Hannover Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU in Niedersachsen wollen, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. In einem am Donnerstag vom Landtag angenommenen Entschließungsantrag wird zudem ein eigenes Bestandsmanagement des Bundeslandes für Wölfe gefordert. Das Jagdrecht ist die grundsätzliche Befugnis, die diesem Recht unterliegenden Wildtiere in einem bestimmten Gebiet zu bejagen. Der strenge Schutzstatus des Wolfes nach EU- und Bundesrecht bliebe von einer Aufnahme ins Jagdrecht jedoch zunächst unberührt. Die Grünen übten scharfe Kritik an der Entschließung.

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Der Antrag der Regierungsfraktionen sieht vor, dass der Bund kurzfristig „alle Parameter des günstigen Erhaltungszustands der Art Wolf definiert“. Nach französischem Vorbild solle eine Untergrenze festgelegt werden, „um festzustellen, ob der günstige Erhaltungszustand in bestimmten Regionen bereits erreicht ist“.

Der signifikante Anstieg der Wolfspopulation in Deutschland führe zu neuen Herausforderungen für das Miteinander von Menschen und Natur in den betroffenen Regionen, heißt es in der Entschließung. Insbesondere das Vordringen von Wölfen in dicht besiedelte Regionen und die vermehrten Übergriffe auf Nutztiere verstärkten die Besorgnis innerhalb der örtlichen Bevölkerung und gefährdeten die Akzeptanz.

Der SPD-Abgeordnete Marcus Bosse sagte, allein im Jahr 2020 seien 1.400 Risse verzeichnet worden. „Einige wenige auffällige Tiere“ hätten dabei auch Maßnahmen zum Herdenschutz umgehen können. Hier brauche es eine nach Naturschutzrecht streng geprüfte Ausnahmegenehmigung: „Die Entnahme einzelner auffälliger Tiere muss möglich sein und schlussendlich auch zur Normalität gehören, denn das dient der notwendigen Akzeptanz des Wolfes.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Schmädeke sagte: „Wenn wir nicht handeln und kein Wolfsmanagement einführen, dann handeln wir als Staat nicht verantwortungsvoll.“

Für die Grünen erklärte Christian Meyer, Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) verweigere sich beim Thema dem Dialog für mehr Sachlichkeit. Der Arbeitskreis Wolf, in dem Landwirte und Umweltverbände vertreten seien, habe seit eineinhalb Jahren nicht mehr getagt. „Einen Ausgleich der Interessen haben Sie nicht gesucht“, sagte Meyer an Lies gewandt: „Den Landwirten verweigern Sie schnelle und unbürokratische Hilfen wie eine Weideprämie. Naturschützer oder Wolfsberater, die Kritik üben, entlassen Sie aus ihren Ämtern.“

„Stattdessen verrennen Sie sich in teilweise rechtswidrige Abschüsse“, fügte Meyer mit Blick auf die Tötung einer Fähe des Rudels Herzlake vor einer Woche hinzu. Auch Grüne und Umweltverbände stimmten der Entnahme von „verhaltensauffälligen echten Problemwölfen“ zu. Nur müsse dies auch nachprüfbar sein - „notfalls vor Gericht und nicht als Geheimsache“.

Im abgeschlossenen Monitoringjahr 2019/2020 lebten in Deutschland 128 Wolfsrudel, 35 Wolfspaare Paare sowie zehn Einzeltiere in freier Wildbahn. In Niedersachsen zählte die Landesjägerschaft 35 Wolfsrudel und zwei Wolfspaare. Seit dem Monitoringjahr 2011/2012 sei die Anzahl an nachgewiesenen Wolfsterritorien stetig um durchschnittlich 60 Prozent gestiegen, hieß es.

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