Frage: Vor fünf Jahren herrschte in Österreich und Deutschland eine weltweit beachtete Willkommenskultur. Waren sie von Anfang an skeptisch oder als damaliger Integrationsminister auch stolz?

Kurz: Ich war von Anfang an gegen die Politik der offenen Grenzen. Ich war der Meinung, dass Europa hier vollkommen falsch abbiegt und dass es einen Systemwechsel braucht. Ich schätze immer ehrenamtliches Engagement, aber das sollte kein Grund dafür sein, strategisch falsche Entscheidungen zu treffen. Die Politik der offenen Grenzen hat ja nicht nur dazu geführt, dass sich viele Menschen nach Europa auf den Weg gemacht haben und es zu einer massiven Überforderung in weiten Teilen Mitteleuropas gekommen ist. Sie hat auch dazu geführt, dass die Schlepper Unsummen verdient haben und unzählige Menschen im Mittelmeer ertrunken sind. Ich bin froh, dass die Politik heute in Europa eine gänzlich andere ist.

Frage: Was hat sie damals anders denken lassen? Viele Politiker hielten offene Grenzen nicht für falsch.

Kurz: Es ist für Politiker immer verlockend, das zu sagen, was gerade populär ist. Damals waren offene Grenzen populär. Ich bin damals massiv für meine andere Haltung kritisiert worden. Was ich gesagt habe, wurde als rechts, manchmal auch als rechtsradikal abgetan. Heute ist es absolut mehrheitsfähig bei den Regierungschefs in der EU. Ich hatte deshalb eine Sonderstellung, weil ich zuvor jahrelang für die Integration in Österreich zuständig war. Uns war immer klar, der Erfolg der Integration ist auch abhängig von der Zahl der zu Integrierenden. Anders formuliert: Wenn deren Zahl explodiert, dann wird Integration schwierig.

Frage: Es werden weiterhin Menschen kommen. Wie stellen sie sich dann einen Plan vor?

Kurz: Wir sind der Meinung, sobald sich Menschen illegal auf den Weg nach Europa machen, müssen sie an der Außengrenze gestoppt, versorgt und in sichere Herkunfts- oder Transitländer zurückgestellt werden. Wenn ein Staat Flüchtlinge aufnehmen will, dann sollte dies via Resettlement erfolgen. Den Umfang kann jeder Staat für sich entscheiden. Es ist zudem unsere christlich-soziale Verantwortung, uns stärker in Afrika zu engagieren. Dort positive wirtschaftliche Entwicklung sowie den Kampf gegen Korruption und Misswirtschaft zu unterstützen, halte ich für eine zentrale Aufgabe.

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