New York Die internationale Gemeinschaft will in Nahost die Waffen so schnell wie möglich zum Schweigen bringen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte eine „sofortige und bedingungslose humanitäre Waffenruhe“ zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Die Konfliktparteien sollten die Kampfhandlungen einstellen, um humanitäre Hilfe möglich zu machen, hieß es in einer am frühen Montagmorgen in New York verlesenen Erklärung des Rates. Das mächtigste UN-Gremium war um Mitternacht zu einer eilig einberufenen Dringlichkeitssitzung zusammengetreten, die allerdings nur wenige Minuten dauerte.

Nach einer nächtlichen Flaute kam es am Montagmorgen wieder zu einem punktuellen Schlagabtausch zwischen beiden Seiten. Die israelische Armee beantwortete einen Raketenangriff aus dem Gazastreifen mit Artilleriefeuer. Der Abschussort in Beit Lahia im nördlichen Teil des Palästinensergebiets sei beschossen worden, bestätigte eine israelische Armeesprecherin in Tel Aviv. In der Nähe der Küstenstadt Aschkelon war zuvor eine einzelne aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete eingeschlagen. Es sei der erste Raketenangriff seit kurz vor Mitternacht gewesen, sagte die Sprecherin. Israel habe seine Angriffe im Gazastreifen etwa um 20.30 Uhr eingestellt.

Armeesprecher Moti Almos sagte, die Truppen würden weiter Tunnel zerstören. „Wenn es Angriffe gibt, reagieren sie.“ Nach einer ersten Weigerung hatte die Hamas am Sonntag eine 24-stündige Waffenruhe erklärt, die Israel jedoch nicht offiziell akzeptierte.

Auch US-Präsident Barack Obama forderte bei einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu eine sofortige und bedingungslose humanitäre Feuerpause. Er habe dies bei einem Telefonat am Sonntag als „strategisches Gebot“ bezeichnet, teilte das Weiße Haus mit. Ziel sei eine dauerhafte Waffenruhe.

Obama verurteilte den Angaben zufolge ein weiteres Mal die Hamas-Angriffe scharf und bekräftigte das Recht Israels auf Selbstverteidigung. Zugleich äußerte er erneut wachsende Sorge über die Zahl der getöteten palästinensischen Zivilisten, über die israelischen Opfer und die humanitäre Lage in Gaza. Letztendlich müsse jede dauerhafte Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts eine Entwaffnung von Terrorgruppen und die Entmilitarisierung von Gaza sicherstellen, unterstrich Obama.

Seit Beginn der Offensive vor drei Wochen sind mehr als 1000 Palästinenser getötet und über 6000 weitere verletzt worden. Auf der israelischen Seite kamen 43 Soldaten und drei Zivilisten um.

Der Sicherheitsrat rief alle Seiten auf, an einer dauerhaften Waffenruhe zu arbeiten. Und er forderte, zivile Einrichtungen, auch die der Vereinten Nationen, zu respektieren und zu schützen.

„Der Sicherheitsrat fordert die vollständige Beachtung des internationalen Rechts, einschließlich des Schutzes der Zivilbevölkerung, und wiederholt seine Forderung nach Schritten zum Wohlergehen der Zivilisten“, heißt es in dem Papier. Der Rat sei „tief besorgt“ wegen der Verschärfung der Lage und des Todes von Zivilisten. Er unterstützte zugleich die Friedensbemühungen Ägyptens, von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und den USA.

Der UN-Vertreter der Autonomiebehörde, Rijad Mansur, wiederholte seine Forderung nach einem „Schutz durch die Vereinten Nationen“ für die Palästinenser. „Israel, ein anderer Staat, bedroht uns und tötet unsere Kinder. Es ist die Pflicht der Weltgemeinschaft, uns vor diesem Aggressor zu schützen“, sagte er nach der Sitzung. Wie genau dieser Schutz aussehen sollte, sagte Mansur allerdings nicht.

Israels UN-Botschafter Ron Prosor sagte, die radikal-islamische Hamas greife Schulen, Busse und Cafés an. „Der Terror ist vor unserer Haustür.“ Die Palästinenser würden Milliarden aus Steuergeldern der westlichen Welt erhalten. „Aber sie nutzen es nicht für Bildung und Krankenhäuser, sondern für Terror gegen Israel und auch andere westliche Staaten. Der Westen finanziert Terror gegen sich selbst mit.“ Israel habe nichts gegen die Palästinenser. „Aber wir haben etwas gegen die Hamas, die das eigene Volk jeden Tag als Schutzschild missbraucht.“

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