten sich nur die sich täglich mal mehr, mal weniger verändernden natürlichen Priele an, die immer wieder neue flache Stellen aufweisen. Das führt zu den für Festlandbewohner eher ungewöhnlichen Fahrzeiten der Fährschiffe.

Aber die Versorgung der Insel muss dennoch funktionieren und so gut es geht von der Tide unabhängig sein. Die mit der Inselversorgung betraute Reederei Norden-Frisia AG stellte sich dieser logistischen Herausforderung und schaffte Transportschiffe an, die bei möglichst wenig Tiefgang möglichst viel Zuladung aufnehmen können.

Eines dieser Spezialschiffe ist der RoRo-Frachter MS „Frisia VIII“, der aufgrund seiner speziellen Bauform auch sperrige Ladung und selbst schwere Straßenfahrzeuge aufnehmen kann. Besetzt ist es mit Kapitän Gerjet Gerjets aus Greetsiel und seinen beiden Schiffsmechanikern Ralf Eilers und Lothar Pape.

Ihre reguläre Arbeit beginnt meist schon zu einer Tageszeit, zu der sich die meisten Menschen noch nicht einmal zum Aufwachen regen. „Es geht immer darum, dass die Insulaner ihre Waren so früh wie möglich bekommen“, erklärt der Kapitän und meint mit „Insulaner“ insbesondere die Hotels, Supermärkte und Geschäfte.

Seit mehr als 30 Jahren hat er mit verschiedenen Schiffen alles mögliche – außer Müll – nach Juist und Norderney transportiert. Er muss jeden Tag und bei jedem Wetter, unter Umständen auch bei Ostwindwetterlagen und Niedrigwasser, den besten Weg finden. Dabei sei selbst die aufwendige Technik an Bord nicht immer hilfreich, sagt er. „Ich fahre praktisch schon mein ganzes Leben. Mir ist daher das Watt mit seinen Besonderheiten und möglichen Wegen sehr vertraut.“ Es gelte, möglichst sicher zu manövrieren und keine Schäden an den Antriebsanlagen oder dem Rumpf zu riskieren. Auch dürfe die Natur, insbesondere die Tiere, weder gestört noch geschädigt werden.

Eingesetzt werden die „Frisia VIII“ wie auch ihre kleinere und ältere Schwester „Frisia VII“ nicht nur für den regelmäßigen Transport von Versorgungsgütern. Auch Baustoffe, Arbeitsmaschinen für den Küstenschutz, Schwertransporte mit Überlänge und vieles mehr muss auf die Inseln gebracht und wieder abgeholt werden. Als Arbeitsponton für Rammarbeiten an Spundwänden und Pfählen mussten sie auch schon einmal herhalten.

„Blauer Engel“

Besonders spektakulär gestaltet sich aber die Lieferung von Baumaschinen an schwer zugängliche Orte auf den Inseln. Dazu muss zunächst der richtige Weg zur richtigen Zeit gefunden werden, um dem Einsatzort möglichst nahe zu kommen. Dann gilt es, den Moment abzuwarten, an dem das weiter ablaufende Tidewasser so niedrig geworden ist, dass die Fahrzeuge über die lange Schiffsrampe herunterfahren können und dabei weder im Wasser noch im Watt allzu tief zu versinken.

Gleichzeitig aber muss der Kapitän versuchen, noch genügend Wasser unter seinem Schiff zu behalten, um nach dem Ende der Ladearbeiten auch wieder wegfahren zu können. Gelingt ihm das nicht, müssen Schiff und Besatzung eine ganze Tide ausharren, bis das Schiff wieder aufschwimmt.

Neben ihrem Leistungsvermögen bringt die „Frisia VIII“ allerdings noch etwas ganz besonderes mit: Als erstes Schiff an der deutschen Nordseeküste ist sie nach dem Umweltstandard „Blauer Engel“ für ein umweltfreundliches Schiffsdesign (RAL-UZ 141) zertifiziert. Dafür müssen 36 Vergabekriterien eingehalten werden – etwa eine Abgasnachbehandlung und einen umweltverträglichen Unterwasseranstrich wie auch eine Abwasser- und Müllentsorgung an Land.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.