Kabul Unmittelbar vor der geplanten Bestätigung des neuen Verteidigungsministers haben die Taliban am Montag das afghanische Parlament in der Hauptstadt Kabul angegriffen. Nach der Explosion einer Autobombe am Eingang des schwer bewachten Gebäudes lieferten sich sieben Angreifer eine Schießerei mit der Polizei, bei der ein zehnjähriges Mädchen und eine Frau starben, wie der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Sedikki, sagte. 31 weitere Zivilisten wurden verletzt, darunter zwei Frauen und zwei Kinder.

Die Sicherheitskräfte hätten den Angriff abwehren könne und alle sieben Bewaffneten getötet, sagte Sedikki weiter. Das Parlament war zusammen gekommen, um die Ernennung des Verteidigungsministers Masum Staneksai zu bestätigen. Der Posten war seit neun Monaten vakant. Der Anschlag verzögerte die Abstimmung.

Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte der Nachrichtenagentur AP, der Angriff sei gegen Staneksai und das Parlament selbst gerichtet gewesen. Der Angriff zeige das „Können der Mudschahdin, die sogar das Parlament in der Hauptstadt angreifen können“. Das Parlament gilt als einer der am besten bewachten Orte im Land.

Die Abgeordnete Sidika Mubares sagte, das Gebäude sei von einer schweren Explosion erschüttert worden. Glassplitter hätten einige Menschen verletzt. Die Explosion habe sich kurz nach der Ankunft von Staneksai ereignet, sagte sie. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah schwarzen Rauch vor dem Eingang des Gebäudes aufsteigen und Krankenwagen zu dem Ort rasen.

Nur wenige Meter vom Attentatsort entfernt wurden Hunderte Kinder aus einer Schule in Sicherheit gebracht. In der Vergangenheit hatten die Taliban bereits mehrfach Angriffe auf Regierungsgebäude geführt.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani verurteilte den Angriff. „Unschuldige Menschen im heiligen Monat des Ramadans zum Ziel zu nehmen, ist ein deutlich feindseliger Akt gegen die Religion des Islams“, sagte er. Die Verursacher seien Kriminelle.

Nach heftigen Kämpfen mit den örtlichen Sicherheitskräften nahmen die Taliban am Montag zudem in der Provinz Kundus im Nordosten Afghanistans einen zweiten Bezirk ein. Die Aufständischen hätten den Bezirk Daschti Artschi von vier Seiten angegriffen, 150 000 Einwohner hätten nicht mehr fliehen können, sagte der Vorsitzende des Provinzrates, Mohammad Jussuf Ajubi. Die Sicherheitskräfte hätten Verluste erlitten.

Die Taliban bestätigten die Eroberung des Bezirks. Dabei seien Munition und vier Panzer erobert worden, hieß es. Bereits am Sonntag hatten die Taliban die Kontrolle über die Region Chardara übernommen.

Nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen aus Afghanistan Ende 2014 Jahres haben die örtliche Armee und Polizei im Kampf gegen die islamistischen Taliban schwere Verluste erlitten.

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