Nicht jeder kennt seinen Namen – aber seine Illustrationen hat wohl schon jeder Naturfreund gesehen, der im norddeutschen Küstenraum unterwegs ist. Seit gut 35 Jahren bringt Steffen Walentowitz aus Jever so ziemlich alles auf Papier, was die Natur an staunens-werten Pflanzen und Tieren zu bieten hat. Ob auf Info- Tafeln im Nationalpark Wattenmeer oder in zahlreichen Büchern und Publikationen für kleine und große Entdecker. Sein Spezialgebiet sind Küstenvögel. Sie zu beobachten und mit dem Pinsel ein-zufangen, ist für ihn „spannender als jeder Krimi“.

Die Begeisterung für das, was er tut, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Mit leuchtenden Augen erzählt der international bekannte Naturillustrator von seinen Exkursionen mit Feldstecher und Skizzenbuch. In der ganzen Welt ist er unterwegs, um für seine Auftraggeber vom winzigen Hummelkolibri bis zum gewaltigen Bison die faszinierende Vielfalt des Lebens festzuhalten.

Eigentlich brauche er nur aus dem Fenster zu blicken, sagt er mit einem Lächeln und schaut aus seinem Atelier in den halbwilden Garten. Täglich stellt sich dort der Buntspecht ein und die Spatzen treffen sich in Scharen zum Schwätzchen im Fliederstrauch.

Glückliche Zufälle

Die Natur und speziell die Vogelwelt faszinieren Walentowitz, so lange er denken kann. Als Jugendlicher fährt er in Zetel oft mit dem Fahrrad zum nah gelegenen See, beobachtet Sterntaucher und Fischadler, zählt mit einem Vogelkundler die Zugvögel im Watt. Schon damals hält er seine Studien mit viel Talent auf dem Zeichenblock fest. „Aber dass sich daraus mal ein Beruf entwickeln würde, damit hätte ich nie gerechnet.“

Er nennt es „eine Reihe von glücklichen Zufällen“, die ihm schließlich die Weichen stellen. Ein Schulpraktikum am Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven, die Arbeit als Vogelwart auf Mellum und ganz besonders die sich daraus ergebenden Kontakte. So lernt er am Institut den damaligen Direktor Professor Dr. Jürgen Nicolai kennen. Der renommierte Ornithologe nimmt den jungen Mann persönlich unter seine Fittiche und wird zu seinem lebenslangen Förderer. „Er war ein Schüler von Konrad Lorenz und kannte Heinz Sielmann, das waren für mich natürlich ganz andere Welten, atemberaubend!“

Oder Hermann Kacher. Ein begnadeter Vogelzeichner und Grafiker am Max-Planck-Institut. Schnell erkennt er die herausragende Begabung des jungen Walentowitz und weiht ihn in alle Geheimnisse und Tricks der naturwissenschaftlichen Illustration ein. „Wie wäre es, wenn Du Naturmaler wirst?“, schlägt er ihm nach einem Treffen vor. „Zwei Monate später habe ich mich selbstständig gemacht!“

Es ist ein Wagnis. Doch der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Mit drei Büchern für den Kosmos-Verlag fängt der gerade mal 24-Jährige an. Dann kommt Bertelsmann auf ihn zu. Es geht um eine Enzyklopädie – 20 Bände dick, mit Tieren, Pflanzen und Lebensräumen aus allen Erdteilen, „eine grandiose Aufgabe, so was zu illustrieren!“

Und dann geht es erst richtig los: Große Verlage klingeln an seiner Tür – Gräfe und Unzer, Tessloff, Die Zeit, Ravensburger, Fischer, Arena, Oetinger zum Beispiel.

Sein Arbeitszimmer gleicht inzwischen einer kleinen Bibliothek. Rund 250 Sach- und Bilderbücher mit Zeichnungen von Steffen Walentowitz reihen sich in den Regalen. Etwa ein Drittel davon sind Kinderbücher. Er greift ein Lieblingsbuch heraus, das 2017 im Wachholtz-Verlag erschienen ist: „42 Vögel unserer Küste“. Es sei in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer entstanden, sagt er.

Tüüt und Prüllemann

Das Besondere daran sind die Beschreibungen in Hochdeutsch, Friesisch und Plattdeutsch! Da gibt es drollige Vogelnamen wie Tüüt, Tüde-lüür, Prüllemann, Quittje und Jütick. Oder „Keen Tied“ für den kleinen Sanderling, der immer so eilig an der Wasserkante entlang trippelt. „Da steckt so viel Charme, Humor und große Sympathie für unsere gefiederten Nachbarn drin,“ schwärmt der gebürtige Friese, „es wäre schön, wenn dieses Buch nicht nur die Neugier auf Natur sondern auch auf unsere alten Sprachen wecken würde.“

Tolle Erlebnisse

Die Neugier und das Staunen hat Walentowitz bis heute nicht verlernt. Die Natur im Detail betrachten, den Blick schärfen, neue Lebenswelten entdecken, darin liege für ihn die eigentliche Faszination. Für seine Arbeit braucht er eine gute Beobachtungsgabe. Ebenso wie profundes Wissen über die anatomischen Besonderheiten und Verhaltensweisen seiner „Modelle“. Am liebsten zeichnet er sie direkt draußen, in ihrem natürlichen Lebensraum, „da bringt man ganz andere Bild-Ideen mit.“

Im Atelier geht’s dann an die Feinarbeit. Kunst am Bildschirm ist nicht sein Ding. Der Künstler bevorzugt echte Handarbeit mit Büttenpapier, Aquarellfarben und Pinsel, „so, wie schon Dürer seinen Hasen malte.“

Steffen Walentowitz, 1962 geboren, lebt und arbeitet als Maler und Zeichner in Jever. Seit 1986 illustriert er Sach, Bilder- und Schulbücher. Außerdem zeichnet er seit für die drei Wattenmeer-Nationalparke. Daneben entstehen Zeichnungen, vorwiegend aus der Welt der Vögel – u.a. für das Buch „42 Vögel unserer Küste“ (2018, Wachholtz-Verlag, 12,95 Euro).

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