Hannover Die Ansagen der Anwälte am Dienstag waren kurz und knackig. „Unser Mandant, Bundespräsident a. D. Christian Wulff, akzeptiert die Verfahrens­beendi­gung zu den von der Staatsan­walt­schaft genannten Bedin­gun­gen nicht. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sind unbegründet“, erklärten Michael Nagel und Bernd Müssig vor dutzenden Kameras in einem Hotel in Hannover.

Knapp zwei Minuten dauerte die Pressekonferenz, das Ergebnis war keine Überraschung. Wulff will sich nicht auf einen Deal einlassen und seine Unschuld notfalls in einem Prozess beweisen. Die Aussichten dafür sind nach Meinung der meisten Beobachter des Verfahrens gut. Die Beweislage scheint dünn, obwohl die Staatsanwaltschaft mehr als ein Jahr umfassend gegen Wulff ermittelt hat.

Am Ende bliebt ein Vorwurf von 21 übrig: Wulff habe sich von dem Filmunternehmer David Groenewold einen Hotelaufenthalt beim Münchner Oktoberfest 2008 bezahlen lassen und im Gegenzug für ein Filmprojekt Groenewolds stark gemacht. Chefermittler Clemens Eimterbäumer sieht darin offenbar den Verdacht der Bestechlichkeit. Beide Beschuldigte bestreiten das. Die Hotelkosten plus Babysitter betrugen 754 Euro.

Dass es für eine Verurteilung nicht reichen könnte, ahnte wohl auch die Staatsanwaltschaft und bot Wulff und Groenewold einen Deal an. Gegen eine Geldauflage von zusammen 50 000 Euro sollte das Verfahren eingestellt werden. Kritiker sprachen von einem „Ablasshandel wie im Mittelalter“. Doch Wulff und Groenewold wollen es offensichtlich lieber auf einen Prozess ankommen lassen, als einen Freispruch zweiter Klasse zu akzeptieren. Vor allem Wulff kämpft verbissen um seinen Ruf und eine Rehabilitierung. Im Zuge der Affäre hat er nicht nur sein Amt, Ansehen und viel Geld durch Anwaltskosten verloren. Auch seine Ehe ging in die Brüche.

Inzwischen scheint sich die öffentliche Meinung aber zu drehen. Die Staatsanwaltschaft steht wegen der langwierigen Ermittlungen und wegen der anhaltenden Indiskretionen unter Druck. Immer wieder tauchen Verfahrensdetails in den Medien auf. In der letzten Zeit sind es allerdings eher für Wulff vorteilhafte Informationen, was auf andere Quellen schließen lässt.

Ob und wann es zu einem Prozess kommt, will die Staatsanwaltschaft bis Freitag entscheiden. Im Gerichtssaal muss Wulff aber vermutlich in jedem Fall auftauchen – als Zeuge im Prozess gegen seinen ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker, der sich wegen Gratis-Urlaubsreisen auf Kosten eines Unternehmers verantworten muss.

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