Washington Und sie macht es doch. Nancy Pelosi hat lange gewartet, über viele Monate dem Drängen aus den eigenen Reihen widerstanden. Nun ist der Moment, an dem die wichtigste Gegenspielerin von Donald Trump den Schritt geht, auf den viele in ihrer Partei gewartet haben. Die Frontfrau der Demokraten und mächtige Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses kündigt konkrete Schritte für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen den US-Präsidenten an. Trump habe die Verfassung gebrochen – und seinen Amtseid gleich mit, sagt die 79-Jährige in Washington. Dafür müsse er zur Rechenschaft gezogen werden. Die Arena für den Kampf um ein Impeachment ist eröffnet.

Der US-Präsident reagiert sofort mit einer Serie wütender Tweets, die er aus seinem Trump Tower in New York absetzt. Er ist für die Generaldebatte der UN-Vollversammlung in seiner alten Heimat. Doch seine außenpolitischen Botschaften dort sind plötzlich weggewischt von dem innenpolitischen Tumult rund 360 Kilometer entfernt in der Hauptstadt. Trump tönt auf Twitter, das Vorgehen der Demokraten sei nichts als „Schikanierung des Präsidenten“, die „totale Hexenjagd“.

Was ist passiert? Neue Vorwürfe gegen Trump haben innerhalb weniger Tage eine Dynamik in Gang gesetzt, an deren Ende sich Pelosi dem Druck aus ihrer Partei beugt. Alles dreht sich um ein Telefonat zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Juli. Darin hat Trump den Amtskollegen gedrängt, Ermittlungen einzuleiten, die seinem möglichen Rivalen bei der Präsidentschaftswahl 2020, dem Demokraten Joe Biden, schaden könnten. Das geht aus einer am Mittwoch vom Weißen Haus veröffentlichten Abschrift des Gesprächs vom 25. Juli hervor.

Bidens Sohn hat früher Geschäfte in der Ukraine gemacht. Und Trump wirft Biden vor, die Ukraine in seiner Zeit als US-Vizepräsident unter Druck gesetzt zu haben, um Korruptionsermittlungen gegen seinen Sohn zu verhindern. Trump soll Selenskyj gedrängt haben, dem nachzugehen. Im Gegenzug, so heißt es, habe Trump dem Ukrainer ein unlauteres „Versprechen“ gegeben – oder ihm gedroht.

Die Demokraten halten das für ein Paradebeispiel für Amtsmissbrauch und Verfassungsbruch, für eine versuchte Einflussnahme auf die nächste Wahl, für eine moralische – und justiziable – Entgleisung. Ans Licht kam all das durch einen Geheimdienstmitarbeiter, der bei einem internen Kontrollgremium Beschwerde über das vertrauliche Telefonat eingelegt hatte. Über mehrere Tage wurden Details zu dem undurchsichtigen Fall publik. Trump war zuletzt fast nur noch damit beschäftigt, Vorwürfe zu dem Telefonat zurückzuweisen und stattdessen Biden als korrupt zu beschimpfen.

Immer mehr Demokraten sprachen sich plötzlich dafür aus, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump in Gang zu setzen. Etwas, das einige Parteikollegen schon seit Monaten fordern.

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