BREMEN Die deutschen Bahnradsportler galten lange als Gold-Garanten: Traten die Profis und Amateure bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften an, waren Medaillen für das Team des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR) garantiert. Seit einigen Jahren steckt dieser Hallensport jedoch in der Krise. Es fehlen konkurrenzfähige Talente und Nachwuchsfahrer. Der Hauptgrund: Im Winter werden nur noch wenige Sechstagerennen veranstaltet.

„Bahnsport wird in Deutschland immer unpopulärer“, weiß Patrick Sercu, Sportlicher Leiter des Bremer Sechstagerennens: „Auf der Bahn ist kein Geld mehr zu verdienen.“ Viele Sponsoren zogen sich aufgrund der anhaltenden Dopingproblematik zurück. 2010 stellten die Sixdays-Veranstalter von München, Stuttgart und Dortmund den Betrieb ein. Außer in Bremen gibt es in Deutschland nun nur noch das Berliner Sechstagerennen (27. Januar bis 1. Februar).

„Es ist eine große Lücke entstanden“, kritisiert Robert Bartko. „Zu viele junge Rennfahrer konzentrieren sich deshalb auf die Straße, obwohl sie gute Bahnfahrer sind“, sagt der 35-jährige Potsdamer, der 2000 in Sydney als letzter Deutscher olympisches Bahn-Gold gewann. Bei den TV-vermarkteten Rennen und großen Rundfahrten lasse sich viel mehr Profit einfahren.

Zudem fehlt die Förderung durch den BDR. Anstatt sich konzentriert auf die Qualifikation für Olympia 2012 in London vorzubereiten, reibt sich der Verband in Funktionärs- und Trainer-Streitereien auf.

Auch das 47. Bremer Sechstagerennen leidet unter diesem Qualitätsverlust. Von den deutschen Spitzenkräften fährt nur Bartko. Danilo Hondo wurde von seinem Straßen-Team Lampre zum Wintertrainingslager, Roger Kluge vom BDR zum Weltcup nach Peking beordert.

Die Zeiten, als Rudi Altig, Dietrich Thurau oder Erik Zabel die Massen an die Bahnen lockten, sind vorbei. „Es fehlt der Publikumsliebling, ein Fahrer, mit dem sich die Fans identifizieren“, bedauert Sercu, in Belgien selbst ein Rad-Idol. Der 63-jährige ist mit 88 Siegen der erfolgreichste Sechstagefahrer aller Zeiten. Eric Mohs (Leipzig) und Marcel Barth (Gera) haben zwar das Potenzial dazu. Die beiden 24-Jährigen schafften den Durchbruch aber noch nicht. „Sie müssen ihr Talent auch umsetzen“, fordert Bartko.

Es gibt aber einen Silberstreif am Horizont. Christian Stoll entschied sich, die Sechstagerennen in Hannover (Ende 2011) und Köln (Anfang 2012) neu aufleben zu lassen. „Damit bieten wir wieder eine Perspektive“, sagt der 50-Jährige, der seit 20 Jahren Sprecher bei den Bremer Sixdays ist. Es ist vielleicht der letzte Versuch, um den deutschen Bahnradsport zu reanimieren.

Die Bremer Sixdays gehen an diesem Dienstag zu Ende. Um 22.40 Uhr startet in der Bremen-Arena die letzte Große Jagd. Gefahren werden 60 Minuten plus 6 x 10 Runden. Danach steht der Sieger fest.

Olaf Ulbrich Redaktionsleitung Varel / Redaktion Friesland
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