Bremen Es war eine Zeitreise in die Vergangenheit: Als Danny Clark am Donnerstagabend die Pistole Richtung Hallendach abfeuerte, drehte sich die Sechstagewelt in Bremen einmal mehr um den sympathischen Australier. Die 62-jährige Sixdays-Legende schickte die 24 Radprofis gemeinsam mit Rudolf Seiters (76), Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das in Bremen als Benefiz-Partner auftritt, auf die Jubiläums-Rundenhatz. Sie endet am Dienstag gegen Mitternacht.

Auf dem 166 Meter langen Holzoval in der ÖVB-Arena fühlt sich Clark immer noch pudelwohl. „Am Nachmittag habe ich ein paar Runden gedreht. Ich hatte ganz vergessen, wie eng die Bahn hier ist“, sagte der immer noch drahtige Radsport-Rentner. Zuletzt fuhr er 1995 an der Weser – bei seinem Abschied.

Die 9000 Zuschauer ließen keinen Zweifel daran, dass der fünffache Bremen-Sieger längst nicht vergessen und immer noch der Publikumsliebling in der Hansestadt ist. Sie feierten ihr Idol der 80er- und 90er-Jahre bei seiner obligatorischen Ehrenrunde vor dem Startschuss ausgiebig. Der Lautstärkepegel lag dabei fast höher, als der bei der Vorstellung der aktuellen Fahrer.

An diesem Freitag (22.25 Uhr) greift Clark anlässlich der 50. Bremer Sixdays sogar wieder ins Wettkampfgeschehen ein. In einem Altstar-Rennen tritt er gegen seine einstigen Rivalen Silvio Martinello (50), Jimmi Madsen (45), Dietrich Thurau (59), Gregor Braun (58) und Lokalmatador Andreas Kappes (48) an.

„Als ich davon gehört hatte, habe ich gleich mit dem Training begonnen“, sagte der ehrgeizige Clark: „Wir haben ja fast alle seit 20 Jahren kein echtes Rennen mehr bestritten. Es ist sehr aufregend, wieder zurück zu sein.“ Dem Sportlichen Leiter Erik Weispfennig schickte er schon aus Australien zahlreiche Anweisungen: die Höhe seines Fahrrades, die Länge des Lenkervorbaus und den Reifendruck.

„Meine Gitarre habe ich natürlich auch mitgebracht“, fügte Clark hinzu, dessen zweite große Leidenschaft neben dem Radsport die Musik ist. In den Rennpausen seiner 235 Sixdays (74 Siege) bestieg der Australier regelmäßig die Show-Bühne. Gekleidet in seinen bunten Trikots und in kurzer Hose begeisterte er bei seinen Auftritten auch als Sänger: „Auch in den kommenden Tagen werde ich pro Abend zwei Songs singen.“

Eine Identifikationsfigur vom Typ Danny Clark, der das Spektakel aus Spitzensport und Unterhaltung vorlebt, gibt es kaum noch – auch wenn die Fans vor allem mit den Favoriten Robert Bartko und Franco Marvulli fiebern. „Ob man ein Publikumsliebling wird, ergibt sich einfach“, kennt Clark das Problem: „Es ist eben eine ganz andere Generation von Fahrern.“ Die meisten jungen Profis gingen heutzutage viel erfolgsorientierter in die Rennen.

Am ehesten die Lücke schließen könnte Marcel Barth. Der 27-Jährige aus Gera versucht vom Rad aus die Zuschauer mitzureißen. Immer wieder stimmt er während der Fahrt die „La Ola“ an. Sein Partner Erik Mohs (27) verkörpert indes genau das Gegenteil. Der introvertierte Leipziger mag es eher leise und genießt seinen guten Ruf als schnellster Sprinter im Feld still. Die Zeiten in Bremen haben sich eben geändert.


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Olaf Ulbrich Redaktionsleitung Varel / Redaktion Friesland
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