OSNABRüCK „Christian Wulff war gestern. Gut, dass es endlich vorbei ist“. Ähnlich wie die Studentin Rosa Schmelzer reagieren derzeit viele Osnabrücker, wenn sie auf ihren einst prominentesten Bürger angesprochen werden. Vorbei sind die emotionsgeladenen Debatten auf Bürofluren und den örtlichen Leserbriefseiten, die im ansonsten eher westfälisch-kühlen Osnabrück wochenlang mit heißen Herzen geführt wurden.

Umstrittener Abschied

Nach dem umstrittenen Zapfenstreich-Abschied gerät der noch vor Monaten umjubelte Politstar in seiner Heimatstadt immer weiter aufs Abstellgleis. „Der ist in seinem erlernten Beruf im Moment wohl nur schwer vermittelbar. Ich würde ihn nicht in meiner Kanzlei anstellen“, sagt zum Beispiel die Osnabrücker Rechtsanwältin Ulrike Szlapka.

Ähnlich sieht das ein langjähriger Weggefährte, der Wulff seit gemeinsamen Zeiten aus dem Jura-Studium kennt. Seinen Namen möchte er aus einem einfachen Grund nicht in der Öffentlichkeit sehen: „Als Osnabrücker möchte man nicht zu denen gehören, die zur Demontage von Wulff beigetragen haben“.

Dabei war die Euphorie vor 19 Monaten groß. Mit der am 1. Juli 2010 knapp geglückten Wahl wurde Osnabrück vom Glanz der großen Glitzerwelt erfasst. Am Tag danach konnte jeder Osnabrücker nachlesen, dass „ihr“ Christian künftig dreimal pro Jahr um die Welt jetten wird, um von den wichtigsten gekrönten und nicht gekrönten Häuptern empfangen zu werden.

„Wir sind Bundespräsident“ hörte sich viel besser an, als der bis dahin geltende Werbespruch „Ich komm zum Glück aus Osnabrück“. Mit Christian Wulff samt Yellow-Press-tauglicher Ehefrau Bettina war das selbst ernannte Metropölchen plötzlich zu einem Fixpunkt auf der medialen Weltkarte geworden.

Aus und vorbei. „Die Diskussion ist beendet“, berichtet der Osnabrücker CDU-Geschäftsführer Ingo Dauer, der die vergangenen Wochen wie eine „mediale Hetzjagd“ empfunden hat. Den Rücktritt von Christian Wulff habe er ebenso tief bedauert, wie viele Osnabrücker Bürger: „Bei uns haben sehr unterschiedliche Menschen angerufen, die das Ganze als zutiefst unfair empfunden haben“.

Bartelt hatte gewettet

Viele andere sind das Thema einfach nur leid. Dass der Rücktritt „wohl unausweichlich“ gewesen ist und er Christian Wulff und seiner Familie „alles Gute für die bevorstehende Zeit wünscht“ ist alles, was Osnabrücks Oberbürgermeister Boris Pistorius sagen möchte.

Auch andere Entscheider aus der Region geben sich zugeknöpft. „Auf den Erfolg unserer Unternehmen hat das Ganze sicher keinen Einfluss“, betont etwa IHK-Sprecher Frank Hesse knapp.

Nach Einschätzung von Dehoga-Geschäftsführer Dieter Westerkamp ist auch der Marketing-Verlust überschaubar: „Ich glaube nicht, dass in der Amtszeit von Christian Wulff viel mehr Touristen nach Osnabrück gekommen sind“.

Sicher ist, dass Osnabrück mit dem Ende der Ära Wulff über Nacht ins politische Niemandsland gefallen ist. Die Osnabrücker Farben der beiden großen Parteien vertreten in Berlin nun die auf Bundesebene deutlich weniger bekannten CDU-Bundestagsabgeordneten Georg Schirmbeck und Dr. Matthias Middelberg sowie ihr SPD-Kollege Martin Schwanholz, dessen größte überregionale Schlagzeile darin besteht, dass er 2008 mit dem letzten SPD-Listenticket gerade noch in den Bundestag gerutscht war.

„Kenne ich alle nicht, macht aber auch nichts“, sagt Rosa Schmelzer zu den verbliebenen Osnabrücker Polit-Promis in Berlin. Bedauern über den Wulff-Rücktritt kommt ausgerechnet vom Grünen-Kreisgeschäftsführer Johannes Bartelt: „Ich habe mit Freunden gewettet, dass er das Ganze aussitzen wird. Jetzt muss ich mit einem Abendessen bezahlen“.

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