Berlin Lob für die Pflegepolitik der Bundesregierung kommt von den Autoren des diesjährigen „Pflegereports“, den die Barmer GEK am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Das Pflegestärkungsgesetz von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) enthalte viel Gutes, wenn auch die Leistungsverbesserungen zu gering und der Vorsorgefonds eine Fehlkonstruktion seien, sagte der Bremer Gesundheitsökonom Heinz Rothgang. Ein schlechtes Zeugnis stellt der „Pflegereport 2014“ indes der zahnmedizinischen Versorgung der rund 2,5 Millionen Pflegebedürftigen aus.

Denn wer im Pflegeheim lebt, bekommt deutlich seltener einen Zahnarzt zu sehen als Menschen, die nicht pflegebedürftig sind. Während rund 30 Prozent der Gesunden 2012 einmal im Quartal zum Zahnarzt gingen, war es im Pflegeheim nur jeder Fünfte in der Pflegestufe I. Bei schwer Pflegebedürftigen (Stufe III) sinkt die Quote auf 15,5 Prozent und ist damit nur noch halb so hoch wie bei den Gesunden. Bei Gleichaltrigen sind die Unterschiede ähnlich groß. Während knapp 34 Prozent der nicht pflegebedürftigen 60- bis 69-Jährigen 2012 einmal im Quartal vom Zahnarzt behandelt wurden, waren es unter den Pflegebedürftigen nur 23,6 Prozent. Bei den 70- bis 80-Jährigen war der Abstand mit zwölf Prozentpunkten noch größer.

Die Daten über die zahnmedizinische Versorgung wurden nach Angaben des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, erstmals erhoben und sind repräsentativ. Ob sich die Versorgung seit 2012 verbessert hat, ist dem Pflegereport nicht zu entnehmen. Denkbar wäre dies, weil Zahnärzte seit 2013 für die Behandlung von Pflegeheimbewohnern besser bezahlt werden. Damit wollte die CDU/CSU/FDP-Vorgängerregierung eine bessere Versorgung erreichen. Zahnärzte bekommen seitdem mehr Honorar und können das Wegegeld für jeden Patienten einzeln abrechnen, den sie im Pflegeheim behandeln.

Schlenker räumte ein, dass die Krankenkassen mehr tun müssen, um Pflegeheime und Zahnärzte dazu zu bringen, Kooperationsverträge abzuschließen. Zudem müssten Angehörige und Pflegebedürftige darüber informiert werden, wie das jeweilige Pflegeheim mit dem Thema umgehe.

Der Pflegereport wird im Auftrag der Barmer GEK jedes Jahr am Zentrum für Sozialpolitik in Bremen erstellt und ist die umfangreichste Datensammlung über die Pflege in Deutschland. Er widmet sich unterschiedlichen Schwerpunkten und gibt Auskunft über langfristige Trends sowie die finanzielle Entwicklung der Pflegeversicherung.

Auffällig ist laut Rothgang die regional stark unterschiedliche Entwicklung. Während in Baden-Württemberg die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um knapp 50 Prozent steigt und sich bis 2050 dann mehr als verdoppeln wird, sinkt sie in überalterten Länder wie Sachsen-Anhalt zwischen 2030 und 2050 schon wieder. Deshalb müsse über die Pflegeinfrastruktur regional entschieden werden, sagte Rothgang.

Die Leistungsverbesserungen von durchschnittlich vier Prozent im kommenden Jahr begrüßte der Gesundheitsökonom. Er schränkte aber ein, dass mit den Erhöhungen seit 2008 lediglich ein Inflationsausgleich erreicht worden sei. Insgesamt hätten die Leistungen aus der Pflegeversicherung seit ihrer Einführung ein Viertel des ursprünglichen Wertes verloren, weil in den ersten beiden Jahrzehnten nicht erhöht worden seien. „Dieses Viertel schleppen wir weiter mit“, sagte Rothgang.

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