Da liegt er nun also in den Auslagen der Buchhandlungen: Ein 1000-Seiten-Wälzer für 42 Euro – und das ist nur der erste von geplanten zwei Bänden. Die Rezensenten werden wohl noch einige Zeit brauchen, um alle Einzelheiten des Werks zu studieren. Aber fest steht schon jetzt: Mit Teil eins seiner Autobiografie hat Barack Obama, ehemaliger US-Präsident, dessen Verehrung schon zu Amtszeiten mitunter messianische Züge annahm, das Buch der Bücher vorgelegt – zumindest, wenn man auf das laufende Geschäftsjahr der Branche blickt.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ jedenfalls gibt die Einschätzung von James Daunt wieder, Chef von Barnes & Noble, der größten Buchhandelskette der Welt, wonach die Obama-Memoiren an die Rekordmarken vom 21. Juli 2007 heranreichen könnten. Damals erschien der letzte Band der Harry-Potter-Reihe der britischen Autorin Joanne K. Rowling. Der Autor selbst stapelt zu Beginn seiner Erinnerungen tief. Ein literarischer Zauberlehrling sei er nicht, räumt Obama ein. Der Schreibprozess verlief seinen Worten zufolge „nicht ganz nach Plan“. Ihm sei bewusst, „dass ein begabterer Autor einen Weg gefunden hätte, dieselbe Geschichte kürzer zu erzählen“.

In „A Promised Land“, zu Deutsch: „Ein verheißenes Land“, erzählt der Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger die Geschichte seiner unwahrscheinlichen Odyssee vom jungen Mann auf der Suche nach seiner Identität bis hin zum führenden Politiker der Freien Welt. Der biblisch anmutende Titel des Buches stammt aus einem afroamerikanischen Spiritual.

Direkt darunter hat er drei Zeilen eines Gedichts von Robert Frost gesetzt: „Unterschätzt nicht unsere Kräfte; / Wir haben uns genähert / Der Unendlichkeit.“ Als schon in Ehren ergrauter Poet wertete Frost die Amtseinführung von John F. Kennedy 1961 literarisch auf; ein anderer Heilsbringer der jüngeren US-Geschichte. Der historische Referenzrahmen stimmt schon mal. Natürlich geht es um große Politik, die Finanzkrise, den Kampf gegen Osama Bin Laden und den islamistischen Terror oder das Tauziehen um die Gesundheitsreform. Der lässige, manchmal selbstironische Obama-Sound tut auch aus anderen Gründen gerade ziemlich gut.

Sein Nachfolger Donald Trump war nicht nur rhetorisch schlichter unterwegs. Das Buch ist mehr als ein Seitenhieb gegen den Narzissten im Weißen Haus, den Obama lediglich fünfmal erwähnt.

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