Oldenburg Es ist wieder passiert. Tausende zum Teil sensible Daten von Politikern sind im Netz gelandet, genauer: auf einem mittlerweile gesperrten Twitter-Account mit rund 17.000 Anhängern. Dort wurden seit Dezember – quasi als „Adventskalender“ – täglich neue „Türchen“ für die Follower geöffnet. Der neuerliche Angriff auf deutsche Politiker unterscheidet sich allerdings von denen im Jahr 2015 und Ende 2016, als russische Hacker in das Datennetzwerk des Bundes eindrangen. Denn im aktuellen Fall sind nicht nur Politiker, sondern auch Prominente wie der Schauspieler Til Schweiger oder auch Künstler und Journalisten wie Jan Böhmermann (Neo Magazin Royal), aber auch der Moderator der Satire-Sendung „extra 3“, Christian Ehring, betroffen. Letzteren erwischte es besonders hart, mehr als drei Gigabyte Daten - darunter sehr private Urlaubsfotos – wurden illegal veröffentlicht.

Bei anderen Betroffenen ist das Ausmaß noch unklar. Klar ist jedoch bereits, dass einige der geklauten Informationen teils veraltet sind und aus früheren Leaks stammen. Fest steht zudem, dass Abgeordnete sämtlicher Parteien angegriffen wurden – mit Ausnahme von AfD-Politikern. Nur ein Zufall? Mit welcher Intention die Daten tatsächlich veröffentlicht wurden, muss nun ausführlich geklärt werden – dazu gehört auch die Frage, warum der Fall erst jetzt bekannt geworden ist und nicht schon vor Wochen auffiel.

Die Hacker haben offenbar die verletzliche Seite des Internets brutal ausgenutzt, denn die Daten stammen aus verschiedenen älteren Angriffen, und nicht aus einem einzelnen großen. Daher wäre es falsch und heuchlerisch, mit dem Finger auf die betroffenen Politiker und Promis zu zeigen. Fragen Sie sich doch einmal selbst: Wann haben Sie zuletzt Links geöffnet, von denen Sie nicht wussten, was dahinter steckt? Oder: Haben Sie nicht neulich einer neuen App auf Ihrem Smartphone den Zugriff auf Ihr Adressbuch genehmigt? Und diese Spiele auf Facebook, bei denen man nach der Beantwortung einiger sehr persönlicher Fragen erfährt, wie alt man wird, finden Sie total lustig? Dass dahinter oft Kriminelle stecken – das gilt übrigens auch für angebliche Gewinnspiele von Lufthansa und Co., die über verblüffend echt aussehende Facebook-Profile beworben werden –, ist vielen Menschen überhaupt nicht bewusst.

Dass mit diesen Daten ganze Identitäten gestohlen und für nicht sehr angenehme Zwecke (Stichwort Kreditkartenbetrug) genutzt werden können, wissen viele erst recht nicht. Nicht nur die Abdeckung des 5G-Netzes „bis zur Milchkanne“ sollte in der Öffentlichkeit diskutiert werden, es bedarf auch dringend mehr Aufklärung und Sensibilisierung in Sachen Internetsicherheit.

In diesem Facebook-Video erklärt Felix Beilharz ausführlich, was Betrüger mit Daten machen, die in Fake-Gewinnspielen gesammelt werden:

Christian Ahlers Redakteur / Online-Redaktion
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