Rastede Farbige Fingerabdrücke an der Holzwand verraten, wer in der kleinen Hütte am Rande des Turnierplatzes in Rastede eigentlich das Sagen hat: die Mädchen und Jungen des Waldkindergartens, denen das kleine Gebäude als Schutzhütte dient. In dieser Woche ist jedoch alles anders.

Dort, wo sonst gespielt, gebastelt und getobt wird, stehen Computer, Kopierer, Drucker und Telefone. Während des 70. Oldenburger Landesturniers, das noch bis einschließlich Sonntag auf dem Turnierplatz ausgetragen wird, befindet sich in der Holzhütte nämlich die Meldestelle Springen. Die Kinder genießen derweil ihre Sommerferien.

Die heutige Schutzhütte des Waldkindergartens wurde einst tatsächlich als reine Meldestelle gebaut. 1984 war das, das Richtfest wurde im September während des Ellernfestes gefeiert. Die Zimmerei Günther Lange hatte sie damals allein zum Materialpreis errichtet. 1985 wurde die Meldehütte in Betrieb genommen, die als Ersatz für das zuvor dort befindliche Gebäude entstanden war, erinnert sich Rastedes Gemeindepressesprecher Ralf Kobbe.

„Ich war damals selbst Helfer beim Landesturnier und habe in der Hütte zusammen mit Holger Jasper die erste EDV eingeführt“, schildert Kobbe. Auf einem 286er-PC wurden seinerzeit die ersten Nennungen digital erfasst und die Starterlisten ausgedruckt. Zuvor war dies nur handschriftlich oder mit Hilfe von Schreibmaschinen möglich gewesen. Damals seien noch Mitarbeiter der Verwaltung freigestellt worden, um beim Landesturnier zu helfen. „Die sind dann mit der Schreibmaschine aus dem Rathaus ausgezogen“, erinnert sich Kobbe.

Heute laufen all diese Dinge wie selbstverständlich digital ab. Nach wie vor kommen aber viele Turnierteilnehmer persönlich zur Meldestelle. „Die Reiter erklären hier ihre Startbereitschaft für die verschiedenen Wettbewerbe“, erklärt Katja zur Horst, die alle Meldestellen beim Landesturnier betreut. Auch die Starterlisten für die einzelnen Prüfungen werden in der kleinen Holzhütte erstellt.

Von Montagabend bis zum Turnierende am Sonntag ist die Meldestelle besetzt, die Spielsachen der Waldkindergartenkinder lagern für diese Zeit im benachbarten Umkleidegebäude. Seit September 2000 dient die Meldestelle als Schutzhütte für den Waldkindergarten, der damals als erster in Rastede den Betrieb aufgenommen hatte – als Außenstelle des Kindergartens am Voßbarg.

„Fünf Helfer teilen sich die langen Tage in der Meldestelle im Wechsel“, sagt Katja zur Horst. Eine Stunde vor Beginn der ersten Prüfung am frühen Morgen öffnet die Meldestelle, erst nach der letzten Prüfung am späten Abend ist dann Feierabend.

„Früher haben wir uns die ganze Woche mit zwei Leuten geteilt“, erzählt Kirsten Kloer und fügt hinzu: „So gut wie in diesem Jahr waren wir noch nie besetzt.“ Seit mittlerweile 14 Jahren arbeitet sie beim Landesturnier in der Meldestelle. „Ich habe nur ein Jahr verpasst, als ich nach dem Abi in Kanada war“, sagt die Oldenburgerin. Beim Turnier nicht in Rastede zu sein, sei schrecklich gewesen. „Ich habe zwar einiges im Live-Stream verfolgt, aber das war einfach nicht dasselbe.“

Frank Jacob
Rastede/Wiefelstede
Redaktion Rastede

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