Berlin /Dresden Die sächsische Landtagswahl hat die politischen Verhältnisse im Freistaat durcheinandergewirbelt. Die CDU ist zwar wieder stärkste Partei, die SPD weiter schwach und die Linke bei fast 20 Prozent. Doch das erneute Scheitern der FDP und der Triumph der AfD werden in den Berliner Parteizentralen aufmerksam zur Kenntnis genommen – nicht nur weil in zwei Wochen auch in Brandenburg und Thüringen gewählt wird.

Partystimmung im Berliner Konrad-Adenauer-Haus, der Parteizentrale der CDU. Ministerpräsident Stanislaw Tillich in der Nähe der 40-Prozent-Marke – da werden Erinnerungen an die Bundestagswahl wach. „Ein großartiges Ergebnis“, freut sich Präsidiumsmitglied Michael Grosse-Brömer. Die CDU habe in Sachsen mehr Stimmen als Linke, Grüne und SPD zusammen. Deutet jetzt alles auf Schwarz/Rot in Sachsen hin? In der Berliner CDU-Zentrale hoffen sie bis zuletzt darauf, sich am Ende einen Koalitionspartner auswählen zu können. Schwarz/Grün gilt hier als Alternative und interessantes Modell für Sachsen. Eine Zusammenarbeit mit der Alternative für Deutschland, dagegen schließt die Partei aus. „Sie ist für uns kein Bündnispartner“, so CDU-Vize Armin Laschet. Sie sei europafeindlich und mache „rückwärtsgewandte Politik“.

Bei der FDP ist man Tiefschläge inzwischen gewohnt, doch der Wahlausgang an der Elbe ist eine neue Hiobsbotschaft für die Liberalen, die jetzt auch in Sachsen außerparlamentarische Opposition sind. Es sei „eine schwierige Stunde“ für seine Partei, räumt FDP-Chef Christian Lindner enttäuscht ein. Man könne „nicht innerhalb von Monaten wieder aufholen, was über viele Jahre an Vertrauen verloren gegangen ist“. Ratlosigkeit macht sich breit. „Wir haben gekämpft wie die Löwen. Mehr kann man nicht machen“, sagt der sächsische FDP-Frontmann Holger Zastrow.

Die SPD hat sich leicht verbessert und steht womöglich vor der Rückkehr in die Regierung in Dresden – doch in Berlin hält sich die Freude darüber in Grenzen. Im Willy-Brandt-Haus, der Berliner Parteizentrale, will jedenfalls keine große Freude aufkommen. „Ein bitter-süßes Ergebnis“, analysiert SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Man sei stolz auf den sächsischen Spitzenkandidaten Martin Dulig. Dennoch bleibe das Ergebnis „unterhalb der bundesweiten Erwartungen“.

Für die Grünen wird der Wahlabend zur Zitterpartie, da zunächst nicht klar wird, ob Schwarz/Grün möglich wäre. Doch Parteichef Cem Özdemir ist so unzufrieden nicht: „Angesichts der Umstände war es ein tolles Ergebnis.“ Die Grünen verspüren nun aber Rückenwind für die Wahlen in Brandenburg und Thüringen.

Mit einer schwarz-grünen Koalition in Sachsen rechnet Özdemir offenbar nicht, selbst wenn es rein rechnerisch reichen sollte. „Es liegt in der Natur der Sache, dass Tillich zuerst die SPD fragen wird“, sagt Özdemir. Man sei aber nicht das Ersatzboot für die SPD.

Linkspartei-Chef Bernd Riexinger kritisiert, es habe in Sachsen keinen „Wechsel-Wahlkampf“ gegeben: Das sei „ein großer Fehler der anderen Parteien“ gewesen.

Rasmus Buchsteiner Korrespondentenbüro Berlin
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