Leer /Hannover Mehr Mobilität für Patienten auf dem Land – mit diesem Ziel ist ein spezieller Bus gut ein Jahr durch Ostfriesland gerollt. Bewohner in dünn besiedelten Gebieten konnten damit preiswert und zuverlässig zu Arztpraxen in die Stadt fahren. Jetzt ist das Modellprojekt nach 15 Monaten zu Ende gegangen, fortgesetzt wird es nicht. Wegen rechtlicher Bedenken und Problemen bei der weiteren Finanzierung wurde der landesweite Versuch zum Jahreswechsel eingestellt. Der Abschlussbericht soll demnächst vorgelegt werden.

Mit dem Fahrtende in Ostfriesland ist der Patientenbus aber in anderen Landesteilen durchaus noch ein Thema. Im Landkreis Nienburg/Weser wird über ein ähnliches Projekt mit ehrenamtlichen Helfern und anderer Kostenstruktur nachgedacht.

Das Projekt in Ostfriesland war eine von mehreren Maßnahmen, um die ärztliche Versorgung auf dem Land zu verbessern. Prognosen zeigen, dass das Angebot an Hausärzten in ländlichen Regionen Niedersachsens abnimmt.

Politik und Krankenkassen wollen daher Anreize schaffen, damit sich dort mehr Mediziner niederlassen. Auf der anderen Seite sollen Patienten leichter zu den Praxen in die Städte kommen. Dazu hatten der Landkreis Leer, die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) und Busbetreiber das Modellprojekt Patientenbus in Gang gesetzt.

Nur 4,60 Euro kostete die Fahrt, wenn der Bus die Patienten zu Hause abholte und zur Arztpraxis brachte. Bei längeren Wartezeiten war für den Rückweg eine Taxifahrt ohne Preiszuschlag vorgesehen. „Mit diesem Wert könnte man – bei der Auslastung, wie wir sie hatten – kein Fahrzeug wirtschaftlich betreiben“, sagt Dieter Krott von der KVN im ostfriesischen Aurich.

Zudem gab es keine rechtliche Grundlage für ein Bussystem im Landkreis Leer, das nur für den Transport einer ausgewählten Personengruppe in einer Region bestimmt ist. „Für die Projektphase hatten wir eine Sonderrolle, die aber jetzt entfallen ist“, sagt Krott. Immerhin hat sich in dem betroffenen Gebiet im Rheiderland ein neuer Hausarzt angesiedelt. Dadurch hat sich nach der Einstellung des Patientenbusses die ärztliche Versorgung etwas gebessert.

Die medizinische Versorgung ist auch in anderen ländlichen Regionen Niedersachsens schwierig, etwa in Bremerhaven-Nord, Buxtehude, Harburg-Nord, Melle, Nienburg, Stadthagen, Stolzenau, Syke und Wolfsburg-Umland. Als Gegenmaßnahmen sind Zuschüsse für Praxisgründer, Stipendien für Medizinstudenten und mehr Studienplätze im Gespräch. „Wir müssten eigentlich zusätzlich 300 Medizinstudenten pro Jahr ausbilden, um den zukünftigen Bedarf ein Stück weit abzudecken“, sagt Detlef Haffke von der KVN in Hannover.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte sich im Wahlkampf für eine Landarztquote eingesetzt. Dabei wird ein Teil der Studienplätze an Studierende vergeben, die sich verpflichten, nach dem Examen Landarzt zu werden. Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) möchte dagegen andere Anreize schaffen, damit sich Studenten freiwillig für eine Tätigkeit als Hausarzt auf dem Land entscheiden.

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