Washington Während US-Medienberichten zufolge ein zweiter „Whistleblower“ aus der Geheimdienst-Branche mittlerweile die Vorwürfe gegen Donald Trump in der Ukraine-Affäre bestätigt hat, musste sich der US-Präsident am Wochenende mit anderen Negativ-Schlagzeilen befassen: einem Exklusivbericht der „Washington Post“, die sich die Mühe gemacht hatte, die telefonischen Interaktionen Trumps mit ausländischen Staats- und Regierungschefs zu analysieren.

Die Hauptstadt-Zeitung kam dabei durch Gespräche mit früheren und derzeitigen Offiziellen im Weißen Haus zu dem Fazit: Trumps Verhalten vor allem gegenüber starken Persönlichkeiten wie Russlands Präsident Wladimir Putin reiche von „schmeichelnd“ bis zu „peinlich“ – und habe viele Mitarbeiter schockiert zurückgelassen.

Während Trump laut der Abschrift seines Telefonats am 25. Juli diesen Jahres mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in dem Gespräch unter anderem Nachforschungen zu seinem innenpolitischen Rivalen Joe Biden und dessen früher in der Ukraine beschäftigten Sohn Hunter gefordert hatte, machten Beratern Trumps bereits die Unterredungen mit Putin von Januar 2017 an Sorgen. Der erste Anruf nach dem Wahlsieg des US-Präsidenten war vom Weißen Haus in Richtung Moskau initiiert worden, um Putin Gelegenheit zu geben, Trump zu seinem Erfolg zu gratulieren. Doch Trump habe die Zeit vor allem genutzt, um sich bei Putin dafür zu entschuldigen, ihn nicht früher angerufen zu haben – und um dafür dem Stab im Weißen Haus die Schuld zu geben.

In einem weiteren Gespräch habe der US-Präsident dann um Hinweise dazu gebeten, wie er denn mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un umgehen solle. Ein kurioses Anliegen, denn Putin ist – wie Kim – natürlich kein „lupenreiner Demokrat“ und dürfte ein Interesse daran haben, die Position der Weltmacht USA zugunsten eigener Vorteile zu destabilisieren.

Ein weiterer Dorn im Auge seien intern die Telefonate Trumps mit der saudi-arabischen Führung gewesen. Zum einen hatte der US-Präsident nach der Ermordung des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi schnell die Position des Kronprinzen in Riad akzeptiert, der bis heute erklärt, mit dem arrangierten Tod durch ein Killerkommando in Istanbul nichts zu tun zu haben. Auch US-Geheimdienste sehen dies jedoch anders.

Zum anderen habe Trump Saudi-Arabien Unterstützung bei dem Anliegen versichert, in die Gruppe der G 7 aufgenommen zu werden. Allein die Menschenrechts-Verletzungen der Saudis hätten eine solche Aufnahme unmöglich gemacht, wird ein Regierungsmitglied anonym zitiert. Doch Trump sagte, er werde sich dennoch für Riad einsetzen – ein Projekt, dem bis heute kein Erfolg beschieden war.

Bemerkenswert war dem Bericht zufolge auch ein Telefonat des US-Präsidenten mit dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte, der sich gnadenlos im Kampf gegen die Drogen-Kriminalität gezeigt hatte und Tausende „Dealer“ und Nutzer offenbar exekutieren ließ. Im April 2017 habe Trump Duterte gelobt, dieser habe „unglaublich gute Arbeit“ in der Drogen-Problematik geleistet.

Ein früheres Mitglied des „National Security Council“ des Weißen Hauses vertraute der „Washington Post“ an, dass Helfer Trumps nahezu resignierend den Umstand gesehen hätten, dass der Präsident ungeplant Aussagen traf, die er partout nicht hätte machen sollen. Und während Trump gegenüber manchen Diktatoren „nett“ gewesen sei, so die Zeitung, hätte er oft enge Alliierte vergrätzt – darunter auch andere Mitglieder der Nato und „starke weibliche Politiker“, so das Blatt.

Wer mit letzterer Charakterisierung gemeint war, ist offensichtlich: Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ein angespanntes Verhältnis mit dem US-Präsidenten verbindet. Trump hatte sie in der Vergangenheit immer wieder wegen ihrer freizügigen Einwanderungspolitik und des Versagens bei der Einhaltung der Rüstungsausgaben-Ziele ins Visier genommen.

Autor dieses Beitrages ist Friedemann Diederichs. Der 62-jährige Journalist ist Washington-Korrespondent unserer Zeitung.

Friedemann Diederichs Korrespondentenbüro Washington
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