Berlin Keine Fußball-EM, kein Olympia – und auch kein Wimbledon – der Sport-Sommer 2020 verliert seine Höhepunkte. Angesichts der Coronavirus-Pandemie wäre auch eine Absage der Tour de France nur die logische Folge. Schließlich zählt Frankreich derzeit rund 500 Tote pro Tag im Zuge der Coronavirus-Pandemie. Kaum vorstellbar, dass in weniger als drei Monaten zehn bis zwölf Millionen Menschen aus aller Welt in Frankreich am Straßenrand stehen.

Doch die Verantwortlichen tun sich schwer mit einer Absage, der Veranstalter ASO hat sich für eine Entscheidung den 15. Mai als Deadline gesetzt. „Le Tour“ ist schließlich nicht irgendeine Sportveranstaltung, das größte Radrennen der Welt gilt in Frankreich als Nationalheiligtum, als riesengroßes Volksfest.

Jedes Jahr im Juli sind zahlreiche Orte ganz in Gelb geschmückt, selbst ein Besuch des französischen Staatschefs gehört zum Pflichtprogramm. Egal ob Nicolas Sarkozy, Francois Hollande oder Emmanuel Macron, der 2019 auf dem Tourmalet zuschaute. Nicht einmal die schlimmen Doping-Jahre in der dunklen Ära Lance Armstrong konnten das Rennen in die Knie zwingen. Eine Veranstaltung „von größter Bedeutung“, wie Sportministerin Roxana Maracineanu betont. Nur während der beiden Weltkriege pausierte die Tour zwischen 1914 und 1919 sowie zwischen 1939 und 1947.

So laufen bereits diverse Gedankenspiele – alle mit dem Ziel, die Tour de France 2020 zu retten. Maracineanu brachte eine Austragung ohne Zuschauer ins Gespräch – ähnlich wie im März bei der Rundfahrt Paris-Nizza. Eine Variante, mit der sich auch der Tour-Vierte Emanuel Buchmann anfreunden könnte. „Wir alle sind für die Tour motiviert, egal ob mit oder ohne Zuschauer. So gesehen wäre das eindeutig besser als nichts“, sagte der 27-jährige Ravensburger der „Sport-Bild“.

Dies lehnt Tourchef Christian Prudhomme ab. Wahrscheinlicher ist eine Verschiebung. Die Austragung der Tour ist für die Teams von existenzieller Bedeutung. 70 bis 80 Prozent der Sponsoring-Werte werden in den drei Wochen generiert. „Sofern die Tour de France stattfindet, kommen wir mit einem blauen Auge davon“, sagt Ralph Denk, Teamchef des deutschen Rennstalls Bora-hansgrohe.

So steht der Weltverband UCI bei der Neugestaltung des Kalenders vor einem großen Puzzle. Erstes Bauteil ist die Tour, dann die anderen großen Rundfahrten und schließlich die Klassiker wie Paris-Roubaix. Laut UCI-Vizepräsident Renato Di Rocco kommen drei mögliche Termine für den Neustart der Saison in Betracht: Der 1. Juli, der 15. Juli oder der 1. August.

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