Vechta Die Band braucht’s gar nicht für die Stimmung Im Rasta Dome von Vechta. Der Einzug von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Donnerstagabend gleicht einem Triumphmarsch. Fast 2500 Menschen klatschen begeistert. Im Schlepptau: Niedersachsens CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann. Gleich mit einer ganzen Serie von Großkundgebungen unterstützt Merkel die Parteifreunde in Niedersachsen vor dem kommenden Wahlsonntag.

Liegt’s am Kopf-an-Kopf-Rennen in den Umfragen zwischen Althusmann und SPD-Ministerpräsident Stephan Weil im Rennen um die Staatskanzlei in Hannover? Die Neugier ist jedenfalls riesig.

Endspurt im Kampf um Wählerstimmen

Im Endspurt vor der Landtagswahl am Sonntag setzen die Parteien auf Prominenz. Für die FDP warb Bundesvorsitzende Christian Lindner gestern abend in Hannover um Stimmen – gemeinsam mit dem niedersächsischen Spitzenkandidaten Stefan Birkner.

Für die SPD stieg Bundesaußenminister Sigmar Gabriel in Einbeck in den Ring. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, kam nach Göttingen. Ministerpräsident Stephan Weil tingelt derweil mit Bürgergesprächen durch die Innenstädte Niedersachsens.

Die Linke setzte auf die Bundesvorsitzende Katja Kipping in Goslar und ihren Co-Vorsitzenden Bernd Riexinger in Wolfenbüttel.

Die Grünen luden zum Wahlkampf-Finale mit den Bundesvorsitzenden Cem Özdemir und Simone Peter zum Kröpcke nach Hannover ein.

Die CDU vertraut auf den letzten Metern vor allem Kanzlerin Merkel mit insgesamt vier Großveranstaltungen.

Die ersten Gäste rücken schon anderthalb Stunden vor Beginn an. Einige malen noch persönliche Glückwünsche für Althusmann auf die bereitliegenden Plakate. Andere genehmigen sich einen Piccolo. Schampus auf den Sieg?

Früh besetzt auch die Promi-Plätze vorne. Die Landtagsfraktion gibt sich die Ehre mit den Abgeordneten Jens Nacke, Stephan Siemer und Karl-Heinz Bley. Sie sind aber an diesem Abend in Nebenrollen.

Für Merkel in auffällig gelber Kostümjacke und Althusmann ist Vechta noch mal eine Gelegenheit, „72 Stunden vor der Entscheidung“ Mitglieder und Sympathisanten auf den Endspurt bis zum 15. Oktober einzuschwören. „Es wird ein knappes Rennen“, macht Althusmann klar: „Gehen wir in die Schlacht“.

Wie ein Gespenst geistert die Vision von Rot-Rot-Grün durch den Saal in der Kreisstadt Vechta. „Das darf nicht sein“, beschwört Merkel. Schon Rot/Grün in Niedersachsen mit Ministerpräsident Weil habe in den letzten Jahren für eine Blockade im Bundesrat gesorgt. Mit einem Linksbündnis werde es noch schlimmer in der Bundesrepublik.

Althusmann, der die Kanzler willkommen heißt „im Kraftzentrum der Union in Niedersachsen“ macht die Alternative ebenfalls deutlich: „Entweder SPD, Linke und Grüne oder eine bürgerliche Mehrheit“ mit der FDP.

Ob’s reicht? Althusmann schließt an diesem Abend auch andere Koalitionen nicht aus. „Wir werden unmittelbar nach dem Sonntagabend in Gespräche eintreten“, kündigt Althusmann Verhandlungen mit SPD, FDP und Grünen an. Für eine Große Koalition? Althusmann lässt’s offen.

Nur einen Agrarminister Christian Meyer (Grüne) schließt der CDU-Chef in seinem Kabinett aus. Der Name Meyer reicht im Oldenburger Münsterland, um die Gefühle der Zuhörer in Wallung zu bringen.

Merkel beschwört alle im Rasta Dome: Jetzt nach Hause gehen, die letzten Wankelmütigen für die CDU einzufangen, denn: „Es wird ein knappes Rennen.“ Der Riesenbeifall wirkt wie eine Antwort: Wir haben verstanden.

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