Tel Aviv Nach dem tödlichen Attentat am Tempelberg in Jerusalem können nun auch wieder Touristen die Juden wie Muslimen heilige Stätte besuchen. Muslimische Gläubige protestierten am Montag allerdings gegen die schärferen Sicherheitsvorkehrungen beim Zugang auf den Tempelberg (Al-Haram al-Scharif). Für Nicht-Muslime und Touristen ändere sich dagegen nichts beim Besuch, sagte eine Polizeisprecherin am Montag.

Die israelische Polizei hatte das Areal in der Altstadt von Jerusalem am Sonntag zunächst für muslimische Gläubige geöffnet. Allerdings müssen Muslime nun durch Sicherheitsschleusen mit Metall-Detektoren gehen. Damit soll verhindert werden, dass Waffen eingeschleust werden. Diese Regelung galt bereits für Touristen.

Bei dem Anschlag waren am Freitag zwei israelische Polizisten und die drei israelisch-arabischen Angreifer getötet worden. Als Reaktion hatte Israel das Areal geschlossen und damit auch die für Muslime besonders wichtigen Freitagsgebete im Felsendom und der Al-Aksa-Moschee unterbunden. Dies war laut Medienberichten das erste Mal seit 1969 der Fall.

Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Ahmed Hussein, nannte die Metall-Detektoren am Montag eine Veränderung des Status quo am Tempelberg. Er und weitere muslimische Geistliche forderten die Gläubigen auf, nicht durch die Sicherheitsschleusen zu gehen und notfalls außerhalb der Zugänge zu beten. Mitarbeiter der für den Tempelberg verantwortlichen jordanischen Wakf-Behörde hatten sich bereits am Sonntag geweigert, durch die Schleusen zu gehen. Sie durften letztlich an den Kontrollen vorbeilaufen.

Der Tempelberg mit der Klagemauer sowie der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom ist Juden wie Muslimen heilig. Der Streit um die Besuchsrechte, also wer den Hügel betreten und dort beten darf, hatte bereits in der Vergangenheit zu Spannungen und Gewalt geführt.

Bilder vom Sonntag zeigten Dutzende betende Männer auf dem Boden vor den Metall-Detektoren, neben denen schwer bewaffnete israelische Sicherheitskräfte standen. Gläubige, die am Montag vor den Schleusen beten wollten, wurden laut palästinensischen Medienberichten von der Polizei vertrieben. Die Polizei teilte mit, nach den Gebeten sei ein Zugang geräumt worden, weil eine Straße blockiert gewesen sei.

Wie das israelische Radio berichtete, kam es bis in die Nacht hinein in der Nähe des Tempelbergs zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Muslimen. Sicherheitskräfte seien mit Steinen beworfen worden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte laut einem Bericht der „Haaretz“ am Sonntag in Paris, er lehne jegliche Änderung der Besuchsrechte auf dem Tempelberg ab. Dies könne unvorhersehbare Folgen für die Region wie die Welt haben, die Sicherheitslage verschärfen und die zunehmend engeren Beziehungen zwischen Israel und den sunnitischen Staaten untergraben, sagte Netanjahu laut dem Bericht. Zu den sunnitischen Staaten gehört etwa Saudi-Arabien.

Der Ministerpräsident hatte am Wochenende angekündigt, Metall-Detektoren an allen Eingängen zum Tempelberg anbringen zu lassen. Außerdem sollen Kameras auf Masten außerhalb des Geländes installiert werden.

Die Attentäter waren am Freitag mit Schusswaffen und einem Messer vom Tempelberg gekommen und hatten die Polizisten am Eingang zu dem Areal angegriffen. Laut einem Bericht in der „Maariv“ waren die Waffen auf dem Gelände deponiert gewesen.

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