Die K-Frage kann Jessica Rosenthal nicht mehr hören. K wie Kevin Kühnert, nicht wie Kanzlerkandidatur. Die 28 Jahre alte Lehrerin aus Bonn bewirbt sich an diesem Samstag bei einem digitalen Juso-Bundeskongress um die Nachfolge des omnipräsenten Überfliegers Kühnert.

Als einziger Bewerberin ist ihr der neue Job praktisch sicher. Im Video-Chat rollt sie bei der K-Frage dennoch gespielt theatralisch die Augen: „Für mich geht es überhaupt nicht darum, mich von seiner Amtszeit abzugrenzen oder eine Konkurrenzsituation zu sehen. Ich fühle da keinen Druck.“

Kühnert gibt nach knapp drei Jahren vorzeitig den Chefposten beim SPD-Nachwuchs mit seinen gut 75000 Mitgliedern auf. Der 31-Jährige will sich auf seine Kandidatur für den Bundestag und seine Arbeit als SPD-Bundesvize konzentrieren.

Wird es für den Kanzlerkandidaten Scholz und den SPD-Regierungsapparat mit Rosenthal leichter als mit Kühnert? Da sollte niemand die Sturheit und Prinzipientreue der Pädagogin und Schnellsprecherin unterschätzen, die seit 2013 in der SPD und seit zwei Jahren Juso-Chefin in NRW ist. In ihrem Referendariat an einer Schule im Bonner Brennpunkt Tannenbusch sah sie, wohin soziale Ungleichheit führen kann.

Große Koalitionen hält sie für Mist. Daran habe die Corona-Krise nichts geändert. Die SPD-Minister leisteten gute Arbeit – „trotzdem rechnen die meisten Menschen der SPD diese Erfolge nicht an“. Dass die Union derzeit so weit vorn liegt, mag Rosenthal nicht fassen: „Die CDU betreibt eine Bremsklotzpolitik ohne Ende. Sie kümmert sich allein um ihren Machtanspruch. Diese Partei ist inhaltlich völlig entkernt.“ Friedrich Merz hält sie für einen neoliberalen Politiker aus einem anderen Jahrhundert. „Das oberste Ziel dieses Bundestagswahlkampfes muss es sein, dass die Union aus dem Kanzleramt raus- und in die Opposition geschickt wird.“

Aber was ist nun mit Scholz? Werden die Jusos für ihn bei Wind und Wetter Plakate kleben, obwohl sie ihn so lange politisch bekämpft haben? Scholz werde Wahlkampfhilfe nicht umsonst bekommen: „Olaf Scholz ist klar, dass er Angebote an die Jusos und junge Menschen machen muss. Da werde ich mich nicht vertrösten lassen.“

Nach der Wahl wünscht sie sich ein Linksbündnis. Nur so lasse sich an der krassen Vermögensungleichheit etwas ändern. „Wir sind dabei, uns bei den Vermögen wieder einer Adelsgesellschaft anzunähern.“

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