Dangast Von weit her sind sie angereist, die 18 Schüler und Schülerinnen der Hasenklasse 4c an der Grundschule Oyten im Landkreis Verden. Gemeinsam mit ihren drei Lehrerinnen wollen sie das Wattenmeer kennenlernen. Aber auch die von Menschen geschaffenen Gefahren für die Lebewesen im scheinbar leblosen Schlick stehen auf dem Lehrplan. Die Hasenklasse ist zu Gast in Dangast (Kreis Friesland) und im „Lernlabor Meeresschutz“ dem Plastikmüll im Meer auf der Spur.

Brief an Kanzlerin

Und die Spur nehmen sie zunächst einmal auf der oberen Terrasse des Kurzentrums „Weltnaturerbeportal“ auf. Von dort ist ein weiter Blick über den Jadebusen bis nach Wilhelmshaven und bis zur Ausfahrt in die Nordsee möglich. „Wisst ihr denn, wo ihr hier seid?“, fragt die staatlich geprüfte Wattführerin und Mitarbeiterin des Nationalpark-Hauses Dangast, Gesche Gruwe, und sammelt die ganze Gruppe um sich.

Die Kinder wissen es. Die Stadt gegenüber und den kleine Leuchtturm mitten im Jadebusen kennen sie auch. Und selbst über die Entstehung des Jadebusens wissen einige von ihnen Bescheid. Aber dann ist es endlich an der Zeit für echte „Labor“-Arbeit.

Jedes Kind bekommt ein Stereomikroskop, eine Becherlupe, reichlich Buntstifte und ein Blatt Papier. Die ersten Studienobjekte warten auch schon – wenige Millimeter große Gehäuse von Wattschnecken. Die fressen gern Grün- und Kieselalgen sowie Bakterien und treffen sich auf einem Quadratmeter Watt durchaus schon einmal mit bis zu 50 000 Artgenossen. Ideal klein, um sich im Umgang mit den noch neuen Geräten vertraut zu machen.

Konzentriert beschäftigen sich die jungen Forscher nun mit ihren Studienobjekten, und einigen gelingt es sogar, naturnahe Zeichnungen von dem Gesehenen anzufertigen.

Mit ähnlich kleinen Teilen, aber viel bunter, präsentiert sich dann die zweite Objektschale: Mikroplastik. Die Gelegenheit ist nun da, zu sehen, wie so etwas eigentlich in der Vergrößerung aussieht. „Welche Gefahren gehen vom Plastikmüll aus, und was kann jeder einzelne dagegen tun?“, lautet die Frage. Auch dazu wissen die Schüler manche Antwort, haben sie sich doch schon mit einem anderen Umweltthema befasst, der Zerstörung des Hambacher Forstes.

„Sie haben sogar einen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben, dass sie das Abholzen des Forstes verhindern solle“, erzählt ihre Klassenlehrerin Nina Recke. Eine Antwort hätten sie allerdings nicht erhalten.

Plastik jedenfalls gehöre auf keinen Fall in die Umwelt, sind sich die Schüler einig. Es bedrohe auf verschiedener Art das Leben und die Gesundheit vieler Tiere und werde mit der Zeit zu Mikroplastik, das noch einmal zusätzliche Gefahren für Umwelt, Tiere und sogar Menschen heraufbeschwöre.

Ist man sich einig, dass Natur und Tier geschützt gehören, bietet es sich natürlich an, wenigstens einige der Wattbewohner kennenzulernen. Einen Versuch starten die Schüler mit lebenden Schlickkrebsen, die allerdings eher selten brav unter ihren Mikroskoplinsen stillhalten – Forschung ist eben nicht immer einfach.

Leichter wird das erst draußen im Watt mit dem Leiter des Nationalpark-Hauses, Lars Klein. Ihm sind als Wattführer viele der im Schlick lebenden Arten vertraut, insbesondere die größeren. So präsentiert er den bis zu den Knöcheln im Schlick stehenden Schülern vier Exemplare der Großen Pfeffermuschel und erklärt ihnen einiges zu den Tieren. „Sie sind eigentlich ganz so wie wir Menschen – nur aussehen tun sie etwas anders“, erzeugt er auf den Kindergesichtern Erstaunen und bei den Erwachsenen ein Lächeln.

Wattwurm auf der Hand

Mit seiner Forke zieht Lars Klein einen Halbkreis auf dem Wattboden, um den sich alle aufstellen. Innerhalb des Kreises bekommen die Pfeffermuscheln nun Gelegenheit, sich unter den Augen der Kinder wieder einzugraben. Worüber sie offensichtlich unterschiedlich lange nachdenken, da sie dafür ihre Schale öffnen müssen und sich so angreifbar machen.

Der Weg durchs Watt geht für die Forscher weiter. Wobei aus Achtung vor den „Versuchs“-Tieren niemand das Innere des Halbkreises betritt. An anderer Stelle bietet sich nun für die Kinder Gelegenheit, mit eigenen Händen den fremden und für einige von ihnen auch befremdlichen Lebensraum zu erleben. Dass sich dabei auch gleich ein rotbrauner Vertreter des bekanntesten Tieres im Watt auf den Händen wiederfindet, begeistert schlicht: ein Wattwurm.

Das Nationalpark-Haus (Zum Jadebusen 179) in Dangast ist eine Besucher- und Umweltbildungseinrichtung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Träger des Hauses sind das Land Niedersachsen, die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste, die Stadt Varel und der Mellumrat. Besonderheiten des Hauses sind die Spezialisierung auf den Jadebusen und die Anerkennung als „außerschulischer Lernstandort des Landes Niedersachsen“.

Öffnungszeiten: dienstags bis Freitags 9–12 und 14–18 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen 14–18 Uhr. Anfragen für Schul- und Gruppenveranstaltungen unter Telefon  04451/7058. Der Eintritt ist frei. Spenden sind erwünscht.


     www.nationalparkhaus-wattenmeer.de/nationalpark-haus-dangast 
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