Oldenburg Siebzehntausendeinhundertsiebenundneunzig Tage – so lange war Marion Janßen für den Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) tätig, als sie am Freitag, 4. August, im Alten Oldenburger Landtag in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Es wurden vier Musiker der Würth-Philharmonie engagiert, die die Feierstunde musikalisch begleiteten – als Überraschung. Die Männer waren für Marion Janßen keine Unbekannten. „Als mir Catalin Desaga heute auf dem Flur begegnet ist, wusste ich gar nicht, was ich sagen soll. Ich kann nicht mit Worten beschreiben, wie viel mir das bedeutet“, sagte Marion Janßen mit erstickter Stimme. Einen Wunsch hatte die 65-Jährige im Vorhinein aber geäußert. Wenn schon so viel Wirbel um sie gemacht würde, dann solle das Catering am allerliebsten aus einer DRK-Einrichtung kommen. „Und das hat geklappt“, freut sich Marion Janßen.

Die Zeit nach Janßen

In den 47 Jahren kamen für die gelernte Versicherungskauffrau immer weitere Tätigkeitsfelder hinzu. Sie galt als treibende Kraft vieler Projekte und hat einige Fußspuren hinterlassen. „Bei uns heißt es nicht ,nach Christi’, sondern ab Montag dann ,nach Janßen’“, sagte der Landesgeschäftsführer Bernd Schmitz in seiner Rede. Egal welche Frage aufkam, egal, welche Unsicherheiten bestanden: „Marion Janßen ist das Rote-Kreuz-Lexikon. Ich glaube, sie weiß einfach alles“, fügte er lachend hinzu.

Auch der Präsident des Landesverbandes ließ in seiner Rede durchscheinen, wie sehr er die Arbeit Marion Janßens, aber ganz besonders auch ihre Person, geschätzt hat: „Sie hat mit ihrer barocken, humorvollen, charismatischen und auffallenden Persönlichkeit so viel für den Landesverband geleistet und war die ganzen Jahre eine loyale Mitarbeiterin.“ Er betonte, dass das in Edewecht lebende „Original“ in jedem Falle das Potenzial zur Geschäftsführerin eines anderen Landesverband gehabt hätte. „Manchmal wollte ich ihr sagen: Marion, such Dir ein anderes Reich. Der Oldenburger Landesverband ist zu klein für dich! Ich war so dankbar für all ihre Ideen und ihr Engagement.“

Fleißig bis in die Nacht

Nicht selten habe sie Dieter Holzapfel auch noch nach 23 Uhr angerufen, um Probleme zu besprechen. Da saß sie noch im Büro. Maßgeblich trieb Marion Janßen das Projekt FACE voran, ein europäischer Erste-Hilfe-Wettbewerb. „Es wurde währenddessen teilweise richtig stressig. Aber wann immer wir mit Fragen zu Dir kamen, hast Du uns das Gefühl gegeben, dass wir gerade das Wichtigste auf der Welt sind und Du hast uns immer geholfen“, zeigt sich Marion Janßens Kollegin Ute Henkensiefken in ihrer Rede dankbar.

Ihre Liebe zur Arbeit zeigte sich auch darin, dass sie – statt bereits im Mai in den Ruhestand zu gehen – noch bis zum Vortag der Feierstunde arbeitete. Arbeitstier bleibt eben Arbeitstier.

„Mit einem Herzen voller Dankbarkeit“ stand Marion Janßen auf der mit Blumen geschmückten Bühne. „Ich muss erstmal tief durchatmen. Ich habe mir extra Tücher bereitgelegt. Ohne ein Tränchen wird das hier wohl heute nichts werden“, eröffnete sie ihre Rede. Ihr Vorrat an Tränen sei allerdings in den letzten Wochen aufgebraucht worden, „als sich all diese wunderbaren Menschen mit ihren Besonderheiten“ von ihr verabschiedeten. Sorgen um die Zukunft des Landesverbandes Oldenburg mache sich Marion Janßen keine. „Meine Nachfolgerin Daniela Udrea bringt alles mit, was man für diese Aufgabe braucht. Und neue Köpfe und frischer Wind sind immer eine Chance“. Ein neuer Kopf mit ganz vielen frischen Ideen war auch Marion Janßen selbst vor 47 Jahren. Was kommt nun?

Vorfreude und Wehmut

„Ich werde meine Arbeit vermissen. Aber ich gebe zu – ich freue mich auch ein bisschen darauf, mehr Zeit mit meinem Mann zu verbringen und ohne schlechtes Gewissen bis spät in die Nacht zu lesen.“ Dafür hat sie reichlich Nachschub von Kollegen bekommen. Alle schenkten in einer Holzkiste das jeweilige Lieblingsbuch samt persönlicher Widmung.

Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
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