Löningen Das idyllische Hasestädtchen Löningen (Kreis Cloppenburg) ist seit einigen Monaten um eine Attraktion reicher. In einem Wohn- und Geschäftshaus in der Innenstadt existiert seit dem 20. April ein Kinomuseum mit der größten kinotechnischen Sammlung Deutschlands. Die ganze Welt der Kinotechnik und des Kinoambientes ist in der kulturhistorischen Ausstellung erlebbar. Die Schau umfasst rund 300 Exponate aus 100 Jahren Kinotechnik.

Der Kulturschatz stammt aus der Sammlung des Löninger HNO-Arztes Dr. Heinz Dobelmann (1940–1996). Sein Lebenswerk umfasst funktionsfähige Kinoprojektoren, Filme, Trailer, Wochenschauen sowie Teile alter Kinosäle, darunter ein Pianola zur Untermalung von Stummfilmen. Die Technik der alten Filmprojektoren wird durch viele Objekte zum Anschauen, Begreifen und Mitmachen ergänzt. Träger des Museums ist der Verein „Kinotechnische Sammlung Dr. Heinz Dobelmann“. Er gründete sich, um 2010 den Verkauf der Sammlung zu verhindern.

Projektor vom Flohmarkt

Der Löninger Arzt entdeckte in den 1980er Jahren seine Leidenschaft für die Kino-Projektionstechnik. Ihn faszinierte das Phänomen, wie die Bilder laufen lernten. „Das Kino ist von Vielen totgesagt. Ich wollte einen Kontrapunkt zur aufkommenden Videotechnik schaffen“, erklärte Dobelmann einmal die Zielsetzung seiner Sammelleidenschaft.

Überregionale Bekanntheit erlangte Dobelmann, als er den Film „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ von Steven Spielberg zwei Wochen vor der deutschen Premiere aufführte. Zur Uraufführung in Löningen reisten 1988 Maria Schell, Hans-Jörg Felmy und Paul Hubschmidt an. Der Film war übrigens der erste Spielberg-Film, in dem reale Figuren mit Zeichentrickfiguren zusammen agierten. In Folge dieses Ereignisses kommt das Löninger Kino „Lilo“ nach wie vor in den Genuss aller Filmstarts.

Dobelmanns Faible für Filme hatte allerdings schon in der Schule begonnen. Dort kümmerte er sich gern um die Aufführung von Filmen, lernte seine spätere Frau im Kino kennen und kaufte schließlich auf einem Amsterdamer Flohmarkt einen 16-Millimeter-Projektor mit etwas Filmmaterial. Auch im Löninger Kino fahndete er nach „Restbeständen“, immer auf der Suche nach Raritäten. In einem alten Stall fand er viele Einzelteile eines 35-Millimeter-Projektors, für den er auf dem Flohmarkt seine ersten 35-Millimeter-Filme erwarb.

Gute Resonanz

Drangvolle Enge herrschte nach einiger Zeit in Dobelmanns Keller, Wohnzimmer und Flur. Schließlich eröffnete der Sammler ein eigenes Kino im Garten und verwandelte einen Teil der elterlichen Scheune in ein Lager. Als Fan der großen Stummfilmstars „Dick und Doof“ war Dobelmann Mitglied im Club „Sans on degever“ (Die Wüstensöhne).

„Wir wollten dieses einzigartige kulturhistorische Gut für Löningen erhalten und zum Anziehungspunkt der Region machen. Die Sammlung ist so groß, dass wir die Exponate auch wechselnd zeigen können. Bisher haben wir eine sehr gute Resonanz aus dem Landkreis, aber auch aus benachbarten Gebieten“, freut sich Brigitte Konert, Geschäftsführerin des Vereins „Kinotechnische Sammlung Dr. Heinz Dobelmann“. Während einer Führung erklären die 50-Jährige und ihr Team technische Phänomene wie die Kohlenbogenlampe, das Daumenkino und das Malteserkreuzgetriebe, mit dem die Filmprojektoren angetrieben wurden. Interessierte erfahren, wie die Bilder laufen lernten und warum die hochexplosiven Zelluloidfilme ganze Kinos in Brand gesteckt haben.

Auch in technische Details über den kontinuierlichen Filmtransport, das Lichttonverfahren sowie stereoskopische Laufbildprojektoren lässt sich der geneigte Besucher einweihen. Die imposanten Projektoren waren früher national und international im Einsatz und wurden von namhaften Firmen hergestellt. Der größte Koloss Pyrcon UP 700 wiegt 450 Kilogramm. Er war der letzte in der DDR entwickelte Filmprojektor und noch 1961 im Dienst der Filmstudios Babelsberg.

Eine weitere Rarität ist ein Mechau-Projektor aus den Jahren 1912 bis 1934, der in dem Film „Der Kinoerzähler“ die Hauptrolle gespielt hat. Darin erzählten die Filmstudios Babelsberg die Kinogeschichte und wählten aus Dobelmanns Fundus den passenden Projektor.

Zur Attraktion avanciert ist das neue Filmcafé. Es weckt nostalgische Erinnerungen an romantische Kinoabende und bringt jeden Donnerstag einen Film. Die wöchentlich wechselnden alten Filme werden jeweils zur vollen Stunde gezeigt. Beim Kaffee und leckerem, selbst gebackenen Kuchen kann man sich nach der Vorführung über das Gesehene austauschen oder einfach nur die gemütliche Kino-Atmosphäre genießen.

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