Das Topmodel Eva Padberg wirbt für Organspenden, ebenso die Moderatorin Charlotte Engelhardt, der Fußballer Mario Basler und Wirtschaftsminister Philipp Rösler. Auch Benedikt XVI. hatte einen Spendenausweis, der laut Vatikan mit der Papstwahl allerdings ungültig geworden ist. Seit Jahren fordern Politiker aller Parteien, Ärzte und Prominente Bürger dazu auf, ihre Organe nach dem Tod zur Entnahme freizugeben. Der Erfolg hält sich allerdings in Grenzen. Nach wie vor reicht die Zahl der Spender bei Weitem nicht aus. Regelmäßig sterben Menschen, die mit einem implantierten Organ überleben könnten.

Der neue Anlauf, den Gesundheitsminister Bahr jetzt vorgestellt hat, geht deshalb über allgemeine Appelle hinaus. Jeder Bürger soll die Frage beantworten, wie er es mit dem Thema hält. Die Hoffnung ist, dass Menschen, die grundsätzlich spenden wollen, ihre Bereitschaft auch dokumentieren. Denn in Umfragen klafft die Zahl der Befürworter und der tatsächlichen Spender weit auseinander.

Organspenden rühren bei vielen Menschen an ein Tabu. Schon die Auseinandersetzung mit dem Tod weckt Ängste. Die Vorstellung, Ärzte entfernen einzelne oder mehrere Organe, verstärken diese Scheu. Die Bedenken lassen sich nicht einfach beiseiteschieben. Eine wichtige Rolle spielt die ärztliche Definition, wann ein Sterbender tatsächlich tot ist. Es darf zudem nicht der Hauch eines Zweifels daran entstehen, dass Ärzte nicht zwischen Spendern und Nicht-Spendern unterscheiden, sondern alle gleich behandeln. Ausgeschlossen muss sein, dass Kriminelle einen Handel mit Organen als Einnahmequelle missbrauchen können.

Die Gesetzesinitiative packt also ein heikles Thema an – aber umsichtig und verantwortungsbewusst. Wenn der Vorstoß dazu führt, dass in Deutschland mehr über Organspenden diskutiert wird, hat er ein wichtiges Ziel erreicht. So könnte es tatsächlich gelingen, mehr Organe für Transplantationen zu gewinnen, ohne Bedenken zu übergehen. Wichtig ist: Ein „Nein“ zur Spende bleibt genauso möglich wie die Weigerung, auf die Frage nach der Bereitschaft überhaupt zu antworten. Auf freiwilliger Basis aber mehr Menschen zu animieren, Organe freizugeben, hat alle Unterstützung verdient.

Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
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