Washington US-Präsident Donald Trump hat die Erfolge seiner Amtszeit mit vielen Superlativen verteidigt und seinen demokratischen Herausforderer heftig angegriffen. Zum Abschluss des Parteitags seiner Republikaner sprach er am Donnerstagabend (Ortszeit) im Garten des Weißen Hauses. Hier eine Bewertung einiger Aussagen:

Impfstoff

Trumps Behauptung: „Wir werden noch vor Jahresende einen Impfstoff produzieren – oder vielleicht sogar früher... Wir werden dieses Jahr eine sichere und wirksame Impfung haben.“

Bewertung: Das ist sehr optimistisch.

Fakten: Die Suche nach einem Corona-Impfstoff läuft auf Hochtouren, auch dank eines finanziellen Anschubs von der US-Regierung. Weltweit befinden sich mehrere Impfstoffe in klinischen Tests mit rund 30 000 Probanden, die die Wirksamkeit belegen sollen. Mit abschließenden Ergebnissen dieser Studien wird nicht vor dem Spätherbst gerechnet. Die Ergebnisse werden dann normalerweise unabhängig geprüft und veröffentlicht, bevor die Behörden eine reguläre Zulassung erwägen. Wegen der Pandemie wollen alle Beteiligten schnell vorgehen, aber keine Kompromisse bei der Sicherheit machen.

Grenzmauer

Trumps Behauptung: „Wir haben schon 300 Meilen (480 Kilometer) der Grenzmauer gebaut, und wir fügen jede Woche zehn Meilen hinzu. Die Mauer wird bald komplett sein.“

Bewertung: Das stimmt teilweise.

Fakten: Der Mauerbau an der Grenze zu Mexiko war eines der zentralen Versprechen Trumps vor seiner Wahl zum Präsidenten. Bislang wurden nach Angaben des Heimatschutzministeriums umgerechnet rund 480 Kilometer fertiggestellt – das entspricht etwa 15 Prozent der rund 3200 Kilometer langen Grenze. Zumeist ersetzte Trumps Grenzmauer dabei aber nur bereits bestehende und veraltete Grenzanlagen. Der langsame Fortschritt beim Bau der Mauer liegt unter anderem am Widerstand der Demokraten im Kongress. Trump will mit einer Notstandserklärung bis 2021 bis zu 800 Kilometer Mauer fertigstellen.

Afroamerikaner

Trumps Behauptung: „Ich sage mit großer Bescheidenheit, dass ich mehr für die afroamerikanische Community getan habe als jeder Präsident seit Abraham Lincoln.“

Bewertung: Das ist übertrieben.

Fakten: Unter Präsident Lincoln wurde vom Kongress der 13. Zusatz zur US-Verfassung angenommen, mit dem die Sklaverei abgeschafft wurde. Historiker sind sich weitgehend einig, dass in der jüngeren Geschichte Präsident Lyndon B. Johnson am meisten für Schwarze getan hat: In seiner Amtszeit wurde 1964 ein wichtiges Anti-Diskriminierungsgesetz beschlossen und ein Jahr später eine hart umkämpfte Wahlrechtsreform, die das Wahlrecht von Schwarzen und Angehörigen anderer Minderheiten sicherte.

Arbeitsplätze

Trumps Behauptung: „In den letzten drei Monaten haben wir neun Millionen Arbeitsplätze hinzugewonnen – und das ist ein Rekord in der Geschichte des Landes.“

Bewertung: Das stimmt, blendet aber wichtige Fakten aus.

Fakten: Infolge der Corona-Pandemie sind in den USA von Februar bis Ende April rund 22 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. Von Mai bis Ende Juli haben dann gut neun Millionen Menschen wieder einen Job gefunden. Allerdings sind damit nur rund 40 Prozent der ursprünglich verloren gegangenen Stellen wieder ersetzt worden. Im Juli stand die Arbeitslosenquote noch bei 10,2 Prozent, einem für die USA extrem hohen Wert. Vor der Corona-Krise lag die Quote bei 3,5 Prozent.

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