Varel Er ist einer der bekanntesten Dichter des Oldenburger Landes, die Grundschule in Obenstrohe (Kreis Friesland), seinem Geburtsort, trägt seinen Namen: Georg Ruseler. Sein Geburtstag jährt sich am 11. Januar zum 150. Mal.

Augsburger Schillerpreis

„Er hat sehr, sehr viel geschrieben“, sagt Rainer Urban. Der pensionierte Lehrer, der viele Jahre am Lothar-Meyer-Gymnasium in Varel unterrichtete, hat sich intensiv mit dem Leben und Werk von Georg Ruseler beschäftigt. Ob seine Werke auch viel gelesen wurden, sei fraglich.

Georg Ruseler (1866–1920) wächst als Einzelkind auf einem Bauernhof in Oben­strohe auf. Nach eigenen Angaben hat er bereits mit zwölf Jahren alle Klassiker gelesen, was er rückblickend als negativ bezeichnete. Sein Lesehunger hatte ihn in der Schule zum Außenseiter gemacht.

Mit 15 Jahren kommt Ruseler auf das evangelische Lehrerseminar in Oldenburg. Die Aufnahmeprüfung wäre fast an seiner fehlenden Musikalität gescheitert, auch während der Lehrerausbildung gehört Musik nicht zu seinen Lieblingsfächern, das sind eher Erdkunde und Geschichte.

Ab 1884 unterrichtet er an verschiedenen kleinen Dorfschulen, bis er 1886 an die Heiliggeistschule in Oldenburg wechselt. Von 1909 bis 1918 ist er Rektor der Stadtknabenschule B, der heutigen Röwekampschule.

Ruselers Karriere als Schriftsteller beginnt mit dem historischen Trauerspiel „Die Stedinger“ über einen Bauernaufstand gegen den Bremer Bischof im 13.                Jahrhundert. Es wird am 2. November 1890 im Hoftheater (dem heutigen Oldenburgischen Staatstheater) uraufgeführt. „Es war ein Sensationserfolg, die Zuschauer wurden mit Sonderzügen hingefahren“, sagt Urban. Die Druckfassung des Stücks ging innerhalb weniger Monate in die vierte Auflage.

Beflügelt vom Erfolg, schreibt Ruseler weitere Dramen, darunter „Dathans Zweifel“ (1891), „Michael Servet“ (!892), „König Konradin“ (1893) und „Graf Anton Günther oder Tilly in Oldenburg“. Sie können aber nicht an den Erfolg der „Stedinger“ anknüpfen. Besser kommen seine Erzählungen und Gedichte an. Für seinen ersten Gedichtband erhält Ruseler 1896 den Ausburger Schillerpreis.

Kritik an Karl May

Überregionale Beachtung erlangt er 1901 mit dem Aufsatz „Karl May, eine Gefahr für unsere Jugend“ in der Zeitung „Nachrichten für Stadt und Land“. Seine Kritik gipfelt in dem Satz „Ich will keinem Menschen Böses wünschen, aber ich gönne ihm nicht weitere 10 Jahre seines arbeitsreichen Lebens, denn ich vermute, daß er dann noch 25–30 Romane schreiben würde“. Das löst einigen Wirbel aus – nicht nur im Oldenburger Land. „Er war wohl nur neidisch auf seinen Erfolg“, vermutet Urban.

Die Schriftstellerei ist Ruselers Lebensinhalt. Besonders erfolgreich sind die historische Erzählung „Der Verräter“ in der Sagen- und Legendensammlung „Die gläserne Wand“ (1908) und die Sammlung „Heiner im Storchennest“ (1914). Das Buch mit Kindergeschichten und Märchen wird über Jahrzehnte das Standardwerk für den Grundschulunterricht.

Ende 1918 quittiert er den Schuldienst, um als freier Schriftsteller zu arbeiten. Allerdings zwingen ihn wirtschaftliche Probleme bereits 1920 wieder zurück in den Lehrerberuf. Diesen Zwiespalt macht er in seinem 1920 veröffentlichten Roman „Das Haus im See“ zum Thema. Das Buch handelt von einem Mann, der Lehrer wird und lieber Dichter sein will.

Zwei Original-Exemplare des Romans liegen im Vareler Heimatmuseum. Dort hat man ein Ruseler-Zimmer eingerichtet. Neben den Schriften sind dort seine Möbel und seine Schreibmaschine ausgestellt. In der Sammlung fehlt allerdings noch das Buch „Rückblick“, das Ruseler kurz vor seinem Tod am 6. März 1920 in Vegesack geschrieben hat. „Davon existiert wohl nur ein Manuskript“, vermutet Urban, „falls jemand das Werk besitzt, hätte ich gern eine Kopie.“

Im HeimatmuseumVarel (Neumarktplatz 3) wurde das Arbeitszimmer von Georg Ruseler mit Original-Möbeln, der Schreibmaschine des Schriftstellers und Originalschriften eingerichtet. Das ehrenamtlich geführte Museum kann nach vorheriger Absprache unter Telefon  04451/9 11 40 besichtigt werden.

Über den Schlüsselroman„Das Haus im See“ von Georg Ruseler hält Rainer Urban am 14. Januar einen Vortrag im Vareler Lothar-Meyer-Gymnasium. Beginn ist um 20 Uhr. Veranstalter ist der Heimatverein Varel.


     www.heimatvereinvarel.de 
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.) / Redakteur
Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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