Wittmund /Hannover Die vom SPD-Bezirk Weser-Ems eingesetzte Untersuchungskommission im Fall des Wittmunder SPD-Landtagsabgeordneten Jochen Beekhuis (Großefehn) hat ihre Arbeit aufgenommen. Das bestätigte Bezirksgeschäftsführer Olaf Abdinghoff-Feldkemper. Die drei Kommissionsmitglieder hätten sich zum ersten Mal getroffen und seien jetzt dabei, eine Liste mit Personen zu erstellen, die sie zu Gesprächen einladen wollen.

Wer schon auf der Liste steht, verriet Abdinghoff-Feldkemper nicht. Die Kommission handele unabhängig, deshalb könne er dazu nichts sagen. Es dürfte sehr wahrscheinlich sein, dass sowohl der Großefehntjer SPD-Ratsherr Wilke Bohmfalk als auch der stellvertretende Chef des Ortsvereins Langeoog, Mario Kramp, auf der Liste landen werden. Beide sind, das geht aus unserer Zeitung vorliegenden Protokollen hervor, unter Beekhuis’ Haupt-Chatpartnern gewesen, wenn es ums Lästern ging.

Beekhuis war in die Schlagzeilen geraten, weil in von einem Hacker illegal ins Netz gestellten Privat-Chats gegen Parteikollegen, Frauen, Homosexuelle und Dicke ausgeteilt wird. Auch mutmaßlich fingierte Leserbriefe gegen zwei Genossinnen finden sich dort.

Diejenigen, die mit Beekhuis beleidigt und gelästert haben, würden sich mit einer Aussage vor der Kommission selbst belasten – das müssen sie aber nicht. „Die Kommissionsmitglieder können natürlich niemanden zwingen, mit ihnen zu reden“, so Abdinghoff-Feldkemper. Wer eine Einladung bekommt, müsse nicht kommen. Sanktionsmöglichkeiten habe die Partei nicht. Was im Falle eines Nichterscheinens negativ auffallen dürfte, ist fehlende Kooperationsbereitschaft.

Beekhuis bleibt seiner Linie, sich nicht zu äußern und Genossen unter Druck zu setzen, offenbar treu: Aus Parteikreisen ist zu hören, seine Anwältin habe Schreiben verschickt, in denen darauf hingewiesen wird, der Adressat habe sich möglicherweise der Datenhehlerei schuldig gemacht. Jan Wilken, Pressesprecher der Auricher Staatsanwaltschaft, sagte auf Nachfrage, er habe nichts davon gehört, dass diesbezüglich Anzeigen eingegangen seien.

Am Samstag hatte der Vorstand des SPD-Unterbezirks Aurich getagt. Wie aus Teilnehmerkreisen zu hören ist, soll Beekhuis die Äußerungen derjenigen mitgeschrieben haben, die etwas zu den Chat-Verläufen gesagt oder ihm etwas vorgeworfen haben. Wer Post von Beekhuis’ Anwältin bekomme, könne sich an die Partei wenden, soll der Unterbezirksvorsitzende Johann Saathoff gesagt haben, heißt es.

An diesem Mittwoch tagt der niedersächsische Landtag. In Hannover geht man davon aus, dass auch Beekhuis im Plenum sitzen wird. In einer Sitzung seines Ortsvereins Großefehn hatte Beekhuis angekündigt, sein Mandat auf jeden Fall erfüllen zu wollen – „weil seine Arbeit, wie er selbst sagt, zu wichtig sei, um sie abzugeben“, hatte ein Teilnehmer dieser Sitzung berichtet.

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