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HANNOVER Der Ex-Präsident des Niedersächsischen Judo-Verbands meldet sich zu Wort. Er greift Sportbund-Direktor Rawe frontal an.

Von Olaf reichert HANNOVER - Die Affäre um den verhafteten Judo-Olympiatrainer Jürgen K. (53) aus Hannover weitet sich aus. Der Landessportbund (LSB) gerät immer stärker in die Schusslinie. Erstmals legte ein Insider neue Fakten auf den Tisch und nennt Namen: Norbert Schulz, Ex-Präsident des Niedersächsischen Judo-Verbandes (NJV), beschuldigt LSB-Direktor Reinhard Rawe, im Jahr 2002 massiv Einfluss auf interne NJV-Untersuchungen zu dem Olympiatrainer genommen zu haben, der bereits damals unter Betrugsverdacht stand.

„Es war das erklärte Ziel von Rawe, K. um jeden Preis als Trainer am Olympiastützpunkt Hannover zu halten“, sagte Schulz dieser Zeitung. Kernpunkt des Vorwurfs: Hätte der LSB den umstrittenen Trainer nicht gestützt, wäre der entstandene Schaden nicht so hoch.

Seit zwei Wochen sitzt der 53-jährige Olympiatrainer – mit kurzer Unterbrechung – in Untersuchungshaft. K., im Hauptberuf Polizeibeamter und zu 50 Prozent für seine Trainertätigkeit beim LSB freigestellt, wird aktuell Bestechlichkeit, Untreue, Betrug und Urkundenfälschung in rund 200 Fällen vorgeworfen. Gegenstand des Verfahrens sind Beschaffungen, die K. für die Polizei getätigt hat, sowie falsche Abrechnungen zu Lasten des NJV und eines Judovereins in Hannover. Gesamtschaden: eine sechsstellige Summe.

Als Belege für seine Vorwürfe führt Schulz unter anderem drei Revisionsverfahren des LSB an, die im Jahr 2002 wegen der „Affäre K.“ angestrengt wurden. Zuvor hatte die damalige NJV-Führung unter Schulz Differenzen bei Abrechnungen von K. in erheblicher Höhe festgestellt und davon LSB-Direktor Rawe am 28. März 2002 berichtet.

„Ein im April 2002 vorgelegter Revisionsbericht des LSB, der unsere Vermutungen im Prinzip bestätigte, wurde nie veröffentlicht. Stattdessen wurde eine zweite Revision mit anderen Prüfern in Auftrag gegeben“, berichtet Schulz. Bei dem im Juni 2002 vorgelegten zweiten Bericht sei allerdings nur der Judo-Stützpunkt Osnabrück unter die Lupe genommen worden, der sich zu der Zeit im Konkurrenzverhältnis zum Olympiastützpunkt Hannover befand. Schulz: „Es ging darum, nachzuweisen, dass es im gesamten Verband drunter und drüber ging. Wir sollten mundtot gemacht werden.“

Im dritten Revisionsverfahren, vorgelegt am 20. Juni 2002, sei allein auf der Basis der Unterlagen des Beschuldigten geprüft worden. Fazit: Jürgen K. ist nichts vorzuwerfen. „Ein Gefälligkeitsgutachten“, meint Schulz.

Zudem habe der LSB in Anwesenheit von Präsident Wolf-Rüdiger Umbach am 25. Juni 2002 versucht, das NJV-Präsidium dazu zu verpflichten, „aktuell und künftig keine Erklärungen, Hinweise oder Stellungnahmen (...) abzugeben, dass Herr K. falsche Abrechnungen erstellt und Geldmittel zu Unrecht erhalten hat“.

Über diese Vereinbarung sollte Stillschweigen bewahrt werden, bei Verletzung des Schweigegebots sei eine Konventionalstrafe von 5000 Euro fällig. In Kraft trat diese Abmachung nicht. „Ich habe mich geweigert, zu unterschreiben“, sagt Schulz, der Ende 2002 bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung fast mit seinem ganzen Präsidium abgewählt worden war.

Nach der Verhaftung von Jürgen K. am 18. März 2005 und einem Gespräch mit Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hat LSB-Direktor Rawe laut Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, der Staatsanwaltschaft Hannover die „uneingeschränkte Unterstützung“ des LSB bei der Aufklärung der Affäre angeboten. Die Staatsanwaltschaft hat sich für das Angebot bedankt.

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