„Fritz komm nach Hause“, soll die Reaktion von Vater Engels gewesen sein, als er 1849 seinen revolutionär eingestellten Sohn auf den Barrikaden von Wuppertal entdeckte. Doch Friedrich Engels junior blieb aktiv und prangerte das soziale Elend der Arbeiter an. Das hatte er schon ein Jahr zuvor mit seinem Freund Karl Marx im „Manifest der Kommunistischen Partei“ getan, das heute zu den wichtigsten Publikationen des 19. Jahrhunderts gezählt wird und Teil des Unesco-Weltdokumentenerbes ist.

Engels wurde 1820 in Barmen, das heute zu Wuppertal gehört, geboren. Er war gelernter Kaufmann, ging ins Exil nach England, wo Marx lebte. Der in Deutschland per Steckbrief Gesuchte verdiente sein Geld fortan in Manchester bei der Firma Ermen & Engels, an der seine Familie Anteile hatte. Und wurde ein wichtiger Kopf der europäischen Sozial- und Gesellschaftskritik. Vor 125 Jahren, am 5. August 1895, starb Engels in London: Er war Bürgersohn, Arbeiterführer, Herausgeber des „Kapitals“, Privatgelehrter, Vielschreiber und Bohemien.

Eine Rückbesinnung auf Marx und Engels habe es mit einer „Renaissance linken Denkens“ im Zuge der Finanzkrise ab 2007 gegeben, konstatiert Lars Bluma, Leiter des Historischen Zentrums Wuppertal, zu dem auch ein Wohnhaus der Familie gehört. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften gibt die Veröffentlichungen und Briefe der beiden in einer neuen Gesamtausgabe heraus. Bis Ende August zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn in der Ausstellung „Wir Kapitalisten“ wie das ökonomische System auch als Gesellschaftsordnung das Denken, Fühlen und Dasein seit Jahrhunderten prägt.

Als „Champagner-Kommunisten“, beschrieb sein Biograf Tristram Hunt den auf Fotos makellos gekleideten, bärtigen Engels. In Manchester führte dieser ein Doppelleben: Tagsüber im Kontor – den „Commerce“ verfluchte er –, abends bei Arbeiterversammlungen. Er hatte zwei Wohnungen: Eine offizielle für den Geschäftsmann, der auf die Jagd ging, guten Wein und Hummer schätzte. In der zweiten lebte er ohne Trauschein mit seiner irischen Freundin, einer politisierten Arbeiterin, die kaum lesen und schreiben konnte, und deren Schwester.

Zum 200. Engels-Geburtstag am 28. November 2020 wurden in Wuppertal sogar Gräber seiner protestantischen Industriellenfamilie renoviert. Engels selbst hatte bestimmt, dass nach seinem Tod die Urne mit seiner Asche im Meer versenkt wird. Seine Freundin, die irische Katholikin Lizzy, hatte der Ehegegner wenige Stunden vor ihrem Tod geheiratet.

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