Oldenburger Land Im Mittelalter waren sie wichtige Zufluchtsorte für die Menschen. Vor allem bei verheerenden Sturmfluten boten die Steinkirchen, die es im Oldenburger Land schon um 1300 gab, oftmals den einzigen Schutz. Ihre kulturhistorisch bedeutende Ausstattung ist für Horst-Günter Lucke, Vorstandsvorsitzender der Kirchbaustiftung der evangelisch-lutherischen Kirche Oldenburg, ein wichtiges Stück Hochkultur und in ihrer Vielfalt einzigartig.

Die Gotteshäuser mit ihren Altären, Orgeln, Kanzeln, Taufbecken, Leuchtern, Bänken und anderen Kunstschätzen zu erhalten und Restaurierungen zu unterstützen, ist Ziel der Stiftung. „Wir freuen uns, wenn eine Gemeinde tätig wird und wir helfen können. Wir kümmern uns um die Kür“, erklärt Lucke. Und es gibt es viel zu tun in den 147 evangelischen Kirchen im Oldenburger Land.

Großprojekte

Die seit Langem anhaltende Niedrigzinsphase ist allerdings keine gute Zeit für Stiftungen. Umso mehr freut sich Lucke, dass die Kirchbaustiftung in diesem Jahr 100 000 Euro zur Verfügung stellen kann, um Bestehendes zu erhalten und Neues zu fördern. „Wir zwingen niemanden“, betont er.

Ein Beispiel für die Arbeit der Kirchbaustiftung ist die Renovierung der über 1000 Jahre alten St.-Firminius-Kirche in Dötlingen (Kreis Oldenburg). Bei der Restaurierung des Taufschalenträgers fand man unter mehreren Anstrichen die barocke Erstfassung vom Ende des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Marmorfarbtönen. Mit Unterstützung der Stiftung konnte 2004 der Originalzustand wiederhergestellt werden.

Vorzeigeobjekte sind auch die von Jochen Poensgen künstlerisch gestalteten Fenster in der Kirche „Zum guten Hirten“ in Damme (Kreis Vechta) und die Restaurierung der im neugotischen Stil erbauten Kirche in Elisabethfehn (Kreis Cloppenburg). In der Gedächtniskapelle für Großherzogin Elisabeth von Sachsen-Altenburg, Namensgeberin des Ortes, wurde das originalerhaltene mittlere Fenster restauriert, der Glaskünstler Günter Grohs aus Wernigerode gestaltete die beiden Seitenfenster dazu passend in moderner Form. Für Achim Knöfel, in der Landeskirche zuständig für Kirchenbaukunst und Denkmalpflege, ein gutes Beispiel dafür, wie mit Hilfe der Kirchbaustiftung Fehler der Vergangenheit beseitigt und Neues geschaffen wird.

Ein Großprojekt, das mehrere Jahre in Anspruch nahm, war die Restaurierung der St.-Johannes-Kirche in Wiefelstede (Kreis Ammerland). Den Anstoß gab die Restaurierung der Orgel, aber der Innenraum brauchte einen neuen Anstrich, und der in den 50er Jahren zersägte Altar sollte wiederhergestellt werden. Die größte Überraschung gab es bei der Taufe, als die ursprünglich barocke Farbgebung zum Vorschein kam. In diesem Jahr sollen noch die Glockenaufhänger erneuert werden. Die verrosteten Stahljoche werden gegen hölzerne Aufhänger ausgetauscht. Finanziell ist das für die Stiftung eher eine Marginalie.

Viel zu tun gibt es für die Stiftung noch in der St.-Hippolyt-Kirche in Blexen (Kreis Wesermarsch). Nach der Restaurierung der Kanzel von Ludwig Münstermann steht jetzt der ganze Kirchenraum zur Sanierung an. „Das wollen wir mit der gleichen Intensität angehen wie in Wiefelstede“, betonen Lucke und Knöfel.

Schritt für Schritt

Mit einem Topf Farbe ist auch bei der Fortsetzung der Arbeiten in der Alexanderkirche in Wildeshausen (Kreis Oldenburg) zur Wiederherstellung des Gesamtkunstwerks im Jugendstil nicht getan. Seit dem Jahr 2000 wird Schritt für Schritt das Einzigartige wieder zum Vorschein gebracht. Im letzten Akt geht es um eine neue Orgel und die Rosette des Glaskünstlers Georg Karl Rohde, die derzeit noch von der alten Orgel verdeckt wird.

Die Kirchbaustiftung kümmert sich derweil um die Kirchenbänke, die auch wieder im Jugendstilglanz erstrahlen sollen. Ein Anfang ist bereits gemacht und Achim Knöfel mit dem Ergebnis zufrieden.

Bei der Renovierung der Alexanderkirche in den 1970er Jahren wurde die alte Kanzel, ebenfalls von Georg Karl Rohde, im Museumsdorf Cloppenburg eingelagert, auch der Altar und die Altarfiguren von Max Gökes wurden ausgeräumt. Ob sie zurückkehren, ist nicht geklärt. Schön wär’s, wenn man die Kirchbaustiftung fragen würde. Aber: Gezwungen wird niemand.

Die Kirchbaustiftungwurde im Jahr 2001 von der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche Oldenburg als gemeinnützige kirchliche Stiftung mit einem Vermögen von 2,5 Millionen Euro gegründet. 2012 wurde das Stiftungsvermögen aufgestockt und beträgt mittlerweile durch weitere Zustiftungen 4,8 Millionen Euro.

Laut Satzungsoll die Kirchbaustiftung zur Pflege, Unterhaltung, Veränderung und Neuausrichtung von Kirchengebäuden einschließlich ihrer Ausstattung beitragen. Historische Kunstwerke können ebenso gefördert werden wie zeitgenössische sakrale Kunst. Seit einer Satzungsänderung von 2012 können auch Friedhöfe und Grabanlagen finanziell unterstützt werden. Dies kommt unter anderem bei der Restaurierung des Gräberfeldes rund um das Mausoleum auf dem Oldenburger Gertrudenfriedhof zum Tragen.

Ein Beirat,bestehend aus zehn Mitgliedern, berät, unterstützt und überwacht den Stiftungsvorstand. Alle Mitglieder der Stiftung sind ehrenamtlich tätig.


     www.kirchbaustiftung-oldenburg.de 
Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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