Eigentlich hat sie geschworen, sich nun aus der Politik herauszuhalten, ja sie gab sogar das charakteristische Le Pen im Nachnamen auf. Doch nun schleicht Marion Maréchal, Enkelin von Jean-Marie Le Pen und prominente Ex-Abgeordnete, auf Zehenspitzen zurück auf die politische Bühne – und sorgt sofort für Ärger.

In den vergangenen Wochen traf sich die 29-Jährige, die als potenzielle Parteivorsitzende der rechten Rassemblement National (RN), früher Front National, gehandelt wird, zum Brückenschlag mit den feindlichen Konservativen, die von ihrer vernichtenden Niederlage bei den EU-Wahlen gelähmt sind.

Diese Streifzüge auf verbotenem Terrain warfen Fragen auf zu Maréchals politischen Absichten – schließlich wurde sie einst zur beliebtesten Frau der Rassemblement National gewählt, die von ihrer Tante Marine Le Pen geführt wird. Viele fragen sich nun auch, ob ein neuer Krieg im Le Pen-Clan im Gange ist.

Maréchal ist der Liebling ihres umstrittenen Großvaters Jean-Marie Le Pen, Mitbegründer des Front National und ausgeschlossen von Tochter Marine wegen wiederholter antisemitischer Äußerungen. Maréchal ist konservativer als ihre Tante. Bei einem großen Treffen von US-Konservativen lästerte sie über die EU und sagte, Frankreich werde „die kleine Nichte des Islam“.

Zur Enttäuschung ihres Großvaters Jean-Marie Le Pen zog sich Maréchal vor zwei Jahren aus der Politik zurück und kandidierte nicht mehr als Abgeordnete für ihre Partei. Stattdessen gründete sie eine Privatschule in Lyon, die als Kaderschmiede für rechte Anführer gilt.

Sie dementiert Gerüchte, wonach sie ihre Tante Marine Le Pen für ein Comeback umgehen will. Dennoch unterstreicht der Aufruhr, der nach Bekanntwerden von mindestens zwei der heimlichen Treffen entstand, Maréchals zentrale Rolle im Machtpoker der französischen Rechten.

Ein Abendessen Ende Juni zwischen Maréchal und mehr als einem Dutzend Amtsträgern und Abgeordneten der Republikaner sorgte für einen Feuersturm innerhalb der wichtigsten konservativen Partei. Der konservative Mainstream war lange äußerst vorsichtig, was Verbindungen zu Frankreichs extremer Rechten angeht, doch das Treffen zeigt, dass einige Konservative an ein Überleben ihrer Partei nur noch im Verein mit Leuten wie Maréchal glauben.

Senatspräsident Gérard Larcher von den Republikanern drohte den Teilnehmern des Treffens mit Maréchal in einem Pariser Restaurant mit Parteiausschluss: „Ich habe immer gesagt, zwischen uns und der Rassemblement National besteht eine Brandschutzmauer“, sagte er im Fernsehsender LCI. „Ob Sie das mögen oder nicht, dieses Abendessen war ein Bruch.“ Für ihn hätten sich diese Parteikollegen schon „außerhalb der Werte unserer politischen Formation platziert“.

Unterdessen hatte die mächtige französische Wirtschaftslobby Medef (Mouvement des entreprises de France) Maréchal eingeladen, bei ihrer jährlichen Zusammenkunft im Sommer über den Aufstieg des Populismus zu reden. Als die Ankündigung bei vielen für Empörung sorgte, wurde jedoch das ganze Forum abgesagt.

Mit ihrem Sieg bei den Wahlen zum EU-Parlament im Mai rückte die Rassemblement National an die Spitze der französischen Politik. Die Partei schlug das Lager von Staatspräsident Emmanuel Macron und hofft, den Schwung für die Kommunalwahlen im nächsten Jahr beizubehalten.

In einem Fernsehinterview Anfang Juni sagte Maréchal, sie wolle eine „große Rechtsallianz“ aufbauen – betonte aber, ihre Absichten seien frei von persönlichen Ambitionen. Für ihre Partei hatte sie scharfe Worte: Die Rassemblement National sei „unerlässlich für das politische Leben, doch leider unzureichend“. Die Verteidigung der Nation und die Bekämpfung von Macrons progressiven Anhängern erfordere „andere Stimmen von anderen Bewegungen, Strömungen“, um Allianzen zu schmieden.

Maréchal galt als potenzielle Präsidentschaftskandidatin für die Wahl 2022 oder danach, was zu gelegentlichen Spannungen mit ihrer Tante Marine Le Pen führte, die 2017 in der Stichwahl klar von Macron geschlagen wurde. Stephen Bannon, ehemaliger Chef-Stratege von US-Präsident Donald Trump, bezeichnete sie bei einem Kongress der Rassemblement National einmal als „aufsteigenden Stern“.

Selbst wenn Marine Le Pen eine Rückkehr ihrer Nichte auf die politische Bühne befürchtet, so verlieren sie oder ihr Lager kein Wort darüber. Ihre Initiativen kommentierte sie neulich mit kühlen Worten: „Dass Marion Brücken bauen will zu Leuten der traditionellen Rechten, die uns näher stehen als Emmanuel Macron, umso besser.“

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