Rastede Wie es in Rastede läuft, das hat Anton Günther Herzog von Oldenburg immer sehr interessiert. Zwar lebte er auf Schloss Güldenstein in Ostholstein, doch Einwohner des Residenzortes ist er immer geblieben und war hier auch gemeldet. Und zu den Musiktagen und dem Landesturnier war er bis vor zwei Jahren stets angereist und hatte gerne die Schirmherrschaft über die traditionellen Veranstaltungen übernommen. Am Sonnabend ist Anton Günther im Alter von 91 Jahren gestorben.

Stets offen und ehrlich

„Die Nachricht macht mich traurig. Ich bin im Moment noch sprachlos“, sagte Bürgermeister Dieter von Essen am Montagnachmittag. „Ich bin gerade ganz platt. Man hat das Gefühl, da fehlt jetzt etwas“, sagte Musiktage-Präsident Torsten Wilters. „Der Herzog war immer sehr offen und ehrlich. Das habe ich an ihm geschätzt“, erinnert sich Ehrenbürgermeister Dieter Decker an seine Begegnungen mit dem Herzog. „Dass es ihm nicht gut geht, wusste ich aus Familienkreisen. Trotzdem macht mich die Nachricht sehr traurig. Das ist ein großer Verlust“, sagte Landesturnier-Chef Jan-Christoph Egerer.

Im Juli 2012 besuchte Anton Günther zuletzt die Rasteder Musiktage. Beim Empfang im Garten des Schlosses hielt er ein kurzes Grußwort und genoss anschließend auf dem Turnierplatz die Beiträge der Musikkapellen. Selbst das Feuerwerk, das erst gegen Mitternacht gezündet wurde, verfolgte er gemeinsam mit Wilters vom Richterturm aus.

Wilters’ Familie hat eine lange Beziehung zum Haus Oldenburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Torsten Wilters’ Großvater Harry Wilters der herzoglichen Familie Getreide geschenkt. Dafür bedankte sich Anton Günther, indem er Torsten Wilters’ Vater Heino Wilters ein Pony schenkte, einen kleinen Schimmel. In Rastede sei das Pony aber auch „Sau“ gerufen worden, weil es zwar viele Rennen gewann, aber auch biss und um sich trat, berichtete Torsten Wilters. Und einmal büxte es sogar aus, fand zurück zum Schloss und soll drinnen eine Treppe hochgelaufen sein.

Portwein im Schloss

Der frühere Musiktage-Präsident Rolf Geveke erinnert sich noch daran, dass Anton Günther einst gerne zu Ostern nach Rastede kam. „Dann haben wir uns zu einem kleinen Plausch bei ihm im Hinterzimmer bei einem Glas Portwein getroffen.“ Bei den Musiktagen im Sommer habe es sich der Adelige dann auch nie nehmen lassen, selbst die Pokale zu überreichen. „Wir haben viel Spaß mit ihm gehabt. Das bleibt in Erinnerung“, sagte Geveke.

Jan-Christoph Egerer sagte, dass er das Landesturnier schon immer mit Anton Günther verbunden habe. „Die Nähe zu den Reitern und Pferdeleuten hat er geliebt“, berichtete Egerer und fügte an: „Ohne ihn als Schirmherren hätten wir die blau-rote Verwurzelung des Landesturniers nie so hinbekommen.“ Er sei ein großer Freund und Förderer des Pferdesports und des Renn- und Reitvereins Rastede gewesen.

„Ich hatte viele Gelegenheiten mit ihm zu sprechen und habe ihn als charismatische Persönlichkeit in Erinnerung. Er war sehr herzlich und hatte einen witzigen Humor“, sagte Egerer. Noch 2012 habe er es sich nicht nehmen lassen, die Oldenburger Meister beim Landesturnier selbst zu ehren.

In den 1950er Jahren war Anton Günther sogar selbst beim Landesturnier geritten, hatte zum Beispiel Springprüfungen absolviert. Auch darauf führt der frühere Organisationsleiter Wolfgang Teske die sehr enge Verbundenheit des Adeligen mit dem Turnier zurück. Er habe ihn als sehr bescheidene und zurückhaltende Person kennengelernt, sagte Teske. Dabei habe Anton Günther stets Wert auf Pünktlichkeit gelegt. „Fünf Minuten vor der Zeit war der Schirmherr auf dem Platz.“

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.