Hannover /Papenburg Auf der Papenburger Meyer Werft haben Werkvertragsarbeiter oft über 12 Stunden und auch in Doppelschichten geschuftet. Einige hätten nach der Arbeit kaum noch laufen können und seien erschöpft ins Bett gefallen. Auch bei der Unterbringung und der Bezahlung gab es offenbar gewaltige Defizite.

Zu diesem Ergebnis kommt die nach dem Tod zweier osteuropäischer Arbeiter eingerichtete Kommission in ihrem Zwischenbericht, der am Dienstag in Hannover vorgestellt wurde. „Da ist vieles nicht in Ordnung gewesen“, sagte der Vorsitzende der Kommission, Walter Remmers. Die Höhe der Entlohnung sei undurchsichtig und die Arbeitsverträge würden nicht von allen Subunternehmern eingehalten. Die Kommunen hätten Überbelegungen in den Unterkünften keine Beachtung geschenkt. Zudem seien die Beschäftigten aus Rumänien und Bulgarien häufig bedroht worden.

In einem konkreten Fall sei ein Beschäftigter ohne Geld und ohne weitere Mittel in Oldenburg auf dem Bahnhof ausgesetzt worden, heißt es in dem 180-seitigen Bericht. Dort habe er eine Woche verbracht, bis seine Familie ihm Geld für die Heimreise zukommen ließ. Die Kommission hatte 21 Werkvertragsunternehmen der Werft unter die Lupe genommen.

Ex-Justizminister Remmers lobte die von der Meyer Werft nach dem Brand in einer heruntergekommen Unterkunft gezogenen Konsequenzen. Dabei waren zwei Rumänen gestorben. Ein Mindestlohn von 8,50 Euro sei ebenso vereinbart worden wie eine angemessen Unterbringung.

SPD-Wirtschaftsminister Olaf Lies (Sande) kritisierte den „stellenweise systematischen Missbrauch“ von Werkverträgen. „Das ist die Meyer Werft, die im Fokus der Debatte steht, aber Werkverträge sind branchenübergreifend ein Thema.“ Der Betriebsratsvorsitzende der Werft, Thomas Gelder, sagte zu Vermutungen der Kommission, dass teilweise nur ein Stundenlohn von drei Euro gezahlt worden sei: „Man kann davon ausgehen, dass bei den rumänischen Werkvertragsarbeitnehmern nicht viel angekommen ist.“ Werft-Chef Bernard Meyer sagte: „Wir nehmen die Kritik sehr ernst, wir nehmen sie an, wir wollen da gegensteuern.“

Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
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