BREMEN Generationswechsel, Finanzkrise und das im Radsport allgegenwärtige Thema Doping: Das Bremer Sechstagerennen (8. bis 13. Januar) steht vor einer ungewissen Zukunft. An diesem Donnerstag fällt in der Stadthalle der Startschuss. Um 21 Uhr schicken die Box-Profis Felix Sturm und Ina Menzer die 24 Fahrer auf die Rundenhatz.

Vor allem der Dopingfall Iljo Keisse hat die Organisatoren geschockt. „Er hat uns sehr enttäuscht“, sagt der Sportliche Leiter Patric Sercu, der seinen Landsmann umgehend ausgeladen hatte. „Es ist einfach peinlich. Das hätte ich von ihm nicht gedacht.“

Der Belgier Keisse, der im vergangenen Jahr an der Seite von Robert Bartko in Bremen gewonnen hatte, wurde nach seinem Sieg in Gent Ende November 2008 positiv auf Doping getestet. Das Analyse-Ergebnis der B-Probe soll an diesem Mittwoch bekannt gegeben werden. Ist diese ebenfalls positiv, wird Keisse für zwei Jahre gesperrt.

Sercu fordert den 25-Jährigen auf, alle Fakten auf den Tisch zu legen. „Er muss erklären, was er genommen hat, woher er es hat oder von wem er es bekommen hat.“ Nur dann könne Sercu sich eine weitere Zusammenarbeit mit Keisse vorstellen.

„Der Fall hat gezeigt, dass der Bahnradsport nicht die Welt der Seeligen ist, für die er gehalten wird“, sagt Sixdays-Chef Frank Minder. Zuvor hatte es beim Sechstagerennen noch keinen Dopingfall gegeben. Er kündigte „vermehrte Kontrollen“ an. Sollte es in Bremen zu einem Dopingfall kommen, wäre es wohl das Aus der Veranstaltung. „Dann gebe ich die Schlüssel ab“, erwägt Minder sogar seinen Rückzug.

Finanziell wird das Sechstagerennen immer mehr zum Wagnis. So wurde das Stuttgarter Rennen aufgrund fehlender Sponsoren abgesagt. Berlin kürzte den Etat. „Bremen ist davon bislang verschont geblieben“, beteuert Minder. Grund sei der „Mix von Sport und einem großen Show-Programm“ in den Nebenhallen.

Sportlich hat Bremen noch die Kurve gekriegt. „Wir haben bis auf Robert Slippens und Keisse alle Sieger der vergangenen fünf Jahre am Start“, betont Sercu. „Es war aber eine ziemliche Puzzelei.“ Denn viele Stars wie Slippens, Andreas Kappes oder Gerd Dörich beendeten ihre Karriere. Sercu: „Der Nachwuchs ist noch nicht so weit.“

Großer Favorit ist das Duo Erik Zabel und Leif Lampater. Der 38-jährige Zabel gibt in Bremen seinen Abschied. Ärgste Konkurrenten sind Bartko mit seinem neuen Partner Andreas Beikirch sowie Bruno Risi (Schweiz)/Danny Stam (Niederlande).

Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.) / Redakteur
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.