Cloppenburg In diesem Jahr feiert das 25 Hektar umfassende Museumsdorf Cloppenburg mit einer Fülle an Ausstellungen, Erlebnistagen und Führungen sein 100. Gründungsjubiläum. Vom 9. Juni bis zum 31. Januar 2023 ist eine Sonderausstellung mit dem Titel „2022 – 100 Jahre für die Zukunft“ diesem Thema gewidmet.

Präsentation in Scheune

Ein chronologischer Zeitstrahl in elf begehbaren Infoboxen im Außenbereich der 60 Gebäude informiert sowohl über die Dorf- als auch die Weltgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. In vier Containern werden Filme mit Interviews von früheren Bewohnern sowie über den Auf- und Abbau eines Gebäudes gezeigt.

Parallel dazu läuft eine Präsentation in der Münchhausenscheune, wo die Sammlungsbandbreite des Museumsdorfes zu sehen sein wird. Die Metamorphose vom 1922 gegründeten „Heimatmuseum für das Oldenburger Münsterland“ zum größten Freilichtmuseum Norddeutschlands wird in speziellen Führungen (3. Juni/25. September/16. Oktober/ und 13. November) mit Geschichten über Menschen erzählt, die es geprägt haben und zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Die zündende Idee zur Gründung kam 1911 von dem Löninger Apotheker und Landtagsabgeordneten Bernard König, der dem Museum 500 vorgeschichtliche Objekte vererbte. Weitere Exponate sammelte der Gymnasiallehrer Heinrich Ottenjann, welcher zum ersten Direktor des Museumsdorfes avancierte.

Ganzes Haus transferiert

Der erste Spatenstich erfolgte am 20. August 1934 als ein Dammer Doppelheuerhaus als erstes Gebäude abgebaut und ins Museumsdorf transferiert wurde. Weitere 20 Häuser wie der Quatmannshof, ein Schafstall, das Herrenhaus Arkenstede, Wagenremisen, eine Kappenwindmühle (Bokel), Speicher und Scheunen wechselten ihren Standort. So bekam das Dorf zusehends ein Gesicht.

Auch wenn die Nationalsozialisten die Projekte des Museumsdorfes grundsätzlich begrüßten, entsprachen ihre romantisierten Vorstellungen nicht dem wissenschaftlichen Anspruch von Heinrich Ottenjann. Laut Recherche der aktuellen Volontärin des Freilichtmuseums Julia Keßler, sollten die Häuser vor allem dem Urtypus eines Brinkdorfes entsprechen (Siedlungsdorf im Frühmittelalter). Während des zweiten Weltkrieges habe es Bombenangriffe gegeben, bei denen der Quatmannshof zerstört worden sei.

Nach Instandsetzungsarbeiten (u.a. durch die Wehrmacht und sowjetische Kriegsgefangene) wurde das Museumsdorf 1947 wiedereröffnet und die Aufbautätigkeit fortgesetzt. Ab 1951 folgten diverse Highlights wie ein Erntedankfest und ein Laternenumzug, der erste gedruckte Museumsführer sowie ein Kulturfilm über „Bauernhäuser in Nordwestdeutschland“, in dem ein Gulf- und ein Hallenhaus des Museumsdorfes eine wichtige Rolle spielten. Der Bau des „Dorfkruges“ und die Anlage von Parkplätzen komplettierten das Gelände.

Prägende Spuren

1961 begann die Ära des neuen Direktors Dr. Helmut Ottenjann, der als Archäologe und Volkskundler bis zu seiner Pensionierung 1996 ebenso wie sein Vater prägende Spuren im Museumsdorf hinterließ. Die Anzahl der Gebäude war in seiner Zeit auf 52 angewachsen und um diverse Handwerksbetriebe (13 Gewerke) und eine Kirche und Schule erweitert worden.

Ein zweiter Museumsführer erschien 1962 und Bundespräsident Heinrich Lübke eröffnete den neuen Quatmannshof. Für dessen Wiederaufbau hatte jedes Dorf aus der Region eine Eiche gespendet. Ottenjann widmete sich schwerpunktmäßig der Forschungs- und Ausstellungstätigkeit.

Als Prof. Dr. Uwe Meiners 1996 die Regie übernahm, startete die Ära des „Living History“ mit Sonntagsspaziergängen und Aktionstagen. Seitdem erleben Erwachsene wie Kinder täglich „Geschichte zum Anfassen“ durch Museumspädagogik in großer Vielfalt.

In Meiner’s zwei Jahrzehnten (1996 – 2018) wuchs die Besucherzahl auf fast 300 000 Menschen jährlich an, denn Alt und Jung strömte zu sieben großen Events wie der beliebten Gartenpartie, dem Nikolausmarkt, zum Deutschen Mühlentag und zur „Historischen Dorfkirmes“. Sehr nachgefragt sind bis heute die fachlich fundierten Führungen und Workshops, die von 80 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern vorbereitet und angeboten werden. Ein kabarettistischer Geheimtipp erwartet die Besucher, wenn Schauspieler Pago Balke wieder zu einem Museumsrundgang unter dem Motto „75 Jahre Dauerkarte“ entführt.

Volkskundlerin Julia Schulte to Bühne leitete die Geschicke des Dorfes von 2018 bis 2021. Sie verbesserte die institutionelle Finanzierung des Dorfes und setzte das Projekt „Dorfdisco“ um, bevor der neue Chef Dr. Torsten Müller (40) im April 2022 ihre Nachfolge antrat. Er strebt den Ausbau einer neuen Baugruppe und die Sanierung von Gebäuden aus der Nachkriegszeit an.


     www.museumsdorf.de 
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