St. Ingbert Annegret Kramp-Karrenbauer ist in ihrer Paraderolle. Mit karierter Kittelschürze, Kopftuch und Kehrbesen steht die CDU-Chefin als Putzfrau Gretel auf der Bühne – und räumt auf. Die Regierung in Berlin habe im vergangenen Jahr immer nur geredet und nichts geschafft: „Viel geschwätzt und nichts beschlossen“, bilanzierte sie bei der Narrenschau des Verbandes Saarländischer Karnevalsvereine am späten Sonntagabend in St. Ingbert. Dabei würde die Regierung ja gern arbeiten: „Aber die dürfen nicht, weil die Deutsche Umwelthilfe hat das verboten. Die haben gesagt, wenn ihr jetzt anfangt zu schaffen in der Regierung, dann wirbelt das zu viel Staub auf.“

Mit ihrem neuen Amt als CDU-Chefin hat AKK auch als Putzfrau ihren närrischen Arbeitsort geändert. Sie habe sich jetzt zur „Putzfrau vom Konrad-Adenauer-Haus“ hochgearbeitet. „Nee, nee, nee. Hat sich nicht viel geändert“, sagte sie vor rund 1100 Narren. „So ein Schlamassel. Ich weiß gar nicht, wie ich da reingerutscht bin. Ich kann euch sagen: Ich habe schon ein bisschen Heimweh.“ Berlin sei „komisch: Allein wie die schwätzen, die können kein Saarländisch.“

Vor ihrem Wechsel nach Berlin war die ehemalige Ministerpräsidentin des Saarlandes (bis Februar 2018) noch als „Putzfrau am Landtag“ aufgetreten – und zog so Politiker aller Couleur durch den Kakao. Ihr Auftritt gehört seit 2009 bei den Saar-Narren zu den Highlights. Doch dieses Mal war der Medienrummel besonders groß. „So was haben wir noch nie erlebt“, sagte der Präsident des VSK, Hans-Werner Strauß. „Es gab einen Riesen-Hype.“ Im Fokus stand der 26-minütige Vortrag von Kramp-Karrenbauer, den sie wie immer frei hielt.

„Sie macht das richtig gut“, sagte der Präsident vom Bund Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess. „Das, was sie auf der Bühne abliefert und dann auch noch situationsbedingt einfließen lässt – da kann ich nur sagen: Respekt und Hut ab!“ Das Publikum war begeistert: zig Lacher und minutenlanger Beifall.

Und weiter ging’s: Was die Regierung aber könne, sei gute Namen ausdenken, sagte Kramp-Karrenbauer. Nicht nur gebe es nun ein „Gute-Kita-Gesetz“ – der Koalitionsausschuss heiße jetzt „Stuhlkreis für piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb“. Und da könne man sich vorstellen, wie SPD-Chefin Andrea Nahles auch mal „Bätschi“ sage.

Vertreter der saarländischen Landesregierung freuten sich über das närrische Comeback von AKK an der Saar. Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte dazu: „Wie alle Saarländer finde ich das natürlich total klasse. Sie zeigt damit, dass sie weiterhin zu unserer saarländischen Karnevalstradition steht und eine echte Faasenachterin ist.“ Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD) im Huhn-Kostüm („natürlich bio und freilaufend“) meinte: „Alles, was dazu beiträgt, dass die Narretei der Faasend, Spaß und der Faschingskult im Saarland beibehalten bleibt, wird von uns und mir unterstützt.“ Vize-Regierungschefin Anke Rehlinger (SPD) kam als Sterneköchin.

Dass Kramp-Karrenbauer auch als Bundesvorsitzende der CDU noch die Putzfrau gibt, freut die Saar-Narren. „Es zeigt uns vor allem, sie ist bodenständig. Sie hat Heimatgefühl und steht zum Saarland“, sagte Oberkarnevalist Fess, ebenfalls Saarländer. AKK ist Karnevalsfan seit ihrer Kindheit. Sie war als Jugendliche schon in der Schautanzgruppe aktiv. Und Sketche und Büttenreden hat sie damals schon gern gemacht.

Kramp-Karrenbauer macht ihr karnevalistisches Hobby unter „Alleh Hopp“-Rufen – wie es an der Saar statt Helau-Rufen üblich ist – Spaß. Vor ihrem Putzfrau-Auftritt schunkelte sie ausgelassen im Publikum mit. Bisher musste sie nur einmal den Narren einen Korb geben: 2018 – wegen der Koalitionsverhandlungen in Berlin. Und für den 9. Februar 2020 haben die Saarländer ihre Putzfrau schon wieder eingeladen.

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